Gewässerschutz

Wasserkraftwerke: Verbund investiert 280 Mio. Euro in naturfreundlichen Umbau

Hier entsteht ein Donau-Nebenarm als Fischwanderhilfe in Altenwörth © Verbund
Hier entsteht ein Donau-Nebenarm als Fischwanderhilfe in Altenwörth © Verbund

Umweltschützer weisen immer wieder darauf hin, dass Flüsse in Österreich in einem schlechten ökologischen Zustand sind. Nach einer aktuellen WWF-Studie sind die Bedingungen nur in 15 % der Fälle sehr gut. Schuld daran seien Querbauwerke, allen voran die 4.000 bis 5.000 Wasserkraftwerke. Die Regierung hat deshalb bereits ein Gewässerschutzpaket auf den Weg gebracht, aber auch die Kraftwerksbetreiber investieren massiv in die Ökologisierung vorhandener Kraftwerke. Der Verbund setzt derzeit mehr als 20 Projekte um und will bis 2028 insgesamt 280 Millionen Euro in einen „naturnahen Umbau“ investieren.

12,5 Kilometer Umleitung für Fische

In fast allen Projekten geht es dabei um die Gewässerdurchgängigkeit für Fische. An Kraftwerken ist ein Durchkommen schwierig – einige Fische schaffen es durch die Schleusen, die meisten bleiben vor dem Kraftwerk hängen. Das hat die EU in einer Richtlinie verboten, das Gewässer muss durchgängig gemacht werden und in der Regel geschieht das über Fischwanderhilfen. Alleine 9 Millionen Euro kostet das im Fall des Donaukraftwerks in Altenwörth. Dort gräbt ein Bagger für Fische bis voraussichtlich Ende 2021 einen 12,5 Kilometer langen Nebenarm. Wenn dieser fertig ist, ist die Donau laut Verbund vom Eisernen Tor in Rumänien bis Ybbs für Fische „barrierefrei“.

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Natürliche Lebensräume schaffen

„Wenn die Fischwanderhilfe fertig ist, können Fische wie der Huchen oder die Barbe wieder wandern und damit neue Lebensräume sowie Laichplätze erreichen“, erklärt Projektleiter Hannes Einfalt im Gespräch mit dem „Kurier“. Der Verbund setzt zusätzlich Maßnahmen, die den Lebensraum für Fische, Vögel und andere Tiere im Umfeld von Wasserkraftwerken verbessern. In dem Altarm neben dem Donaukraftwerk Altenwörth entsteht laut Einfalt geradezu ein Paradies für Fische. So werden am Flussboden gefällte Bäume als Unterschlupf befestigt.

Gefährdete Vögel, seltene Fische

An der Drau läuft ein Forschungsprojekt, in dem Fische in den Wanderhilfen per Video beobachtet werden, um den Effekt der Wanderhilfen zu kontrollieren. Mehr als 2 Millionen Videos sind so bereits entstanden und eine Software erkennt automatisch, um welche Fischart es sich handelt – auch Fischotter und Biber nutzen die Fischaufstiege mitunter. Der Verbund widmet sich in einigen Projekten auch dem Schutz gefährdeter Vogelarten wie dem Sakerfalken.

„Mit der neuen Traisen-Mündung haben wir auf 160 Hektar das größte Renaturierungsgebiet an der Donau geschaffen. Die Fischpopulation hat sich qualitativ und quantitativ enorm vermehrt, darunter seltene Exemplare wie der Perlfisch. Wie diese Maßnahme beweist, profitiert die Donau enorm von großen Gemeinschaftsprojekten“, so Michael Amerer, Geschäftsführer der Verbund Hydro Power GmbH. In Ottensheim-Wilhering hat der Verbund nach eigenen Angaben Europas längste Fischwanderhilfe fertiggestellt, sie ist 14,5 Kilometer lang.

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