Agrar-Photovoltaik

Wien: Auf Österreichs größter Solaranlage werden Schafe weiden

In Wien Donaustadt entsteht Österreichs größte Solaranlage, die auch landwirtschaftlich genutzt werden soll © Wien Energie
In Wien Donaustadt entsteht Österreichs größte Solaranlage, die auch landwirtschaftlich genutzt werden soll © Wien Energie

Im Zuge des geplanten Ausbaus erneuerbarer Energiequellen in Österreich ist eine hitzige Debatte um die Nutzung von Grünflächen für Solaranlagen entbrannt. Der Bund will für solche Anlagen die Förderung kürzen und das Burgenland will den Photovoltaik-Ausbau auf Freiflächen gar beinahe verstaatlichen. Dabei können solche Flächen gewinnbringend doppelt genutzt werden – etwa als Weideland und Sonnenstromkraftwerk, wie ein Großprojekt in Wien zeigt.

25.780 PV-Module und 150 Schafe

Im 22. Bezirk entsteht derzeit auf einer ehemaligen Schotterdeponie der Stadt die größte Solaranlage Österreichs. Das alleine wäre noch nicht so besonders, das Gelände wird aber auch in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt: Der „Schafflerhof“ wird die Photovoltaikanlage auch als Weide für 150 Schafe nutzen, die zwischen den 25.780 (!) PV-Modulen grasen werden. In weiterer Folge sollen auch Getreide oder Gemüse angebaut werden. Das Projekt wird von Wien Energie gemeinsam mit der MA48 und dem Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien umgesetzt.

„Hier an der Schafflerhofstraße zeigen wir, dass auch Freiflächenanlagen optimal in das Klimaschutzkonzept passen, wenn man sie schonend gestaltet“, sagt Wien Energie-Geschäftsführer Michael Strebl. Wien Energie ist nach eigenen Angaben derzeit Österreichs größter Solarstromerzeuger und betreibt insgesamt rund 230 PV-Anlagen. Diese leisten derzeit etwa 50 Megawatt und das Ziel des Unternehmens ist es, diese Leistung bis 2030 auf 600 Megawatt auszubauen.

Bifaciale Module für Ackerbau

Das Sonnenstrom-Kraftwerk in der Wiener Donaustadt soll noch Ende des Jahres in Betrieb gehen. Zum Einsatz kommen auch „bifaciale“ Module, die auf beiden Seiten Sonnenstrahlen aufnehmen können und damit eine senkrechte Stellung der Module ermöglichen. Das wiederum ermöglicht eine bessere Nutzung der Flächen zwischen den Modulreihen, wo dann eben Schafe grasen können. Auch Ackerbau ist möglich, wie Pilotprojekte bereits zeigten – Pflanzen und Tiere profitieren an Hitzetagen vom Schatten der Module.

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Den größten Teil werden herkömmliche Module ausmachen, die den Schafen auch als Unterstand dienen. Die 11,5-Megawatt-Anlage wird voraussichtlich 5.200 Haushalte mit Ökostrom versorgen. Laut Wien Energie werden so jährlich 4.500 Tonnen CO2 vermieden. Bei den Tieren handelt es sich übrigens um Jura-Schafe, eine besonders robuste Rasse, die auch bereits auf der Donauinsel als natürlicher „Rasenmäher“ eingesetzt wird.

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