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TU Graz und ÖBB testen erfolgreich Einsatz von emissionsärmeren „Eco-Beton“

Der Kleintierdurchlass: Die rechte Seite wurde mit Eco-Beton, die linke Seite mit „Normalbeton“ betoniert. © Wopfinger Transportbeton
Der Kleintierdurchlass: Die rechte Seite wurde mit Eco-Beton, die linke Seite mit „Normalbeton“ betoniert. © Wopfinger Transportbeton

Beton ist nach wie vor das wichtigste Baumaterial der Welt und wird es wohl noch länger bleiben. Das Problem: Beton trägt massiv zu den globalen Treibhausgasemissionen bei, weil die Produktion von Zement, der wichtigsten Komponente in Beton, viel CO2 verursacht. 8 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen sind laut der Umweltschutzorganisation WWF auf die Zementindustrie zurückzuführen. Daher ist der Bedarf nach emissionsärmeren Alternativen hoch. Die Anzahl von Forschungsprojekten dazu aber auch. Eines davon ist an der TU Graz beheimatet. Diese habe ein Verfahren entwickelt, in welchem sogenannter Eco-Beton produziert wird. Dieser verursache laut den Forschenden in der Herstellung bis zu 25 Prozent weniger Emissionen als herkömmlicher Beton.

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Praxistest in Niederösterreich

Erreicht wird dieser Wert durch die Nutzung von sogenannten „Eco- und Mikrofüller“, so die TU Graz. Das seien Sekundärrohstoffe, also recycelte Rohstoffe, und Gesteinsmehle. Diese mischten Joachim Juhart vom Institut für Materialprüfung und Baustofftechnologie der TU Graz mit seinem Forschungsteam zu herkömmlichen Zement und erarbeiten im Labormaßstab das optimale Mischverhältnis, wie es von der Universität heißt. Anschließend wurde dieses in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Wopfinger Transportbeton in hochskalierten Projekten auf die Verarbeitbarkeit, die Festigkeit sowie insbesondere die Dauerhaftigkeit erfolgreich getestet, gibt die TU Graz bekannt.

Was somit im Kleinformat startete, wurde nun auch schon in der Praxis getestet. Dafür arbeitet die TU Graz mit der ÖBB zusammen. Im niederösterreichischen Ebreichsdorf wurde im Frühjahr eine neue Wildquerungshilfe unterhalb der Schienen erbaut. Für die Hälfte des Tunnels wurde dabei der Eco-Beton genutzt. Die andere Hälfte besteht hingegen aus Standard-Normalbeton, so die Universität. „Dadurch war es uns möglich, die Betonsorten direkt miteinander zu vergleichen“, so Juhart. Zusätzlich wurden unweit des Tunnels zwei Musterwände aufgestellt, so die TU Graz. Diese würden der Beobachtung von Faktoren wie den Feuchtegehalt, Temperaturentwicklung oder das Korrosionspotenzial über einen langen Zeitraum dienen.

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Die Ergebnisse des Praxistestes konnten dabei augenscheinlich überzeugen. So arbeiten die ÖBB den aktuellen Angaben nach, nun auch daran, den Eco-Beton bei größerem Bauprojekten einzusetzen. Der technische Geschäftsführer des ebenfalls an den Labor-Versuchen beteiligten Unternehmen Wopfinger Transportbeton, Franz Denk, bezeichnet den Eco-Beton in einer Aussendung der TU Graz sogar als „wunderbare Alternative mit Potenzial zum Game-Changer“.

Ob sich diese Form des Betons in der Baubranche tatsächlich durchsetzen wird, wird sich also zeigen. Damit die Emissionen in der Baubranche allerdings darüber hinaus signifikant sinken, wird es auch weitere Alternativen und Reduzierungen der Bauvorhaben benötigen.

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