Standpunkte

Unsere Welt steht in Flammen. Das tue ich als Vater, Unternehmer und Investor dagegen.

© Photo by Zdeněk Macháček on Unsplash
© Photo by Zdeněk Macháček on Unsplash

Kommentar.

Meine Familie und ich sind gerade von einer großartigen 3-monatigen Reise durch Norwegen, Schweden, Finnland und die baltischen Staaten nach Hause zurückgekehrt. Nach 13 aufregenden, aber auch sehr intensiven Jahren, in denen ich Zoovo gegründet und zu einem mit 25 Millionen Dollar finanzierten Weltmarktführer mit mehr als 150 Mitarbeitern ausgebaut habe, habe ich es wirklich genossen, Zeit mit meiner Frau Tina und meinem Sohn Julian zu verbringen. Unsere Liebe zur Natur verbindet uns als Familie und in diesen drei Monaten konnten wir diese Leidenschaft in vollen Zügen ausleben.

Dazu zählten Gletscher-Wanderungen, wie zu dem berühmten Briksdalsbreen-Gletscher in Norwegen. Wir waren von der Schönheit überwältigt, aber so traurig es auch sein mag: Der Gletscher ging in den letzten 20 Jahren um mehr als einen halben Kilometer und seit 1950 um fast zwei Kilometer zurück. Die Chancen, dass Julian seinen Kindern eines Tages auch nur ein kleines Stück Gletscher an dieser Stelle zeigen kann, sind gleich Null.

 Source: Personal and https://en.wikipedia.org/wiki/Briksdalsbreen
© Markus Linder und https://en.wikipedia.org/wiki/Briksdalsbreen

Eine von Julians Lieblingsbeschäftigungen während unserer Wanderungen war es, nach Rentieren Ausschau zu halten – unglaublich bezaubernde Tiere, die wir häufig im Wald antrafen.

Source: Personal and Siri Uldal/Norwegian Polar Institute
© Markus Linder und Siri Uldal/Norwegisches Polarinstitut

Nahrung unter Eisdecke

Nachdem wir diesen Tieren so nahe gekommen waren, waren wir schockiert zu erfahren, dass weiter nördlich zu Jahresbeginn mehr als 200 Rentiere verhungert sind. Steigende Temperaturen haben Häufigkeit und Menge von Regen in der hohen Arktis stark ansteigen lassen. Starke Winterregenfälle verwandelten sich in Eis und verhinderten, dass Rentiere ihre gewohnte Futterquelle erreichten. Sobald Regen auf die Schneedecke fällt, gefriert diese meist vollständig und bedeckt die Pflanzen, von denen Rentiere abhängig sind, mit festem Eis.

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© Markus Linder

Artensterben in Gewässern

Bei zahlreichen Ausflügen mit unserem aufblasbaren Kajak – das uns atemberaubend schöne Flüsse hinunter und in steile Fjorde geführt hat – haben wir gelernt, dass auch Fische zunehmend unter Druck stehen. Um ein Beispiel zu nennen, ist der Atlantische Lachs durch mehrere Faktoren bedroht: aus Züchtungen entkommener Atlantischer Lachs und Lachslaus, Wasserkraftregulierung und physische Veränderungen des Lebensraums, Infektionen im Zusammenhang mit der Fischzucht und steigender Wassertemperatur. Auch in meinem Heimatland Österreich sind bestimmte Fischarten bedroht. Fischer befürchten, dass beispielsweise der lokale Saibling – Ausseer Saibling – in immer mehr Seen aussterben wird, da die maximale Wassertemperatur innerhalb von weniger als 20 Jahren von 20 auf 25-27° Celsius gestiegen ist und damit die Sauerstoffmenge unter den von dieser Art erforderlichen Wert sinkt.

Leider sind diese Beispiele nur eine kleine Auswahl von Erfahrungen, die uns in diesem Sommer die Auswirkungen zweier globaler Krisen aus erster Hand spüren ließen:

1) „Sixth mass extinction“ / Biodiversitätskrise

Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Planeten verursacht eine Spezies das Aussterben von Hunderttausenden anderen Arten, wodurch die menschliche Gesellschaft einer immer drängenderen Bedrohung ausgesetzt ist. Die UNO warnte Anfang des Jahres, dass sich der Zustand der Ökosysteme, von denen wir und alle anderen Arten abhängen, schneller als je zuvor verschlechtert. Wir höhlen die Grundlagen unserer Wirtschaft aus, unsere Lebensgrundlage, unsere Ernährungssicherheit, unsere Gesundheit und unsere Lebensqualität – weltweit. Die Bodendegradation hat die Produktivität von 23% der globalen Landfläche verringert, bis zu 577 Milliarden US-Dollar an globalen Nutzpflanzen sind jährlich durch den Verlust von Bestäubern gefährdet und 100-300 Millionen Menschen sind aufgrund des Verlusts von Küstenlebensräumen und -schutz einem erhöhten Risiko von Überschwemmungen und Hurrikanen ausgesetzt.

