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Internationaler Tag der Meere

WWF-Bericht: Mittelmeer droht „Qualleninvasion“ durch Klimakrise

© Persblik / Pixabay
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Das Mittelmeer erhitzt sich durch die Klimakrise stärker als jedes andere Weltmeer, warnt ein Bericht der Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund for Nature). Die Temperaturen im beliebten Urlaubsparadies steigen demnach um 20 Prozent schneller als im Durchschnitt aller Meere. Das werde in Zukunft gravierende Auswirkungen auf die dort lebenden Meerestiere haben. Beispielsweise könnten bald Quallen das Mittelmeer dominieren. Der WWF hat den Bericht anlässlich des Internationalen Tages der Meere am 8. Juni veröffentlicht.

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„Mittelmeer ist ökologische Baustelle“

„Durch die Erhitzung droht eine Qualleninvasion. Knapp eintausend gebietsfremde Arten sind schon in wärmere Gewässer des Mittelmeers vorgedrungen – zulasten der gewohnten Tier- und Pflanzenwelt. Extremwetterereignisse vernichten sensible Korallen, Seegras und damit die Kinderstube von Fischen. Die Politik muss schleunigst handeln, um das Meeresjuwel zu retten“, sagt WWF-Meeresexpertin Simone Niedermüller.

Laut dem Bericht ist das Mittelmeer die Heimat einer erstaunlich vielfältigen Tierwelt. Obwohl es weniger als ein Prozent der Weltmeere ausmache, beherberge es zehn Prozent aller bekannten Meeresarten. Mehr als ein Viertel davon finden sich ausschließlich im Mittelmeer. „Trotzdem ist das Mittelmeer eine große ökologische Baustelle. Die Klimakrise einzudämmen ist ein Langzeitprojekt, das wir jetzt beginnen müssen. Zudem braucht es Maßnahmen gegen Überfischung, Massentourismus und Plastikverschmutzung“, erklärt Niedermüller.

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WWF fordert mehr Meeresschutzgebiete

Steigende Temperaturen und Überfischung hätten laut WWF die Folge, dass Quallen im Mittelmeer kaum noch Fressfeinde hätte. Dadurch könnten die Nesseltiere das Meer dominieren und zu einer Plage für Urlauber werden. Aber auch die Fischerei würde unter der Klimakrise leiden. Jetzt schon zeigen die Temperaturänderungen ihre Auswirkungen. Laut dem Bericht haben heimische Weichtiere in israelischen Gewässern jetzt schon um fast 90 Prozent abgenommen. Es gab auch ein Massensterben der großen Steckmuschel – der größten mediterranen Muschelart. Invasive Arten wie der Kaninchenfisch oder Rotfeuerfisch nahmen hingegen stark zu.

Auch Meerespflanzen sind dem WWF zufolge durch den Klimawandel stark gefährdet. Neptungras-Wiesen, die bis zu 42 Prozent der CO2-Emissionen aller Mittelmeerländer speichern, seien ebenso bedroht wie die weiche Korallenart Gorgonie. 30 Prozent der Gorgonien haben alleine Extremwetterereignisse wie Stürme zerstört. Neben mehr Maßnahmen für den Klimaschutz fordert der WWF, dass 30 Prozent des Mittelmeeres zu Meeresschutzgebieten werden sollen. Das könnte die Überfischung stoppen und eine Erholung der Bestände auslösen. Das sei auch im wirtschaftlichen Interesse der Fischerei. Eine ähnliche Zielsetzung haben mehr als 50 Länder beim One Planet Summit in Paris im Jänner für 2030 in Aussicht gestellt.  (Tech & Nature berichtete). Die offizielle Verabschiedung des Ziels ist für Oktober diesen Jahres geplant.

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