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CO2-Speicher

„Tree Tracking“: Wie Startups mit dem Messen von Waldwachstum Millionen einsammeln

© jplenio on Pixabay
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Wälder sind ein wichtiger Speicher für CO2 und damit essenziell für die Bekämpfung von umweltschädlichen Emissionen. Die Organisation von Waldbeständen ist dabei laut einem Bericht der Financial Times eine große Herausforderung. Die Abholzung von Wäldern sei leicht zu überwachen, das Wachstum und der Zustand von neuen Bäumen dagegen nur sehr schwer. In diesem Bereich haben sogenannte „Tree Tracking“-Startups vor allem in diesem Jahr eine echte Marktlücke entdeckt. Globale Jungunternehmen, die sich auf das Monitoring von Wäldern konzentrieren, hätten 2021 bislang mindestens 44 Millionen Dollar bei Finanzierungsrunden eingesammelt.

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Tree Tracking durch Satelliten und Drohnen

„Niemand hat eine Datenbank über die gesamte Waldrestoration. Verschiedene Gruppen versuchen, diese Daten einzusammeln. Momentan ist die Lage sehr fragmentiert“, zitiert die Financial Times Fred Stolle von der Umwelt-Denkfabrik World Resources Institute. Dem Bericht zufolge wollen vor allem viele Unternehmen CO2-speichernde Wälder überwachen, um durch sie ihre Treibhausgasemissionen zu kompensieren. Das mache Jungfirmen, die mit Künstlicher Intelligenz, Satellitenbildern und Drohnen neue Bäume aufspüren, bei Investoren sehr begehrt.

Ein Beispiel für ein Startup, das Tree Tracking betreibt, ist das kalifornische Unternehmen Pachama. Durch eine Kombination aus Satellitenbildern, einem Laser-Puls und Machine-Learning-Algorithmen ermittelt die Jungfirma, wie sich Waldbestände entwickeln und wie viel CO2 die Bäume insgesamt speichern. Kürzlich hat Pachama laut der Financial Times bei einer Finanzierungsrunde 15 Millionen Dollar eingesammelt. Angeführt hat das Investment die Venture Capital-Gesellschaft Breakthrough Energy Ventures, die Bill Gates ins Leben gerufen hat.

Ebenfalls konzentriert sich das britische Jungunternehmen Sylvera auf Tree Tracking. Das Startup benutzt auch Satellitenbilder und Machine Learning sowie Geodaten, um Bäume zu überwachen. Im Mai haben Investoren, angeführt von Index Ventures, 7,8 Millionen Dollar in Sylvera gesteckt. Ganze 20 Millionen Dollar konnte das US-Startup NCX kürzlich einsammeln. Mit Satellitenbildern und Machine Learning identifiziert das Jungunternehmen Gebiete, in denen die Wälder zu besonders effektiven CO2-Speichern werden können.

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Analysten auf dem Boden immer noch wichtig

Die Tree Tracking-Startups messen aber häufig nicht nur die Waldgebiete ab, sondern bieten Unternehmen auch die Möglichkeit, ihren CO2-Fußabdruck zu kompensieren. Sie können die Landbesitzer finanziell unterstützen und so Abholzungen verringern. Die Jungunternehmen verrechnen dann, wie viel an Emissionen die „geretteten“ Waldstücke speichern. Die Partner können dadurch ihre eigene CO2-Bilanz kompensieren.

Es gibt bei der Effektivität der Startups laut der Financial Times aber Einschränkungen. Wie viel CO2 genau in einem bestimmten Areal gespeichert ist, lasse sich schwer genau feststellen, weil die Mengen sehr unterschiedlich sein können. Dmitry Schepaschenko, Forscher am Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse, sieht Drohnen und Satelliten zwar als wichtig für die Waldanalyse, jedoch brauche es immer noch Analysten auf dem Boden. Die Höhe und Dichte der Bäume sei wichtig für die Speicherung von CO2. Diese Daten seien auch durch modernste Technologie nur schwer zu ermitteln. Neben den technischen Innovationen braucht es also weiter die menschlichen Waldarbeiter.

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