Naturschutz vs. erneuerbare Energie

Zankapfel Wasserkraft: „Werden alle Technologien brauchen, um Klimaziele zu erreichen“

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Bis 2030 soll Österreich die Wende zu 100 Prozent Ökostrom gelingen. Dafür ist ein massiver Ausbau erneuerbarer Energiequellen notwendig und so wichtig das für die Energiewende ist, für die Natur sind das nicht nur gute Nachrichten, wie Umweltschützer betonen. Zuletzt ist vor allem um die Wasserkraft eine hitzige Debatte entstanden.

„Von 2003 bis 2017 wurden mehr als 500 Millionen Euro an Subventionen ohne Rücksicht auf Effizienz, Klimawirksamkeit oder Naturverträglichkeit an Wasserkraftbetreiber verteilt. Angesichts des rapiden Artensterbens in unseren Flüssen braucht es dringend eine Trendwende“, sagt Bettina Urbanek, Gewässerschutzexpertin vom WWF Österreich. Die Forderung: In dem Erneuerbaren Ausbau Gesetz, das noch diesen Sommer in Begutachtung gehen soll, möge man doch bitte keine Förderung von Kleinstwasserkraft unter 1 Megawatt Leistung mehr vorsehen. Ein Anliegen, dass der Biodiversitätsrat mit Unterstützung dutzender Wissenschaftler auch direkt an die Regierung richtet.

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„Umweltverträglichkeit wird ohnehin geprüft“

In der betroffenen Branche trifft das naturgemäß auf wenig Verständnis. „Im Zuge der Baugenehmigung wird die Umweltverträglichkeit ohnehin geprüft“, sagt Kleinwasserkraft-Österreich-Geschäftsführer Paul Ablinger im Gespräch mit Tech & Nature. Auch Österreichs Energie, die unter anderem die Interessen der Großwasserkraft vertritt, sieht die Kritik des WWF an Wasserkraftwerken aus diesen Gründen als nicht gerechtfertigt.

Kleine Kraftwerke stellen laut Ablinger einen entsprechend kleinen Eingriff dar: „Der sehr gute Gewässerzustand reicht meist bis 50 Meter an das Kraftwerk heran“. Die Umweltschützer argumentieren, dass die geringe Stromproduktion nicht im Verhältnis zum Eingriff in die Natur stünde. „Natürlich hat das an der Gesamtversorgung Österreichs einen sehr kleinen Anteil, aber für die betroffene Gemeinde sind es im Energiemix vielleicht 50 Prozent“, meint Ablinger. Die Angst, dass Kleinwasserkraft aufgrund der Kritik in Zukunft nicht mehr gefördert werden könnte, hat er nicht: „Wir werden alle Technologien brauchen, wenn wir die Klimaziele der Regierung erreichen wollen“.

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Doppelnutzung bestehender Anlagen

33.000 Querbauwerke gibt es derzeit in Österreich. Davon sind laut Kleinwasserkraft 4.000 als Kraftwerk ausgebaut, laut WWF 5.200. Die übrigen Querbauwerke stammen zu einem großen Teil aus der Gewässerregulierung und viele davon können gar nicht rückgebaut werden, meint Ablinger. Er schlägt vor, diese Querbauwerke, die ohnehin bestehen bleiben müssen, auch als Kraftwerke zu nutzen. So könnte man mit schätzungsweise 800 neuen Kleinwasserkraftwerken ungefähr 0,5 Terawattstunden Ökostrom liefern.

Die Regierung hat für Wasserkraft einen Ausbau von zusätzlichen 5 Terawattstunden für das 100-Prozent-Ökostrom-Ziel festgelegt. Das Ziel hält Ablinger für ambitioniert, aber realistisch – die Kleinwasserkraft könnte laut ihm bis zu 3 Terawattstunden beitragen. In großen Kraftwerken ausgedrückt, müsste man laut Österreichs Energie für 5 Terawattstunden drei Kraftwerke in der Größenordnung von Greifenstein erreichten. Im Unterschied zu anderen erneuerbaren Energiequellen, sorgt Wasserkraft für eine einigermaßen stabile Produktion, da sie nicht von Sonnenstunden oder Wind abhängig ist.

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Kritik auch an Photovoltaik

Auch andere erneuerbare Energiequellen sind regelmäßig Kritik von Naturschützern ausgesetzt, da sie häufig einen Eingriff in die Natur darstellen. Bei Photovoltaik ist deshalb eine Debatte um Freiflächenanlagen im Gange. Da es laut Experten unrealistisch ist, die hoch gesteckten Photovoltaik-Ziele nur mit einem Ausbau von Dachanlagen zu erreichen, fordert die Branche die Freigabe und Förderung von Freiflächenanlagen. In erster Linie sollen solche Flächen genutzt werden, die nicht Lebensraum von Tieren sind – etwa Schottergruben oder freie Industrieflächen. Umweltschützer fürchten aber, dass auch landwirtschaftlich genutzte Flächen oder Brachland, also Wiesen genutzt werden könnten.

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