Erneuerbare Energie

Umweltschützer laufen gegen Wasserkraft-Förderung Sturm

Fluss, Gewässer, Stausee, Österreich, Natur
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Bis 2030 will Österreich komplett auf Ökostrom umsteigen und bis 2040 soll laut Regierungsprogramm schließlich der gesamte Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Keine leichte Übung, denn erneuerbare Energie braucht Flächen und die sind knapp und auch umstritten. Knapp bevor das Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG) in Begutachtung gehen soll, mobilisieren Umweltschützer erneut gegen Wasserkraftwerke. Die Forderung: Es sollen keine weiteren Kraftwerke in Schutzzonen oder „den letzten ökologisch intakten Flussstrecken“ gefördert werden. Damit sei man nicht grundsätzlich gegen einen Ausbau in Maßen, erklärt Bettina Urbanek, Water Policy Officer bei WWF Österreich, auf Nachfrage von Tech & Nature. Es gehe um die staatliche Förderung solcher Wasserkraftwerke.

„Ökosysteme in den Kollaps getrieben“

Die Umweltschutzorganisation WWF Österreich und der Umweltdachverband haben dazu nun die Initiative „für lebendige und klimafitte Flüsse“ ins Leben gerufen und neben Umweltverbänden auch Wissenschaftler und Prominente für die Sache gewonnen. Mit einem offenen Brief wenden sie sich an Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Die Grünen): „Die Politik hat die Verbauung einzigartiger Flusslandschaften schon viel zu lange subventioniert und dadurch zahlreiche Ökosysteme in den Kollaps getrieben. Anstatt auch noch die letzten freien Fließgewässer zuzupflastern, muss das Fördersystem grundlegend reformiert und auf Modernisierung und Effizienzsteigerung bestehender Kraftwerke gesetzt werden“, sagt Umweltdachverband-Präsident Franz Maier.

Bestehende Prüfverfahren genügen nicht

Wasserkraftwerks-Betreiber hingegen betonen in dieser Debatte, dass es ohnehin bereits strenge Prüfverfahren gebe und kein Kraftwerk gebaut werden darf, das nicht umweltverträglich sei. „Die Summenwirkung neuer Kraftwerke auf den ökologischen Gesamtzustand der heimischen Gewässer wird dabei nicht berücksichtigt“, sagt Urbanek. In Österreich gebe es bei Wasserkraft mit mehr als 5.000 Kraftwerken bereits einen sehr hohen Ausbaugrad: „Die Wasserkraft ist bei der Naturverträglichkeit bereits am obersten Limit der Naturverträglichkeit“. Die meisten Wasserkraftwerke in Österreich fallen in die Kategorie Kleinstwasserkraft und die ist Umweltschützern ein besonderer Dorn im Auge. Der Eingriff in das Ökosystem stehe in keiner Relation zur der Energiemenge, die sie liefern würden. Solche Kraftwerke sollen nach dem Willen von WWF und Umweltdachverband künftig von der Ökostromförderung ausgeschlossen werden – genauso wie alle Neubauten in Schutzgebieten oder in sehr guten ökologischen Flussstrecken (alle Vorschläge im Detail). Laut einer aktuellen Boku-Studie seien nur 15 Prozent der heimischen Flüsse in einem sehr guten ökologischen Zustand.

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Ökostrom-Ausbau wird zum Kraftakt

Energie-Unternehmen warnen davor, dass die hoch gesteckten Ziele der Regierung ohne entsprechende Fördermaßnahmen und gelockerten Rahmenbedingungen nicht erreichbar sein werden. Für jede erneuerbaren Energiequelle hat die Regierung eigene Ausbauziele festgelegt. Der größte Sprung ist bei der Photovoltaik geplant und die Branche mahnt seit Monaten, dass es nicht genügen wird, Dächer auszubauen – bei Freiflächenanlagen gibt es allerdings Bedenken, dass wertvolle landwirtschaftliche Fläche oder Naturgebiete genutzt werden könnten. Auch Windparks stehen regelmäßig im Visier von Tierschützern. Auf die Frage, wie der Spagat zwischen Ökostrom und Naturschutz gelingen soll, antwortet Urbanek: „Die Energiewende muss nicht mit einem massiven Ausbau einhergehen“. Stattdessen schlägt der WWF eine Reduktion des Energieverbrauchs vor – vor allem in den energieintensiven Bereichen Verkehr und Industrie. Und eine deutliche Effizienzsteigerung.

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Modernisierung für ökologische Mindeststandards

Das sehen auch einige Wissenschaftler so: „Im Kern jeder Lösungsstrategie muss unser viel zu hoher Energieverbrauch stehen. Wenn wir es nicht schaffen, unseren Bedarf zu reduzieren, führt dies unweigerlich zur weiteren Ausbeutung natürlicher Ressourcen auf Kosten künftiger Generationen“, meint Klimaforscher Herbert Formayer von der Universität für Bodenkultur Wien. Statt einem Neubau sollen bestehende Kraftwerke modernisiert werden. Fast 80 Prozent der bestehenden Wasserkraftanlagen würden die aktuellen ökologischen Mindeststandards nicht erfüllen, heißt es seitens des WWF. Die 200 Millionen Euro, die die Regierung in den kommenden Jahren in die Sanierung der Gewässer investieren will, reichen laut Urbanek bei weitem nicht aus.

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