Kreislaufwirtschaft

Wirtschaftskammer spricht sich gegen Pfand auf Plastikflaschen aus

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© Robert Ziffer-Teschenbruck

In der EU müssen bis 2029 90 Prozent der Plastikflaschen für ein Recycling getrennt gesammelt werden. Österreich ist auf einem guten Weg, denn schon jetzt liegt die Sammelquote bei rund 70 Prozent – die letzten Meter auf diesem Weg dürften dennoch schwierig werden und so wird auch der Ruf nach einem Pfandsystem für Einwegflaschen lauter. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hat sich nun gegen ein solches System ausgesprochen.

Sie sieht vor allem kleine Händler am Land bedroht, die sich die Kosten nicht leisten können. „Die Folgen wären eine weitere Ausdünnung der Kaufkraft des ländlichen Raums sowie eine Erhöhung der CO2-Emissionen wegen längerer Autofahrten für den täglichen oder wöchentlichen Einkauf“, heißt es in einer Aussendung der WKÖ.

Burgenland, Tirol, Vorarlberg als Vorbild

Stattdessen solle man vorhandene Systeme ausbauen und optimieren. „Burgenland, Tirol und Vorarlberg erfüllen die 90%-Sammelquote, die laut EU-Vorgabe bis 2029 bei Kunststoffflaschen erreicht werden soll, schon jetzt. Das umfassende Konzept soll auch bei anderen Wertstoffen die Abfallsammlung und -verwertung erhöhen“, so Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung Umwelt- und Energiepolitik in der WKÖ, die einen „10 Punkte Plan für die Kreislaufwirtschaft“ präsentiert hat.

Pfand: Mehrweg-Glasflasche für Startups derzeit kaum umsetzbar

Die WKO fordert darin, eine Vereinheitlichung der unterschiedlichen Sammelsysteme in den Bundesländern. Österreichweit solle es nur eine Sammlung direkt in den Haushalten mit gelbem Sack oder gelber Tonne geben. Die ARA (Altstoff Recycling Austria) stellt sich hinter diese Forderung: „Das Zauberwort heißt ‚alltagstauglich‘: Wenn es noch einfacher und bequemer ist, trennen die Menschen ihren Abfall noch besser. Und ohne die Mitwirkung der Konsumentinnen und Konsumenten wird kein System funktionieren“, so ARA-Vorstand Werner Knausz.

Außerdem will die Kammer ein besseres Sammelsystem im öffentlichen Raum: „Derzeit gibt es auf Spielplätzen, Wanderwegen und Radwegen oft nur einen Behälter für alle Abfälle“. Um Menschen zu motivieren, getrennte Sammelbehälter auch wirklich zu verwenden, empfiehlt die WKÖ smarte Mülltonnen, die beim Einwerfen Bonuspunkte in einer App vergeben, die dann wiederum bei teilnehmenden Unternehmen eingelöst werden könnten.

Runder Tisch: Pfand auf Einwegflaschen sorgt für Diskussionen

EU-Plastikabgabe könnte Österreich 150 Mio. Euro kosten

Kunststoff-Müll könnte Österreich ab nächstem Jahr teuer zu stehen kommen. Bei der Sammlung und Verwertung von Plastikmüll abseits von PET-Flaschen ist nämlich auch Österreich noch nicht so vorbildlich. Bis 2030 müssen in der EU 55 Prozent aller Kunststoff-Verpackungen recycelt werden – in Österreich sind es derzeit etwa 25 Prozent. Das hat die EU auf eine neue Einkommensquelle zur Finanzierung des Corona-Hilfsprogramm gebracht: Für nicht recycelten Plastikmüll sollen EU-Länder bezahlen.

80 Cent sollen die Länder pro Kilogramm nicht recyceltem Kunststoff bezahlen. Die Abgabe wird bereits mit 1. Jänner 2021 eingeführt. Die Verpackungsrichtlinie der EU eben vor, dass die Recyclingquote aller Plastikabfälle bis 2025 auf 50 Prozent und bis 2030 auf 55 Prozent gesteigert wird. Laut ARA bedeutet das für Österreich eine Verdopplung der recycelten Kunststoffverpackungen von derzeit 75.000 Tonnen auf 150.000 Tonnen, um die 50 Prozent zu erreichen. Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass die Abgabe Österreich derzeit mehr als 150 Millionen Euro kosten könnte.

Plastikmüll kostet Österreich bald 80 Cent pro Kilogramm

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