Uber belastet Klima viel mehr als die Fahrten, die es verdrängt

Oliver Janko - 27 Feb 2020

© Unsplash

So praktisch Dienstleister wie Uber, Bolt oder Lyft auch sein mögen, sie nehmen keine Autos von den Straßen – im Gegenteil. Zwar gibt es mittlerweile die Möglichkeit, „grüne“ Fahrten zu bestellen. Letzten Endes ist aber nicht klar, wie viel Anteil die Fahrtenvermittler an Umweltverschmutzung und (innerstädtischen) Verkehrsstaus wirklich haben. Eine neue Studie behauptet nun: Im Durchschnitt verursachen Uber- oder Lyft-Fahrten ca. 69 Prozent mehr Klimabelastung als die Fahrten, die sie verdrängen.

Oft würden Uber oder Bolt nämlich öffentliche Verkehrsmittel, Fahrradfahrten oder Fußmärsche ersetzen. In Städten verdrängen die Fahrten also in der Regel kohlenstoffarme Alternativen. Die Studienmacher schreiben aber auch, dass die Anbieter diese Emissionen durch „aufeinander abgestimmte Anstrengungen zur Elektrifizierung der Fahrzeugflotten“ oder durch Anreize für Kunden zu gemeinsamen Fahrten reduzieren könnten.

+++ Zwischen Uber und Öffis: Ioki soll am Land Privatautos ersetzen  +++

Vorschläge für effektivere Fahrten

„Diese Strategien allein werden jedoch weder den Anstieg der gefahrenen Fahrzeugkilometer noch die zunehmende Besorgnis über Staus ausräumen“, heißt es im Bericht weiter. Damit das „Ride-Hailing“ (allgemeine eine Dienstleistung zur Personenbeförderung, Anm.) zu besseren Klima- und Stauergebnissen beitragen kann, müssten „Fahrten gebündelt und elektrisch betrieben werden“, Einzelfahrten mit dem Auto „häufiger verdrängt“ und emissionsarme Verkehrsmittel wie Nahverkehr, Radfahren und der klassische Fußmarsch gefördert werden.

Übersetzt aus dem Original heißt es:

Glücklicherweise kann die Branche mehrere Strategien umsetzen, um die negativen Auswirkungen von Ride-Hailing zu bekämpfen und zu einer kohlenstoffarmen Zukunft des Transports beizutragen. Sie muss rasch zur Elektrifizierung der Fahrzeuge übergehen, die Anzahl der Fahrten in Gruppen erhöhen und den Massenverkehr ergänzen. Die Regierungen können diese Bemühungen mit einer intelligenten Politik unterstützen, die die Umweltverschmutzung verringert und effiziente, gerechte Verkehrssysteme fördert. Und der Einzelne kann eine sachkundige Wahl unter den Verkehrsoptionen treffen, um Staus und Umweltverschmutzung zu reduzieren und Unternehmen dazu zu bewegen, sauberere Optionen anzubieten.

+++ Das E-Flugzeug auf der Langstrecke bleibt Zukunftsmusik. Es gibt aber eine Übergangslösung. +++

Grüne Fahrten als Alternative

Die Kollegen von TheVerge haben bei Uber und Lyft nachgefragt. Beide Unternehmen beteuern ihre grundsätzliche Bereitschaft, ihren Kohlenstoff-Fußabdruck zu reduzieren. Tatsächlich gibt es seit einer Weile die Möglichkeit, „grüne“ Fahrten – also Elektroautos oder Hybride – anzufordern. Darüber hinaus hat beispielsweise Uber seit kurzer Zeit auch E-Roller integriert und wirbt mit speziellen Anreizprogrammen für die Wahl eines Elektroautos. Anzumerken ist hier, dass „grüne Fahrten“ auch nur dann einen deutlichen Unterschied beim Emissions-Ausstoß machen, wenn der Strom entsprechend nachhaltig produziert wurde. Viele der für die diversen Berechnungen herangezogenen Werte stammen von US-amerikanischen Städten. An der Grundaussage dürfte dieser Umstand aber nicht allzu viel ändern.

+++ Shared E-Roller verursacht mehr CO2 als normales Moped +++

Lyft führte laut TheVerge eine Multimillionen-Dollar-Investition ein, um durch den Kauf von Kohlenstoff-Ausgleichsleistungen zu einem „vollständig Co2-neutralen Transportdienst zu werden“. Nichtsdestotrotz transportieren überwiegend Autos mit Verbrennungsmotoren Menschen durch die Städte dieser Welt. Vor allem gemeinsame Fahrten seien nicht so angenommen worden, wie von den Dienstleistern erhofft. Roller-Sharing-Dienste würden außerdem „lokalen Vorschriften und Marktbedingungen“ unterliegen und seien darüber hinaus „unzuverlässig“ sein. Gemeint ist damit wohl, dass die Stellplätze nicht immer korrekt angezeigt werden und mitunter auch die Buchungssysteme mit Bugs kämpfen.

Statements von Uber und Lyft

Uber und Lyft gaben gegenüber den Kollegen bereits ein Statement ab. Von Uber heißt es: „Wir wollen, dass Uber ein Teil der Lösung zur Bekämpfung des Klimawandels ist, indem wir mit den Städten zusammenarbeiten, um eine kohlenstoffarme Zukunft des Verkehrs zu schaffen. Um Emissionen zu reduzieren, werden wir weiterhin in Produkte investieren und uns für eine Politik einsetzen, die den Autobesitz verringert, mehr Fahrgemeinschaften fördert und eine größere Akzeptanz von Fahrrädern, Rollern, umweltfreundlichen Fahrzeugen und der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel unterstützt.“

+++ Das waren 2019 die beliebtesten E-Autos in Österreich  +++

Lyft hingegen kritisiert die Studie: „Dieser Bericht macht, wie viele andere vor ihm, irreführende Behauptungen über Mitfahrgelegenheiten.“ Lyft fördere die Nutzung von Mitfahrgelegenheiten, sei die erste Mitfahrgelegenheitsfirma gewesen, die Informationen über öffentliche Verkehrsmittel in die eigene App aufgenommen hat und habe im vergangenen Jahr eine der „größten Einzeleinsätze von Elektrofahrzeugen in der Nation durchgeführt“. Man sei bestrebt, diese Arbeit in Partnerschaft mit den Städten fortzusetzen, „um den gemeinsamen, nachhaltigen Verkehr voranzutreiben“.

+++ ummadum: „Wir möchten das private Auto nicht verteufeln, sondern konstruktiv damit arbeiten“  +++

Hinter dem Text

Oliver Janko

Oliver Janko ist erfahrener Tech-Redakteur, kommt ursprünglich aus dem Printbereich und arbeitet nun als Senior Editor bei Tech&Nature.

Auf diesen Events solltest du dabei sein:

Werde Teil unserer Community!

Wir versorgen dich mit handverlesenem Content, exklusiven Deals und Angeboten. Kein Spam. Versprochen.

Shares
Share This