2) Die Klimakrise

Ein aktueller Bericht der Global Commission on Adaptation (GCA) mit Unterstützung des ehemaligen UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon, des Microsoft-Gründers Bill Gates, der Umweltminister aus China, Indien und Kanada, der Leiter der Weltbank und der UN-Klima- und Umweltabteilungen warnt davor, dass die Klimakrise jetzt da ist: Massive Waldbrände verwüsteten zerbrechliche Lebensräume, die Wasserversorgung von Städten trocknet aus, Dürren verbrennen das Land und massive Überschwemmungen zerstören Häuser und die Lebensgrundlage von Menschen.

Wassermangel führt zu Konflikten und Migration

Laut dem Bericht sind katastrophale Folgen unvermeidlich und bis 2030 könnten geschätzt 100 Millionen Menschen zusätzlich in die Armut getrieben werden, wenn keine Maßnahmen getroffen werden. Es heißt, dass die Zahl der Menschen, denen es alljährlich an Wasser mangelt, um 1,4 Milliarden auf 5 Milliarden steigen wird, was zu einem beispiellosen Wettbewerb um Wasser führt und Konflikte und Migration fördert. An den Küsten werden der steigende Meeresspiegel und Stürme Hunderte von Millionen Menschen aus ihren Häusern vertreiben, mit Kosten von einer Billion Dollar pro Jahr bis 2050. Und der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Maßnahmensetzung bisher völlig unzureichend war.

Während unserer Reise haben wir aber auch ermutigende Dinge erlebt, wie die Begegnung mit wilden Braunbären in ihrem natürlichen Lebensraum. Der Braunbär war in Skandinavien aufgrund der intensiven Jagd durch den Menschen fast ausgestorben. Inzwischen sind in Skandinavien wieder ca. 5.000 Braunbären heimisch und wir waren sehr erfreut, fünf von ihnen persönlich in ihrem natürlichen Lebensraum zu treffen.

Während die Erholung der nordeuropäischen Braunbärenpopulation Hoffnung gibt, dass die Menschheit das Schlimmste vermeiden kann, wird die „Lösung“ der Biodiversitäts- und Klimakrise von uns allen viel mehr Anstrengungen erfordern.

Die Katastrophe passiert

Mein Sohn Julian wird bis 2050 34 Jahre und bis 2100 84 Jahre alt sein, und heute kann niemand sagen, inwieweit der Klimawandel und die Biodiversitätskrise seine Chancen auf ein gesundes, friedliches und glückliches Leben beeinträchtigen werden. Es werden jedoch vermutlich alle Experten auf diesem Gebiet bestätigen, dass unsere Kinder unter den Folgen unseres nicht nachhaltigen Handelns leiden werden und dass es nur darum geht, wie schnell und wie intensiv sie betroffen sein werden.

Ich bin überzeugt, dass unsere Kinder uns in ein paar Jahren fragen werden, wie wir reagiert haben, als ein 16-jähriges Mädchen aus Schweden und Wissenschaftler und Meinungsmacher aus der ganzen Welt dafür sorgten, dass jeder Mensch auf diesem Planeten weiß, dass die Menschheit der größten Bedrohung seit Jahrtausenden ausgesetzt ist.

Das ist meine Antwort

Ich für meinen Teil habe beschlossen, dass ich auf diese Frage die richtige Antwort habe – als Vater, als Bürger, als Konsument, als Angel Investor und als Unternehmer. Ich habe mich daher entschieden, mich voll und ganz dafür einzusetzen, meine Erfahrung, mein Netzwerk, mein erworbenes Vermögen zu nutzen und meine Zeit damit zu verbringen, mitzuhelfen, das Schlimmste abzufedern:

Als Vater

Indem ich mein Bestes gebe, sicherzustellen, dass meine Kinder eine tiefe Beziehung zur Natur entwickeln und sich meinen Bemühungen anschließen, sie zu schützen.

Als Bürger

Durch die Unterstützung von Politikern, die Biodiversität und Klima zu ihren obersten Prioritäten machen.

Als Konsument

Indem ich mich mit meinem Geld für Produkte und Dienstleistungen entscheide, die so weit wie möglich negative Auswirkungen auf die Umwelt vermeiden oder idealerweise sogar positive Auswirkungen haben.

Als Early Stage Angel Investor

Durch Investitionen in erster Linie in Startups mit global skalierbaren Geschäftsmodellen UND erheblichem Impact auf Biodiversität und Klima.

