Mobility

ummadum: „Wir möchten das private Auto nicht verteufeln, sondern konstruktiv damit arbeiten“

Thomas Angerer, Rene Schader und Waka, der heimliche Geschäftsführer. ©Andreas Friedle
Thomas Angerer, Rene Schader und Waka, der heimliche Geschäftsführer. ©Andreas Friedle

Als „geteilte Mobilität mit Mehrwert“ bezeichnet das Tiroler Startup ummadum sein Geschäftsmodell. Die gleichnamige App bietet die Möglichkeit, eigene Fahrten zu teilen, Mitfahrerinnen zu suchen beziehungsweise Mitfahrgelegenheiten zu finden. Bezahlt wird mit ummadum-Punkten, die sich am Ende einer gemeinsamen Fahrt in Shopping-Punkte verwandeln. Die lassen sich dann bei ausgewählten Partnerunternehmen einlösen.

„Wir geben mit ummadum allen am Mobilitätsproblem beteiligten Gruppen ein Werkzeug in die Hand, um gemeinsam der Herausforderung zu begegnen: den Gemeinden, von denen aus sich die PendlerInnen täglich auf den Weg in die Arbeit machen; den Unternehmen, die Pendlerströme anziehen, aber auch dem Handel, der daran arbeitet, die Kaufkraft in der Region zu halten“, erklärt René Schader, der CEO von ummadum. Das Prinzip ist schnell erklärt: Zum Mitfahren benötigt man ummadum-Punkte. Die können in der App käuflich erworben werden oder der User bekommt die Punkte von Partnern, beispielsweise Gemeinden oder Unternehmen. 500 Punkte (das XS-Schnupperpaket) kosten fünf Euro und ermöglichen Fahrten bis zu 50 Kilometer.

Fahren, punkten, einkaufen

Herzstück der ummadum-Plattform ist laut Schader der Punktekreislauf: Mit diesem Belohnungssystem können Arbeitgeber und Gemeinden, die ihre Mitarbeiter und Bürger bei nachhaltiger Mobilität unterstützen wollen, Einfluss auf deren Mobilitätsverhalten nehmen. Die  eingenommenen Punkte können im Einzelhandel eingesetzt werden. Es gebe auch bereits erste Anfragen von Partnern, die weiteren Zielgruppen Punkte geben wollen, um so ihre Kundenbindung und -zufriedenheit zu erhöhen.

Schader: „ummadum ist mehr als bloßes ride-sharing. Wir haben es uns zum Ziel gemacht, zwei der größten unverbundenen Industrien zusammen zu führen – den Einzelhandel und die Mobilität, um so den Besetzungsgrad im Individualverkehr zu erhöhen, die Wertschöpfung in der Region zu erhalten und nachweislich einen positiven Einfluss auf die Umwelt zu nehmen. ummadum sieht sich in seiner Funktion als eine Maßnahme für Unternehmen und die öffentliche Hand und will sein Angebot dort stellen, wo kein anderes zur Verfügung steht.“ Die Partner seien sich der gesellschaftlichen Herausforderung bewusst, ummadum sei das Werkzeug, dass dabei hilft, die Ziele umzusetzen.

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Mit im Team ist auch Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft der WU Wien. Er sieht große Chancen in der Lösung: „Lösungen wie das Teilen von E-Scootern boomen, aber bis jetzt gab es keinen erfolgreichen Versuch, Mikromobilitätsplattformen zu etablieren. Ummadum nimmt diese Herausforderung an und kombiniert eine erstklassige App mit regionalen Ökosystemen, zu denen lokale Gemeinden, Unternehmen und Pendler gehören.“

Eine Person pro Auto

Wie sind die Gründer auf die Idee gekommen? Das gesteigerte Verkehrsaufkommen und das Bedürfnis der Menschen nach Flexibilität war der Anstoß für das Projekt „ummadum fahren“ (für die Wiener Leser: „herum fahren“). Eine App biete die Möglichkeit,  eigene Fahrten unkompliziert zu teilen, Mitfahrerinnen zu suchen und Mitfahrgelegenheiten zu finden. Der Vorteil der so entstehenden Fahrgemeinschaften liegt laut den Gründern auf der Hand: sie erhöhen den „Besetzungsgrad“ in den Autos, verringern das Verkehrsaufkommen auf den Straßen, schaffen freie Parkplätze und verkürzen die Zeit, die man für den Weg zur Arbeit oder nach Hause benötigt.

