Social Innovation

Tech & Nature Guide:  Die spannendsten Social-Startups Österreichs

In Österreich gibt es eine Vielzahl von Social Businesses Foto: Kelly Sikkema on Unsplash

Die Feststellung eines Mangels ist der Grundstein für Veränderungen und der Beginn eines Social Businesses. Damit beginnt die Realisierung einer Vision. Es ist jetzt an der Zeit, die Menschen vorzustellen, welche Großartiges bewegen und die Welt ein bisschen besser machen. Österreichs Social Businesses im großen “Tech & Nature”-Guide: Wir stellen euch jene Startups vor, die sich den großen und kleinen sozialen Herausforderungen unserer Welt widmen.

BioBalkan

Das Wiener Startup verkauft Bioaufstriche wie Ajvar aus Serbien und begleitet und unterstützt serbische Landwirte bei der Umstellung auf den Bio-Anbau. Weiterhin unterstützen sie das Sozialunternehmen Radanska Ruža, ein Betrieb im serbischen Lebane. Dieser stellt ausschließlich Frauen ein. In einer der ärmsten Regionen Europas hätten gerade alleinerziehende Mütter, Frauen mit Behinderungen oder Langzeitarbeitslose wenig Chancen. BioBalkan eröffnet dem Sozialbetrieb den internationalen Markt, schafft und sichert dadurch Arbeitsplätze und unterstützt den Betrieb beim Umstieg auf Bio.

Wiener Startup BioBalkan sichert Arbeitsplätze in einer der ärmsten Regionen Europas

Doing Circular

Das niederösterreichische Startup entwickelt Maschinen für die Weiterverarbeitung von altem Plastik. Die Lösung ist vor allem für Entwicklungsländer gedacht, wo sie Menschen mit Unternehmertum aus der Armut helfen soll. Doing Circular ist inzwischen in 35 Ländern vertreten und plant weitere Projekte, wie beíspielsweise die Herstellung von kleinen Windturbinen, Wasserrädern, Prothesen und weiteres. Erst im Juli 2020 wurde ihnen der UNIDO-Preis verliehen für die Herstellung von 30.000 Face Shields aus recyceltem Plastik in mehr als 10 Ländern. 

Doing Circular: Österreichisches Recycling-Startup gewinnt Preis der Vereinten Nationen

Goood Mobile

Telefonieren und im Internet surfen und dabei Sozial-und Klimaprojekte unterstützen – das ist möglich mit dem Mobilfunkanbieter Goood. Bei Abschluss eines Tarifes bei Goood werden 10% der monatlichen Gebühr an ein Sozial- oder Klimaschutzprojekt gespendet. Das Besondere dabei ist, dass die Tarife trotzdem nicht teurer sind als bei anderen Marktteilnehmern. Das Projekt für das gespendet werden soll kann der Kunde selbstständig auswählen und so jeden Monat Gutes tun. Genutzt wird das Netz von A1. 

Mobilfunker goood: Spenden ohne mehr zu Bezahlen macht Schule

Habibi & Hawara

Das Habibi & Hawara ist ein Integrationsprojekt, das 2016 von Martin Rohla (Stadtflucht Bergmühle, Investor bei “2 Minuten 2 Millionen”, Cobenzl), Katharina Schinkinger (Verein “Hosten statt Posten”) und David Kreytenberg (Restaurant “Die Liebe”, Creau) gegründet wurde. Das Wiener Restaurant nahe der Börse im ersten Bezirk integriert Flüchtlinge mit positivem Asylbescheid in den Arbeitsmarkt und serviert dementsprechend vor allem orientalische Spezialitäten. Das Ziel: eine Ausbildung, die genügt, um ein eigenes Unternehmen bzw. Restaurant zu gründen. Inzwischen gibt es Ableger des Habibi & Hawara an drei Standorten in Wien. 

Habibi & Hawara: Mit „Bussi Memberships“ durch die Coronakrise

HELIOZ 

Das Wiener Social Enterprise befasst sich mit globalen Wasser- und Klimaprojekten und entwickelt neue Technologien zur Wasseraufbereitung. Ziel der Gründer ist, dass auch in ärmeren Gebieten alle Menschen Zugang zu sauberem Wasser haben und sich so Krankheiten durch verschmutztes Wasser verhindern lassen. Aktuell engagiert sich HELIOZ sehr stark bei großen Projekten in Afrika, Südostasien und Indien. Außerdem beschäftigen sie sich mit CO2 Kompensation und generieren CO2 Zertifikate von Firmen für den freiwilligen CO2 Markt und bieten diese den Unternehmen an um deren Klimaneutralität zu kommunizieren. 