Als Unternehmer

Durch die Gründung und Entwicklung eines Startups, das Verbraucher auf der ganzen Welt dabei unterstützt, Entscheidungen zu treffen, die besser für die Umwelt und besser für die Zukunft ihrer Kinder und Enkelkinder sind. Dadurch soll ein intensiver Wettbewerb entstehen, der Unternehmen dazu motiviert, immer mehr nachhaltige Produkte anzubieten. Mehr dazu zu einem späteren Zeitpunkt – lasst es mich wissen, falls ihr jemanden mit starkem track record im Aufbau globaler Marktführer kennt, der daran interessiert ist, zu einer besseren Zukunft beizutragen. Ich suche derzeit potenzielle Co-Founder und ein Führungsteam (COO, CPO, CSO,….).

Leider ist es schwierig, vollständig zu verstehen, was auf unserem Planeten vor sich geht und zu versuchen, unseren persönlichen Fußabdruck als Verbraucher zu reduzieren. Es kann überwältigend sein und es kann auch furchteinflößend sein. Und Angst kann schnell lähmend wirken.

Kleine Schritte führen zum Ziel

Als Konsument habe ich mich daher entschieden, das Problem in viele kleine Stücke zu zerlegen, und ich plane pro Woche eine kleine Veränderung in meinem persönlichen Leben umzusetzen. Da nicht jeder in der komfortablen Lage ist, Zeit für intensive Recherchen zu verwenden (und damit ihr mich zur Verantwortung ziehen könnt :-), werde ich euch über diese Initiative über meine sozialen Kanäle auf dem Laufenden halten. Und natürlich hoffe ich, dass sich einige von euch entscheiden, sich mir anzuschließen und damit die Chancen zu erhöhen, dass unsere Kinder und Enkelkinder in den kommenden Jahrzehnten ein gesundes, friedliches und glückliches Leben führen können.

Sowieso nur ein 0,000…% Teil des Problems?

Ich könnte mir natürlich sagen, dass meine Initiative keine Rolle spielt, denn ich bin sowieso nur ein 0,000…% Teil des Problems. Ich könnte mir denken, ich solle besser auf meine Regierung, China, den Präsidenten der Vereinigten Staaten oder wen auch immer warten, um das Problem zu lösen. Aber ich bin überzeugt, dass diese Art zu Denken falsch ist. Denn unser Handeln und vor allem unser Konsumverhalten ist wichtig: Was würde passieren, wenn nur 5 von 100 Verbrauchern den Kauf einer bestimmten Keks-Marke einstellen würden, weil das Produkt nicht zertifiziertes Palmöl und Eier von Hühnern aus Käfighaltung enthält, die mit Soja aus dem Amazonasgebiet gefüttert werden? Richtig, diese Marke würde 5% ihres Marktanteils verlieren. Und sobald eine Marke 5% ihres Marktanteils verliert, passiert typischerweise eines der folgenden zwei Dinge:

  1. Das Managementteam der Marke identifiziert die Ursache und behebt das Problem oder
  2. sie verlieren ihren Arbeitsplatz.

Ich verstehe, dass es nicht realistisch ist, von jedem Menschen auf diesem Planeten zu erwarten, sein Verhalten zu ändern. Aber ich weigere mich zu glauben, dass wir nicht 5% der Verbraucher dazu bringen können, mit ihrem Geld für nachhaltigere Produkte zu stimmen.

Ich könnte mir auch sagen, dass dieses Problem zu groß ist und dass nur Regierungen in der Lage sein werden, es zu lösen. Ich bin aber überzeugt, dass wir diese Krisen gar nicht lösen werden, egal was wir tun und egal was unsere Regierungen tun. Das Maximum, das wir erreichen können, ist, das Schlimmste zu verhindern. Du und ich und praktisch jeder Mensch auf diesem Planeten verursachen jeden Tag irreversible Schäden an unseren Ökosystemen, Lebensräumen und unserem Planeten. Alles, was wir jetzt tun können, ist, viele kleine Schritte zu gehen, die helfen, das Schiff von seinem aktuellen Frontalkollisionskurs abzulenken. Die Kollision an sich ist bereits unvermeidlich, aber jeder einzelne Muskel, den wir auf diesem Planeten anspannen, wird helfen, den Aufprall abzufedern. Jeder Beitrag ist wichtig, egal wie groß oder klein er ist.

Und noch einmal: Eine Sache, an der ich keinen Zweifel habe, ist, dass unsere Kinder und Enkelkinder uns in nicht allzu ferner Zukunft in die Augen schauen und uns fragen werden, ob wir alles getan haben, was wir tun konnten, um ihre Chancen zu maximieren, ein glückliches, gesundes und friedliches Leben führen zu können. Und ich verpflichte mich, hart zu arbeiten, damit ich diese Frage mit einem lauten und klaren „Ja“ beantworten kann, und ich hoffe, dass ihr das auch tun werdet.

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