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Zahlreiche Lecks in Österreich: Methan – das fast vergessene Klimaproblem

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Fällt das Stichwort „Emissionen“, ist der Gedanke an Kohlendioxid (CO2) oft nicht weit. Kein Wunder, werden doch zur Berechnung der Treibhausgas-Emissionen die Emissionswerte aller Gase in CO2-Äquivalent umgerechnet. Somit ist dieser als Indikator für den Erfolg oder Nichterfolg von Klimaschutzmaßnahmen am geläufigsten. CO2 ist dabei aber nur eines von verschiedenen klimaschädlichen Treibhausgasen. Dazu gesellen sich außerdem Methan (CH4), Lachgas (N2O) und fluorierte Gase (F-Gase).

Insbesondere Methan, welches ein Hauptbestandteil von Erdgas ist, hat dabei eine enorme befeuernde Kraft für die Erwärmung der Erde und der dadurch eintretenden Klimakrise. In einem aktuellen Bericht der Climate & Clean Air Coalition des United Nations Environment Programme wird als Kennzahl eine zehnmal stärker erwärmende Auswirkung als Kohlendioxid auf die Atmosphäre genannt. Andere Quellen legen sich auf eine 25 bis 28-mal so klimaschädliche Auswirkung fest. Über einen Zeitraum von 20 Jahren betrachtet, spricht die Umweltschutzorganisation Greenpeace von einer 80-mal klimaschädlicheren Wirkung. Einen Vorteil hat Methan: Methan ist deutlich kurzlebiger in der Atmosphäre als CO2. Somit könnte sich eine Reduzierung des Methan-Ausstoßes relativ schnell positiv auf unserer Klima auswirken.

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123 Öl- und Gasstandorte weisen Methanlecks auf

Ein Reduzierung des Methan-Ausstoßes gestaltet sich allerdings dann als schwierig, wenn dieses unbemerkt ausströmt. Das ist in Österreich, sowie europaweit allerdings der Fall. Das ist das Resümee der amerikanischen NGO Clean Air Task Force (CATF). An zehn Standorten der Firmen adx Energy, OMV, RAG und TAG  in Österreich haben diese im Zuge einer Recherche-Tour im Frühling 2021 Methanlecks geortet, so die aktuellen Angaben. Dafür haben sie die Anlagen mit einer optischen Gaskamera gefilmt, welche Luftemissionsquellen durch die Messung von Infrarotenergie nachweist.
„Wenn man es einmal gesehen hat, kann man es nicht mehr vergessen“, so James Turitto von CATF, der die Emissionen gefilmt hat, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, „Wenn wir die Hoffnung haben, dass die globale Durchschnittstemperatur nur um 1,5 Grad Celsius ansteigt, müssen wir diese Lecks stoppen.“

Insgesamt stellte die NGO an 123 Öl- und Gasstandorten in Österreich, der Tschechischen Republik, Deutschland, Ungarn, Italien, Polen und Rumänien Methanlecks fest. Insgesamt besuchten sie den eigenen Angaben nach über 200 Standorte.

„Methanemissionen müssen bis 2030 um 45 Prozent sinken“

„Greenpeace hat schon im Jahr 2020 erstmalig Methanaustritte an drei heimischen Standorten dokumentiert. Das erneute Aufzeigen von Methanlecks – teils an denselben Standorten – zeigt das tatsächliche Ausmaß des unkontrollierten Methan-Ausstoßes in Österreich auf,” so Klara Maria Schenk, Klimaexpertin bei Greenpeace in Österreich in einer Reaktion auf die aktuellen Ergebnisse. Daher fordert Greenpeace strikte EU-Gesetze, die verpflichtend festlegen, wie Methanlecks gemessen, vermeldet und repariert werden müssen. Außerdem müsse es gesetzlich verboten werden, Methan routinemäßig abzulassen oder abzufackeln, so die Umweltschutzorganisation. Bisher gibt es solche Gesetze nicht, womit keines der genannten Unternehmen gegen Gesetze verstößt. Das könnte sich aber noch heuer ändern. Laut den Informationen von Reuters wird  die EU noch 2021 Gesetze vorschlagen, welche Öl- und Gasunternehmen dazu verpflichten, Methanemissionen zu überwachen und zu melden. Außerdem soll die Erkennung und Reparatur von Lecks verbessert werden.

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Diese neuen Gesetze könnten somit ein wichtiger Baustein für das Erreichen der Pariser Klimaziele sein. Neben der Erwärmung der Atmosphäre trägt Methan außerdem zur Bildung von bodennahem Ozon, besser bekannt als Smog, bei. Diese Luftverschmutzung verursacht jährlich ca. eine halbe Million vorzeitige Todesfälle, so die Climate & Clean Air Coalition des United Nations Environment Programme. Ihrer Auswertung nach, werden die Methanemissionen ohne politische Einflussnahme bis mindestens 2040 ansteigen. Dadurch könnte das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens „nicht zu vertretbaren Kosten erreicht werden, wenn die Methanemissionen nicht bis 2030 um 40 bis 45 Prozent reduziert werden“, so die Aussage in dem Bericht. Über die Hälfe der Methanemissionen, welche auch natürlich ausgestoßen werden, werden von menschlichen Aktivitäten verursacht. Neben der Förderung von fossilen Brennstoffe gehören außerdem die Sektoren  Landwirtschaft und Abfall zu den Hauptverursachern, so die Erkenntnisse. Durch eine entsprechende Reduzierung der Emissionen bis 2040 könne eine globale Erwärmung von fast 0,3°C verhindert werden. Durch die Verringerung der Luftverschmutzung würden außerdem jährlich 255 000 vorzeitige Todesfälle, 775 000 asthmabedingte Krankenhausaufenthalte, 73 Milliarden Stunden Arbeitsausfall durch extreme Hitze und 26 Millionen Tonnen Ernteverluste weltweit verhindert werden können, so die Ergebnisse des aktuellen Reports.

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