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Positionspapier

WWF & Co: Umweltorganisationen sprechen sich gegen großflächigen Einsatz von Biogas aus

©Karsten Wurth / Unsplash
©Karsten Wurth / Unsplash

Morgen soll nun endlich das Erneuerbaren Ausbau Gesetz im Ministerrat beschlossen werden, bevor es zur Abstimmung im Nationalrat steht. Ein Grund für die bisherige Verzögerungen war die Uneinigkeit über die Zukunft von Gas. Statt einer Einigung wurde die Entscheidung nun zunächst einmal vertagt. Wie die Klimaministerin Leonore Gewessler (Die Grünen) Mitte März bekannt gab, wird es zu dem Aufbau einer Gasinfrastruktur und dem Ausstieg aus dem fossilen Gas ein eigenes Gesetz geben. Eine genaue Vorstellung zu den nötigen Inhalten haben einige von Österreichs Umweltorganisationen schon heute. In einem aktuell präsentierten 15-Punkte Plan haben die Umweltorganisationen Global 2000, WWF Österreich und die Mobilitätsorganisation VCÖ ihre Forderungen an die österreichische Regierung für das kommende Gesetz deutlich gemacht.

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Wenig Potenzial für Biogas

Das große Potenzial sehen die beteiligten Organisationen in erneuerbarem Gas nicht. Zu diesem zählt Biomethan, synthetisches Methan und Wasserstoff aus erneuerbaren Energien. Das wird in dem aktuellen Positionspapier deutlich. Das beruht unter anderem auf die beschränkten Vorkommen von erneuerbaren Gasen. Der Klimasprecher des WWF Österreich, Karl Schellmann: „Fossiles Gas ist das Problem, nicht die Lösung. Entgegen der Behauptungen der Gasindustrie ist erneuerbares Gas weder kostengünstig, noch reichen die Potenziale für großflächige Anwendungen aus. Nur rund die Hälfte der derzeit verwendeten Menge an fossilem Gas kann in Österreich durch naturverträgliche erneuerbare Quellen zur Verfügung gestellt werden. Daher muss ihr Einsatz fokussiert sein und rasch auch gesetzlich geregelt werden.“ Insbesondere in Sektoren wo es ihrer Meinung nach Alternativen für das Gas zur Stromgewinnung gibt, sprechen sich die Organisationen gegen eine weitere Verwendung aus.

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Alternative Energien nutzen

Konkret nennen sie unter anderem den Bereich der Raumwärme, so der Klima- und Energiesprecher von Global 2000, Johannes Wahlmüller: „Unsere Analyse zeigt, dass jedes andere klimafreundliche Heizsystem kostengünstiger ist. Bund und Länder sollen rasch sicherstellen, dass im Neubau keine Gasheizungen mehr zugelassen werden. Die neue Wärmestrategie muss einen koordinierten Ausstiegsplan aus Gasheizungen enthalten.“ Auch im PKW-Verkehr sehen sie kein Potenzial für erneuerbares Gas. Ihrer Ansicht nach seien elektrifizierte PKWs deutlich effizienter. Bei LKW schlagen sie neben dem Batterie-Elektrischen Antrieb außerdem Oberleitungen in einer Kombination mit Akkus vor. Im Flugverkehr und in der Schifffahrt sehen sie hingegen bisher ebenfalls keine effiziente Alternative zum Biogas: „Im Flugverkehr hingegen gibt es aus jetziger Sicht keine andere Lösung, da wird es für die Herstellung von E-Fuels erneuerbares Gas brauchen“, sagt Ulla Rasmussen vom VCÖ – Mobilität mit Zukunft.

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Gesetz für Sommer erwartet

Mit ihrem Aktionsplan fordern sie die Entwicklung einer integrierten Gas-Strategie und ein neues Gaswirtschaftsgesetz inklusive einer Festlegung der erneuerbaren Gas. Außerdem erwarten sie von der österreichischen Regierung einen Ausstiegsplan für das Flächen-Gas-Netzt. Inwiefern ihr 15-Punkte Positionspapier nun Gehör finden wird, wird sich voraussichtlich frühestens im Sommer zeigen, wenn das nötige Gesetz von der Klimaministerin Gewessler vorbereitet ist.

 

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