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Angemerkt sei an dieser Stelle, dass der Besetzungsgrad von Autos, also die Zahl der mitfahrenden Personen pro Fahrt, laut des Klimaschutzberichts (2017) des Umweltbundesamts pro Auto bei 1,2 lag (2015) – also bei quasi nur einer Person in jedem Auto. Die Zahl ist immer noch aktuell. „Die Erhöhung des Besetzungsgrades verspricht eine unerreichbare CO2-Ersparnis im Individualverkehr. Durch die Integration von richtungsweisenden Konzepten wie der Elektromobilität können auch noch weitere Anreize geschaffen werden – zum Beispiel können Fahrer von Elektroautos, die ihre Fahrten in ummadum anbieten, noch zusätzlich unterstützt werden“, rechnet Thomas Angerer vor.

Fahren für Punkte

Fahrerinnen verdienen mit jedem geteilten Kilometer, also jeder Fahrt mit Mitfahrern, Punkte, die sich dann gegen Waren tauschen lassen. Gestartet ist ummadum in Tirol und wächst jetzt in die anderen Bundesländer – vor allem in rurale Gebiete, wie Thomas Angerer, Mitgründer von ummadum, bestätigt: „Wien hatte für uns nicht die ganz große Priorität, immerhin sind hier die Öffis extrem gut ausgebaut. Vorerst wollen wir uns auf ländlichere Gebiete mit schwacher Infrastruktur konzentrieren.“

Man sei bereits in ersten Gesprächen mit möglichen Partnern, immerhin sei genau dieser Punkt das Alleinstellungsmerkmal des Startups: „Einlösungen können bei unseren Partnerbetrieben gemacht werden. Das ist unser großer USP. Unsere Handelspartner reichen vom kleinen Metzger in der Region bis hin zu Handelsketten wie zum Beispiel MPreis, wo in Kürze in sämtlichen Filialen auch ummadum-Punkte eingelöst werden können. Auch hier wachsen wir sehr stark“, erklärt René Schader.

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Wer Mitfahrer einlädt, darf sich außerdem über ein zusätzliches Feature freuen: Fahrer und Passagiere sind durch die VAV-Personenunfallversicherung bis zu 100.000 Euro und im Todesfall bis zu 10.000 Euro pro Insasse versichert. Man sei stolz darauf, den Nutzern auf allen Ebenen der gemeinsamen ummadum-Fahrten ein Höchstmaß an Sicherheit bieten zu können.

Die App im Check

Um das Angebot nutzen zu können, ist eine Registrierung mit der E-Mail-Adresse und der Telefonnummer notwendig. Verfügbare Fahrten lassen sich mit Startpunkt, Zielort und Datum beziehungsweise Uhrzeit suchen. Wer mag, kann außerdem favorisierte Orte (Zuhause, Arbeitsplatz) in der App vordefinieren. Findet ummadum keine passende Fahrt, zeigt sie mögliche Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. „Wir wollen ein möglichst umfangreiches Tool schaffen. Wer von A nach B muss, soll wissen, dass er oder sie erst den Bus nehmen und dann beispielsweise einen ummadum-Fahrer schnappen kann“, erklärt Angerer.

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Ab ins Ausland

Die nächsten Ziele sind auch bereits klar definiert: „Wir konnten das Interesse strategischer Partnerschaften erwecken und sind bereits mit mehreren globalen Playern im Gespräch.“ Eine Plattform, welches gemeinsames Fahren belohnt, hebe klassisches Ridesharing auf ein neues Level. Das scheint auch der FIA (Federation Internationale de l’Automobile) zu gefallen: Das junge Unternehmen wurde als Gewinner der FIA Region 1 Start-Up Challenge zur Jahreshauptversammlung der FIA eingeladen. Vor Ort waren 240 Mobilitätsclubs, die weltweit über 80 Millionen Mitglieder vertreten.

Auch dort konnte das Konzept überzeugen, berichtet René Schader: „Wir wurden von einer Jury in die Top 12 Startups von Europa, Mittlerer Osten und Afrika gewählt und in der zweiten Runde in Wien von den Mobilitätsclubs der Region One als einer der Gewinner nach Paris zur Generalversammlung eingeladen. Wir konnten auch dort mit unserem Konzept überzeugen. Die Mobilitätsbranche steht vor großen Herausforderungen, so auch die Clubs. Unser Modell bietet viele Möglichkeiten, durch die Clubs einen Mehrwert anbieten können. Anders als viele Player am Markt möchten wir das private Auto nicht verteufeln, sondern konstruktiv damit arbeiten. Die leeren Sitze in den Autos sind eine wertvolle Ressource, die es zu nutzen gilt.“

Bevor der internationale Rollout in Angriff genommen wird, soll zunächst aber einmal Österreich erobert werden. Mit Jänner 2020 werden zahlreiche weitere Unternehmen und Gemeinden in Österreich“ummadum fahren“, künden die Gründer an.

Ummadum wurde in Tirol entwickelt, hat im November 2019 den Realbetrieb gestartet und weitet seinen Service mit Gemeinden, Unternehmen und Handelspartnern nun österreichweit aus.

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