Finanzierung

Technische Unis fordern Wasserstoff-Milliarde für Österreich

So soll der Brennstoffzellen-Zug im Zillertal aussehen. © ZVB AG
So soll der Brennstoffzellen-Zug im Zillertal aussehen. © ZVB AG

Österreichs Wasserstoffstrategie lässt nach wie vor auf sich warten. Bis Ende des Jahres soll sie fertig sein, wie Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Die Grünen) am Mittwoch am Rande einer Pressekonferenz sagte. Anderenorts baten auch die technischen Universitäten Österreichs, die TU Wien, die TU Graz und die Montanuniversität Leoben, zu einem Mediengespräch und betonten dort ihre wichtige Rolle bei der Umsetzung einer solchen Strategie und hatten auch eine Forderung: Bis 2024 soll die österreichische Regierung für die Wasserstoffstrategie eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen und in den fünf Jahren danach noch eine weitere Milliarde.

900 Mio. Euro Wertschöpfung möglich

„Würden wir das nicht investieren, würden wir im internationalen Vergleich zurückfallen“, mahnte Christian Helmenstein, dessen Wirtschaftsforschungsinstitut Economia im Auftrag der TUs eine Studie zur Rolle der Unis in der Wasserstoff-Forschung durchgeführt hat. Die zwei Wasserstoff-Milliarden hätten laut Helmenstein das Potenzial in Österreich rund 900 Millionen Euro an Wertschöpfung auszulösen und bis 2030 1.250 Jobs zu sichern oder zu schaffen. Dass gerade im Infrastrukturbereich das Wertschöpfungspotenzial eher gering sei, liege daran, dass man bei diesen Projekten noch stark vom Import abhängig sei. Der Studienautor mahnte zudem Eile ein: „Je früher wir damit beginnen, desto besser. Die Forschung lässt sich erst in etwa 7 bis 8 Jahren in Exporterfolge umzusetzen“.

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Bei Forschung top, bei Patenten weniger

In der Wasserstoffforschung sieht Helmenstein Österreich gut aufgestellt. In seiner Studie hat er sich angesehen, wie die Technischen Universitäten, die geschlossen als TU Austria auftreten, in Grundlagenforschung, wissenschaftlichem Publizieren und Patenten abschneiden. In der Grundlagenforschung ortet er sogar eine „außerordentliche Positionierung“ Österreichs. Rund 3 bis 6 Prozent aller Wasserstoff-Projekte im EU-Rahmenprogramm Horizon 2020 und anderen EU Programmen entfallen laut der Studie auf Österreich, genauso wie bis zu 1,2 Prozent der weltweiten wissenschaftlichen Publikationen in diesem Bereich.

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Im nächsten Schritt gebe es allerdings Nachholbedarf, nämlich bei der Umsetzung der Ergebnisse in Patente. „Wir müssen die Grundlagenforschung besser in Intellectual Property umsetzen“, sagt Helmenstreit. Das sei allerdings generell ein Problem in Europa. TU-Austria-Präsident und TU-Graz-Rektor Harald Kainz sieht die Schwäche in der Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie – in den USA und Japan gebe es da eine andere Kultur. Alexander Trattner, der Leiter des größten österreichischen Wasserstoffforschungs-Zentrums, HyCentA in Graz, will die Patente allerdings nicht überbewertet wissen. Es gehe vielmehr um die Generierung von Know-how.

Herausforderung grüner Wasserstoff

Wasserstoff gilt als eine der Schlüsseltechnologien für einen vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energie. Das Potenzial sehen Experten weniger im Individualverkehr, als eher im Schwerverkehr und vor allem in der Industrie, wo sehr große Mengen an Energie benötigt werden – etwa in der Stahlproduktion. Wasserstoff ermöglicht die Speicherung von erneuerbarer Energie, wird derzeit aber hauptsächlich mit fossiler Energie hergestellt. Gewessler betonte, dass der wichtigste Punkt der österreichischen Wasserstoffstrategie die Produktion von grünem Wasserstoff sein werde. Derzeit ist diese Produktion noch teuer und wenig effizient, es geht also viel Energie verloren. An diesem Problem arbeite die Forschung mit Hochdruck, versprach Trattner, der auf eine weitere Herausforderung aufmerksam machte: „Wichtig ist, dass die richtige Infrastruktur geschaffen wird. Es wäre schlecht, wenn Wasserstoff-Pipelines an der österreichischen Grenze enden würden oder um Österreich herum gebaut werden“.

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