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Waschtag-Kolumne

Zotter und Tonys`s Chocolonely: Zwei Lichtblicke in der grauen Welt der Schokolade

Ich wurde gebeten, auch mal ein positives Beispiel zu bringen – eines einer Firma, die definitiv kein Greenwashing betreibt. Und: Ich bin bekennende Schokoholic. Und wie. Ein Leben ohne Schokolade wäre sinnlos. Wie diese beiden Dinge zusammenpassen? Erzähl ich gern! 

Ich liebe Schokolade. Seit der Pandemie leider so sehr, dass meine Hosen nicht mehr passen, was aber relativ egal ist, denn die Schokolade hat mich glücklich gemacht und Glücklichsein ist ja wohl nach Gesundsein das höchste Gut. Aaaaber: Schokolade hat eine wahnsinnig schmutzige Lieferkette. Der Anbau und die Ernte der Kakaobohnen ist sehr, sehr häufig verbunden mit Zwangs- und Kinderarbeit. Ja, auch bei den berühmten lilafarbenen Tafeln, die können nämlich nicht garantieren, dass ihre Schokolade sklavenarbeitsfrei ist. 

Doch jetzt kommen wir zur guten Nachricht: Es gibt nicht nur ein, sondern sogar zwei Unternehmen, die beide auf ihre Art dafür sorgen, dass man Schokolade genießen kann, ohne ein schlechtes Gewissen wegen möglicher Zwangsarbeit dahinter zu haben. 

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Quietschbunte Schokoladentafeln mit sauberer Lieferkette

Eines ist Tony`s Chocolonely. Ich kannte sie bis vor kurzem nur aufgrund der quietschbunten Schokoladentafeln im Supermarkt, doch beschäftigte mich vor kurzem eingehend mit ihnen – und war beeindruckt: Die ganze Firma wurde gegründet, weil ein Journalist herausfand, wie mies es in der Schokoladenproduktion zugeht, und das auf eigene Faust ändern wollte. Inzwischen ist Tony`s Chocolonely ein Unternehmen, das in seinem Gründungsland Niederlande mit den großen Konzernen der Branche locker mithalten kann. Dass es ihnen nicht nur um ihre Marke geht, sondern da wirklich ein Sinn dahintersteckt, beweist ihr Konzept, ihre 100 Prozent sklavenfreie Schokolade als Rohmasse an andere Produzenten, um noch weiter an besseren Zuständen in der Industrie zu arbeiten, und ihr politisches Engagement. Welches Unternehmen, das Genussmittel wie Schokolade verkauft, hat schon Forderungen an die EU-Kommission in Sachen Due Diligence Gesetzgebung prominent auf der Website stehen? 

Die andere Schokoladenfirma, die greenwashingfrei, fair und noch dazu bio produziert, kommt aus Österreich und heißt Zotter. Wobei „Schokoladenfirma“ da eine Untertreibung ist, Zotter ist eine Institution. Keine andere Firma verarbeitet wirklich von der Bohne weg alles fair und transparent in Österreich und bezieht nur streng bio und fair zertifizierte Kakaobohnen. Der Großteil der Branche verwendet Halbfertigprodukte, aber Zotter stellt seine Schokoladen direkt am Standort selbst her. 

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Österreichs Vorzeige-Schokoproduzent

Zotter ist ebenfalls ein Unternehmen, in dem soziale und ökologische Verantwortung weitergedacht wird: Nicht umsonst gilt es als eines der nachhaltigsten Unternehmen Österreichs – in Sachen Ökologie, Verpackung, Transport, Inhaltsstoffe sowie artgerechter Tierhaltung sind sie seit Jahren weit vorne. Der Aspekt der Tierhaltung hat Zotter auch zu einem weiteren Standbein geführt, der mich besonders beeindruckt: Im essbaren Tiergarten, der direkt an die Fabrik angrenzt, wird gezeigt, woher die Lebensmittel kommen, die viele von uns immer noch häufig essen. Die Tiere, die man dort in artgerechter Haltung sieht, werden im Nachbarort zu Wurst und Fleisch verarbeitet, das dann wiederum direkt beim Essbaren Tiergarten konsumiert werden kann. 

Wer jetzt aufschreit, dass das makaber ist, hat mein Verständnis nicht. Die meisten von uns leben in einer ständigen kognitiven Dissonanz, wir verbinden das Schnitzel am Teller nicht mehr mit der Kuh im Stall – und ich komme aus einer Generation, in der eine Studie vor 25 Jahren für einen großen Aufschrei sorgte, weil viele Kinder (v.a. aus der Stadt) glaubten, Kühe seien wirklich lila – so wie die Schokoladenwerbung es vorgaukelte. 

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Schokolade kann sklaven- und greenwashingfrei sein

Wir sehen die Tierqual in der konventionellen Tierhaltung am fertigen Schnitzel nicht, und wir sehen die Sklavenarbeit in der Kakaoproduktion an der Tafel Schokolade nicht. Firmen, die aber genau diese Tatsachen nicht nur offen thematisieren, sondern es bewusst besser machen, sollten die Norm sein. Leider sind Tony´s Chocolonely und Zotter immer noch die Ausnahme im Wettbewerb gegen Nestlé, Mondelez und wie sie alle heißen. Immerhin: Ich weiß, dass meine Schokolade sklaven- und greenwashingfrei ist. Und dass es Unternehmen gibt, die beweisen, dass man auch ohne irgendwelche grünen Mäntelchen oder halbherzigen Sozial-Ah-und-Ohs höchst erfolgreich sein kann. Zwei Fliegen mit einer Klappe – und die Hosen kauf ich mir halt eine Größe größer.  

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