Helioz-Gründer Martin Wesian: „Ein Versuch ist es immer wert, Scheitern ist nur eine Alternative“

Impactory

Das Startup aus Wien hat einen Marktplatz für Spenden geschaffen und verbindet so gemeinnützige Unternehmen mit potenziellen Spendern. Auf der Webplattform sind eine Vielzahl an gemeinnützigen Unternehmens gelistet. Neben der Möglichkeit als Privatperson direkt über die Seite an seine Lieblingsorganisation zu spenden, können Unternehmen eigene Impactory-Seiten buchen auf denen ausgewählte Projekte präsentiert werden. Via Spendengutscheine oder firmeninternen Aktionen können sie dann Mitarbeiter und Kunden dazu  motivieren zu spenden. So können die Unternehmen mehr Markennutzen generieren und die gemeinnützigen Unternehmens müssen nicht um ein Sponsoring bitten und werden in ihren Tätigkeiten unterstützt. 

Impactory: Das Wiener Startup, das das NGO-Fundraising digitalisiert

magdas Social Business

Das magdas schafft als Social Business-Unternehmen Ausbildungs- und Arbeitsplätze und eröffnet Zukunftsperspektiven für Menschen, die bei vielen anderen Arbeitgebern keine Chance erhalten. Insgesamt 200 Mitarbeiter beschäftigt das Wiener Unternehmen. Neben dem bekannten magdas Hotel nahe des Wiener Pratersterns das Menschen mit Fluchterfahrung in den Arbeitsmarkt integrieren will, verarbeiten sie bei magdas Recycling die Handyspenden aus der Ö3 Wundertüte, kochen in magdas Essen in Österreichs nachhaltigster Großküche in Wien-Liesing und versorgen Events mit madas Catering. Mit magdas Reinigungsservice sind sie weiterhin Arbeitgeber für Putzkräfte, offerieren eine Veranstaltungslocation mit magdas Ankersaal und betreiben im Wiener Kulturhaus Brotfabrik eine Kantine. 

Magdas Hotel baut zweiten Standort in Priesterwohnhaus

myAbility

MyAbility hat sich über die Jahre zu einer der wichtigsten Strategieberatungen für Unternehmen entwickelt, die barrierefrei werden und beeinträchtigte Menschen anstellen möchten. Das Unternehmen ist seit Jahren eine der ersten Anlaufstellen für Unternehmen, die die Potenziale von Menschen mit Behinderungen als Kunden und Mitarbeiter heben wollen.  Seit mehr als zehn Jahren kämpft das Unternehmen für mehr Inklusion in der Arbeitswelt und arbeitet mit Unternehmen Strategien für mehr Barrierefreiheit und Inklusion in den jeweiligen Häusern aus. Ziel ist es, die Anzahl von beeinträchtigten Menschen auf dem Arbeitsmarkt deutlich zu erhöhen. 

myAbility: Sechsstelliges Investment für die soziale Unternehmensberatung

More than one Perspective

More than One Perspective (M-TOP) ist ein Social Business, welches sich die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten und Drittstaatsangehörigen zum Ziel gesetzt hat. MTOP führt Unternehmen und geflüchtete Menschen am Arbeitsmarkt zusammen, begleitet beide Seiten und zeigt das Potenzial von Integration auf. In einem sechmonatigen Programm bereiten sie Menschen mit bereits bestehende Ausbildung auf den österreichischen Arbeitsmarkt vor. Weiterhin bieten sie Trainings für junge Führungskräfte an, wobei sie besonderen Wert auf das Aufbrechen von “Schubladendenken” legen. 

More Than One Perspective: „Für uns als Social Business stehen Wirkungsziele an oberster Stelle“

Semina 

Das Grazer Startup hat eine Kochstelle für Entwicklungsländer entwickelt, die deutlich weniger Rauch entwickelt als die bisher gängigen offenenen Feuerstellen und sich selbst finanziert. Der Ofen besteht aus Blech und kann mit einfachen Werkzeugen lokal produziert werden. Weiterhin wurde die Kochstelle smart konzipiert, sodass über Sensoren und einen Ventilator die Luftzufuhr gesteuert wird und so die Verbrennung reguliert. Weiterhin wird die Kochstelle mit Biomasse wie Holz und Landwirtschaftsabfällen betrieben, wodurch wiederum Bio-Kohle entsteht die die Nutzer weiterverkaufen können. Durch die Smart Meter kann berechnet werden, wie viel CO2 zu herkömmlichen Kochstellen gespart wird und dafür CO2-Zertifikate ausgestellt werden, welche die Nutzer wiederum verkaufen können. 

