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Erste Anpassung seit 2005

WHO senkt Schmerzgrenze für gesundheitlich tragbare Luftverschmutzung massiv

Luftverschmutzung: WHO senkt Schmerzgrenze © SD-Pictures on Pixabay
Luftverschmutzung: WHO senkt Schmerzgrenze © SD-Pictures on Pixabay

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre empfohlenen Grenzwerte für die Luftverschmutzung gesenkt und fordert Staaten dazu auf, mehr gegen verschmutzte Luft zu tun. Zahlreiche Beweise aus den vergangenen Jahren zufolge ist verschmutzte Luft laut der Organisation nämlich wesentlich schädlicher für die Gesundheit von Menschen als bislang gedacht. Unter anderem hat eine Studie der Harvard University von Februar das gezeigt (wir berichteten). Mit der jetzigen Anpassung hat die WHO zum ersten Mal seit 16 Jahren die maximale, gesundheitlich noch vertretbare Belastung verschärft.

Weltweit mehr Todesfälle durch Luftverschmutzung als angenommen

Saubere Luft ist „Menschenrecht“

„Luftverschmutzung ist in allen Ländern eine Bedrohung für die Gesundheit“, sagt Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Generaldirektor der WHO. Die Leitlinien der Organisation sind nicht rechtsverbindlich, Länder können sie aber zur Planung ihrer Maßnahmen heranziehen. Die WHO erklärte, dass schmutzige Luft oft die schwächsten Menschen betreffe und dass saubere Luft ein „grundlegendes Menschenrecht“ sein sollte.

Die Warnungen der WHO beziehen sich vor allem auf die Schadstoffe Feinstaub (PM), Ozon (O₃), Stickstoffdioxid (NO₂), Schwefeldioxid (SO₂) und Kohlenmonoxid (CO). Die Belastung mit Stickstoffdioxid, das vor allem aus Diesel-Autos kommt, soll statt wie bisher höchstens 40 jetzt nur noch zehn Mikrogramm pro Kubikmeter betragen. Die EU erlaubt momentan 40. Bei Feinstaub mit Partikelgröße 2,5 Mikrometer liegen die EU-Richtwerte bei 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Die Weltgesundheitsorganisation empfahl bisher nur zehn Mikrogramm, jetzt sind es sogar nur noch fünf.

Klimakrise verursacht deutlich höhere Kosten als bisher angenommen

Jedes Jahr sieben Millionen Todesfälle

Im Jahr 2019 lebten laut der WHO mehr als 90 Prozent der Weltbevölkerung in Gebieten, in denen die Konzentrationen an Feinstaub den WHO-Luftqualitätsrichtwert aus dem Jahr 2005 überschritten. In Ländern, in denen die Luftqualität durch politische Maßnahmen stark verbessert wurde, sei die Luftverschmutzung oft deutlich zurückgegangen. Die Belastung durch Luftverschmutzung verursacht der WHO zufolge jedes Jahr schätzungsweise sieben Millionen vorzeitige Todesfälle und führt zum Verlust von weiteren Millionen gesunden Lebensjahren.

Bei Kindern könnte die Verschmutzung unter anderem ein vermindertes Wachstum und eine beeinträchtigte Funktion der Lunge, Atemwegsinfektionen und eine Verschlimmerung von Asthma bedeuten. Bei Erwachsenen seien Herzkrankheiten und Schlaganfälle die häufigsten Ursachen für vorzeitige Todesfälle durch Außenluftverschmutzung. Es gebe auch Hinweise auf andere Auswirkungen wie Diabetes und neurodegenerative Erkrankungen. Luftverschmutzung sei damit ein so großes Gesundheitsrisiko wie ungesunde Ernährung und Rauchen.

Höhere Luftverschmutzung könnte für mehr Coronavirus-Opfer sorgen

WHO setzt Zwischenziele für Luftqualität

Mit der neuen Leitlinie will die WHO erreichen, dass alle Länder die empfohlenen Luftqualitätswerte erreichen. Die WHO räumt ein, dass dies für viele Länder und Regionen eine schwierige Aufgabe sein wird. Daher hat sie Zwischenziele vorgeschlagen, die eine schrittweise Verbesserung der Luftqualität und damit einen allmählichen, aber bedeutsamen gesundheitlichen Nutzen für die Bevölkerung ermöglichen sollen.

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