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Interaktive Datenvisualisierung

World Data Lab: “World Hunger Clock” in Wien entwickelt

Die "World Hunger Clock" zeigt immer die aktuelle Entwicklung des Welthungers ©World Data Lab

2015 wurden mit den SDGs (Sustainable Development Goals der UN) visionäre Ziele ins Leben gerufen, die bis 2030 erfüllt sein sollen. “Keine Armut” und “Kein Hunger” sind die ersten zwei Ziele von insgesamt 17 die in farbenfrohen Kästen geschrieben stehen. Doch wie realistisch ist es, dass in zehn Jahren tatsächlich kein Mensch mehr in Armut leben oder Hunger leiden muss? Um das zu veranschaulichen hat das in Wien ansässige World Data Lab in Zusammenarbeit mit dem International Fund for Agricultural Development ( IFAD) eine “World Hunger Clock” veröffentlicht. Minutiös zeigt sie die Entwicklungen des Hungers in der Welt. 

Die “World Hunger Clock” ist bereits das dritte Tool, nach der “Poverty Clock” und der “Water Scarcity Clock”, welches problematische Entwicklungen in der Welt leicht verständlich darstellt. Die “Clocks”  sind datenbasierte, offen zugängliche, interaktive Diagramme. Sie visualisieren zeitgenau den aktuellen Entwicklungstand. So lässt sich auf einen Blick erkennen, wo beispielsweise die Armut steigt und wo sie sinkt.

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Mehr Aufmerksamkeit für die SDGs 

Internationale Bekanntheit hat das Word Data Lab bereits in der Vergangenheit durch population.io erlang. Hier können die User anhand ihrer demographischen Kennzahlen errechnen, wie hoch ihre Lebenswahrscheinlichkeit ist. Heute tragen zwei Standbeine das Unternehmen. Zum einen bieten sie Marktanalysen zur Entwicklung der Mittelklasse und der Kaufkraft in verschiedenen Ländern für global agierende Unternehmen an. Zum anderen arbeiten sie als NGO an einer größeren öffentlichen Aufmerksamkeit für die SDGs. “Word Data Lab” Data-Analyst Benjamin Müller: “Man kann nie ein Ziel formulieren, ohne zu wissen, was der Status-Quo ist.” Daher leisten sie in dem Bereich Aufklärungsarbeit und stellen kostenlos hochqualitative Daten interaktiv aufbereitet der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. 

“Word Data Lab” Data-Analyst Benjamin Müller  ©Benjamin Müller
“Word Data Lab” Data-Analyst Benjamin Müller ©Benjamin Müller

“Was ist Hunger?”

Bei der Entwicklung der “World Hunger Clock” war Müller maßgeblich beteiligt: “Am Anfang stand natürlich die Frage: Was ist Hunger? Wie verifiziert man Hunger?” Früher wurden für die Verifizierung von Hunger oft geringere Körpergrößen oder ähnliche äußerliche Merkmale gewählt. Die “World Hunger Clock” basiert auf anderen Daten, jetzt geht es darum den gelebten Hunger festzustellen. 

Die UN-betriebene Food and Agriculture Organization (FAO) hat eine “Food Insecurity Experience Scale” entwickelt, wo die Nahrungssicherheit in verschiedene Phasen unterteilt wird von “Nahrungssicherheit” zu “teilweise Nahrungsunsicherheit” und  zu “starker Nahrungsunsicherheit”. Nach der Skala lebt ein Mensch in teilweiser Nahrungsunsicherheit, wenn eine Mahlzeit am Tag wegen fehlender Ressourcen ausgelassen werden muss und in starker Nahrungsunsicherheit, wenn einen kompletten Tag nichts gegessen werden konnte. 

Von 2014-2018 hat die FAO jährlich mit acht spezifischen, immer gleichen Fragen die Ist-Situation rund um den Globus erfragt. Auf diesen Daten basiert die “World Hunger Clock”. Mithilfe des Random Forest Modell hat die intelligente  Computertechnologie daraus resultierend die heutigen Werte des Welthungers für die ganze Welt bis in das Jahr 2030 prognostiziert. 

©World Data Lab

2020/2021 ist Welthunger-Höchststand

Der Blick in die Zukunft ist dabei eher ernüchternd. Die Modelle des World Data Lab zeigen eine starke Beeinflussung des Welthungers durch die Coronakrise und prognostizieren einen Höchstwert für 2020/2021. 2,5 Milliarden Menschen leben momentan in teilweiser oder starker Nahrungsunsicherheit. Für 2030 sagen die Modelle ein leichten Rückgang voraus. Das liegt vor allen Dingen an sinkenden Zahlen im asiatischen Raum, allen voran in China und in Indien. Im zentralafrikanischen Raum sind wiederum steigende Werte zu erwarten. Müller: “Diese unterschiedlichen Dynamiken sind ja eigentlich das, was wirklich interessant ist. Die aggregierte globale Zahl ist schön, lässt sich gut als Headline verwenden, aber viel wichtiger ist doch: Wo passiert was?”

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Steigende Nutzerzahlen der Tools

Ziel des Data World Lab ist es auch im Bereich Welthunger als primäre Referenz genutzt zu werden. Mit der “Poverty Clock” werden sie nach Angaben des Unternehmens bereits international als Referenz für den Stand der Armut genannt. Die Zeichen stehen dafür gut. Nach Benjamin Müller werden die Tools des Unternehmens konstant mehr genutzt und somit erhalten auch die Erfüllungsgrade der SDGs wieder mehr Aufmerksamkeit und entsprechende Handlungen werden vielleicht angeregt. Müller: “Wir sind eine reine Informationsplattform, wir geben keine Implikationen. Wir präsentieren den Status Quo mit der klaren Message: Da ist ein Problem, da müssen wir uns kümmern.”

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