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Saubere Mobilität in der Coronakrise: Sind E-Mopeds die Lösung?

unu Director of Mobility Services, Felix Jakobsen. © Unu
unu Director of Mobility Services, Felix Jakobsen. © Unu

Fahrräder boomen, Flugzeuge sind am Boden, in Deutschland kommt eine dicke Kaufprämie für E-Autos, mehr PKW-Nutzung, weniger Öffis, und der E-Scooter-Markt konsolidiert sich weiter: Die Corona-Krise hat für eine drastische Verschiebung bei der Nutzung von Transportmitteln gesorgt. Manche Veränderungen sind wohl vorübergehend, aber auch langfristig wird Corona im Zusammenspiel mit dem Klimawandel für ganz große Veränderungen im Mobilitätsverhalten der Menschen sorgen.

Einer, der sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, ist Felix Jakobsen, Director of Mobility Services beim deutschen Hersteller des Elektrorollers unu. Mit der neuesten Version des Rollers mit E-Motor wollen die Berliner ins Sharing-Geschäft einsteigen, das Rotterdamer Unternehmen Check will 400 der vernetzten Unu-Roller als Leih-Flotte auf die Straße bringen. “Wir glauben, dass die Krise die Mobilitätswende vorantreiben kann. Die Menschen werden den öffentlichen Verkehr weniger nutzen wollen, deswegen werden viele Leute bei zwei Rädern landen”, sagt Jakobsen.

Verzwickte Angelegenheit

Die Mobilitätswende ist eine schwierige Angelegenheit. Auch in Wien sieht man, wie groß der Widerstand sein kann, nur weil vier Pop-up-Radwege eingerichtet wurden, um der stark erhöhten Fahrradnutzung gerecht zu werden. Es dauerte nicht lange, bis Oppositionsparteien und Autofahrerclubs der Stadtregierung vorwarfen, damit lediglich zusätzlichen Autostau zu verursachen – keine einfache Sache also.

Wien eröffnet den bereits vierten Pop-Up-Radweg – Kritik wird lauter

Jakobsen ist, schon alleine Job-bedingt, ein Fan der zwei Räder. “In Deutschland gibt es 50 Millionen Autos. Auch mit einer Elektrifizierung ist uns nicht komplett geholfen, weil diese Autos müssen produziert, geparkt und durch den Stau gelenkt werden”, sagt er. Besser wäre, wenn geteilte Mobilitäts-Vehikel wie eben die unu-Roller mehr genutzt werden würden. “Auch der Zuspruch bei uns nimmt zu, weil man mit dem Roller einfach längere Fahrten in der Stadt machen kann”, sagt Jakobsen.

Nun ist der Besitz eines E-Mopeds so eine Sache, gerade in nördlichen Regionen. Im Sommer eine coole Sache, weil man damit flott am Stau vorbei von A nach B kommt und sich die nächste Ladung einfach an der Steckdose zu Hause oder im Büro holt (Trending Topics berichtete). Doch im Winter wird es hart, da ist man in der geschlossenen Autokabine oder in den Öffis wärmer und trockener unterwegs.

Shared E-Roller verursacht mehr CO2 als normales Moped

Wien-Flotte bräuchte 600 E-Mopeds

Das wiederum spricht für Sharing. In Wien und Graz bietet der ÖAMTC seine „easy way“-E-Roller zur Miete an, mit Emmy ist ein deutsches Startup mit Elektro-Mopeds ebenfalls in Wien gestartet. Außerdem mischt das Berliner Startup Tier Mobility den Sharing-Markt auf und hat die E-Mopeds von Coup übernommen. Die sind in einem ersten Schritt zusätzlich zu den E-Scootern in Berlin mietbar – gut möglich, dass auch Wien den zusätzlichen Service bekommt (Trending Topics berichtete).

Mit dem neuen, vernetzten unu-Roller gibt es für Unternehmen die Möglichkeit, einen eigenen Sharing-Dienst aufzubauen. “Wir sprechen derzeit mit verschiedenen Unternehmen aus der ganzen Welt, die Roller-Sharing anbieten wollen“, sagt Jakobsen. „Wer in Wien eine Sharing-Flotte will, muss dafür mindestens 600 Fahrzeuge vorsehen – man müsste also einige Millionen investieren.“ Ob oder mit wem es in Wien Gespräche gibt, verrät er nicht, nur so viel: „Die öffentliche Hand kann natürlich Betreiber sein, aber da sind die Entscheidungsprozesse oftmals langsamer als bei Privatunternehmen.”

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