Semina: Grazer haben eine Kochstelle für Entwicklungsländer erfunden, die sich selbst finanziert

Sindbad

Das Wiener Social Business Sindbad hat ein neues Konzept entwickelt, um der Jugendarbeitslosigkeit etwas entgegen zu setzen. In einem 8-12 monatigen Programm wird jugendlichen Schülern aus neuen Mittelschulen ein 20 – 35- jähriger Mentor aus der österreichischen Berufswelt zur Seite gestellt. Gemeinsam wird sich auf das Schreiben von Bewerbungen und das Bestehen von Bewerbungsgesprächen vorbereitet. Die Kooperation hat Vorteile für beide Seiten: Den Jugendlichen wird der Einstieg in die Berufswelt erleichtert, der Mentor erhält “soziales Fingerspitzengefühl”. 

Sindbad: Fürstliche Spende für die Kämpfer gegen Jugendarbeitslosigkeit

Social Held

Die Plattform soll automatisiert Freiwillige mit konkreten Projekten von NGOs verbinden. Freiwillige machen Angaben zu ihren Skills und auf dieser Basis findet ein Algorithmus der Plattform die passenden Projekte. Neben Privatpersonen sind auch Unternehmen dazu eingeladen über die Plattform sich gemeinsam in der Freiwilligenarbeit einzusetzen. Das sogenannte Corporate Volunteering stärkt das Team und darüber hinaus den Ruf des Unternehmens.  

Social Held: Wiener Startup digitalisiert „Corporate Volunteering“

uugot.it

Das Startup hatte eine App entwickelt, in welcher die Nutzer unterhaltsam ihre Sprachkenntnisse ausbauen können und so die Integration erleichtert wird. Die Nutzerinnen und Nutzer streamen einen TV-Sender auf das Smartphone und die App blendet parallel dazu die Untertitel ein. Wird ein Wort nicht verstanden, können die Nutzer auf das jeweilige Wort tippen und erhalten die dafür passende Übersetzung und Erklärung. Übersetzte Wörter sammelt uugot.it automatisch in einer Liste. Neben dem uugot.it TV hat das Unternehmen darüber hinaus eine Lernplattform für den Schul- und Unterrichtseinsatz entwickelt, welche relevante Sendungen des Unterrichts mit didaktischem Begleitmaterial aufbereitet und eine Lernplattform für Unternehmen.

Wiener Startup uugot.it übersetzt aktuelle Corona-Infos im ORF

Vollpension

Kuchen wie bei Oma – das bietet die Vollpension. In zwei Generationen Cafes in Wien arbeiten und backen Senioren in der Pension und ein junges Team zusammen für ihre Gäste. Statt alleine in der Wohnung oder in Sorge wegen einer drohenden Altersarmut können die Pensionisten hier ihre Backkünste ausleben und die Gäste verköstigen. Damit das Wissen um die besten Rezepte nicht verloren geht, bietet das Team nun außerdem in der Vollpension Backakademie Videotutorials und Live-Backkurse für interessierte Bäckerlehrlinge an. 

Vollpension: Neue Online-Backkurse mit Oma und Opa

Willy*Fred 

Das willy*fred ist ein 1711 m² großes Altbauhaus mitten in der Linzer Innenstadt. Das Besondere ist seine Organisationsform: Die Mieter haben das Haus gemeinsam mittels Direktkredite gekauft. 250 Mikrokredite ab fünfhundert bis ein paar tausend Euro haben die Menschen von willy*fred aufgestellt, das reichte aus um von der Bank einen Hypothekarkredit zu bekommen und das Haus gemeinschaftlich zu kaufen. Ein Großteil des Hauses stehen für Wohnungen zur Verfügungen, sowie für Vereine und allgemeine Räumlichkeiten für die Gemeinschaft. Ähnliche Projekte gibt es inzwischen auch in Salzburg und Wien.

Wisr

Das Wiener Startup Wisr hat einen digitalen Talente-Marktplatz geschaffen für Senior-Experten im und vor dem Ruhestand. Dabei geht es auch darum, dass so Stellen besetzt werden können, für die Unternehmen oft keine passenden jungen Bewerber finden, und die „Silver Generation“ soll ihr über Jahrzehnte aufgebautes Know-how auch noch in der Pension in Firmen einbringen können. Mit WisR Entprise haben sie heuer zusätzlich einen neuen Online-Dienst kreiert, der Konzernen und KMU künftig dazu dienen soll, rasch und niederschwellig Personal- und Wissenslücken zu schließen. Senior-Experten, also in erster Linie bereits pensionierte Ex-Mitarbeiter, sollen sich freiwillig und kostenlos in dem Netzwerk ihr Wissen mittels Mentoring oder Beratung den aktuellen Mitarbeitern zur Verfügung stellen oder aber auch Jobs annehmen – etwa Karenzvertretungen, Projekt- oder Teilzeitarbeit, die ihr Unternehmen dort für sie ausschreiben.

Strategiewechsel beim Wiener Startup WisR

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