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Komplette Lieferkette

Studie: IT-Konzerne geben nicht alle verursachten Emissionen an

©pexels
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Große Unternehmen aus der IT-Software und Dienstleistungsbranche unterschlagen einen nicht unbedeutenden Anteil der von ihnen verursachten Emissionen in den eigenen Emissionsberichten. Das ist das Resümee einer Studie der Technischen Universität München (TUM). Diese haben die Berichte von 56 Technologieunternehmen untersucht. Dabei stießen sie auf eine Differenz von insgesamt 391 Megatonnen CO2e (Kohlendioxid-Equivalente), welche in den Berichten fehlen.

Als Hauptgrund für diese Differenz definierten die Forschenden vor allen Dingen fehlerhafte Angaben des Scope 3 nach dem internationalen Standard GHG-Protocol. Mit diesem werden Emissionen aus vor- und nachgelagerten Aktivitäten entlang der Wertschöpfungskette definiert. So fallen die direkten Emissionen aus eigenen Aktivitäten eines Unternehmens in den Scope 1 und die Emissionen aus eingekaufter Energie unter Scope 2. Scope 3 bildet dann die gesamte Lieferkette ab.

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Unzureichende Angaben in eigenen Berichten

Das Autor:innenteam der TUM stellte nun massive Abweichungen bei der standardisierten Quantifizierung von Scope-3-Emissionen der Unternehmen fest. In der Studie nennen die Forschenden dabei das Auslagern von Rechenkapazitäten auf Cloud-Dienstleister als Beispiel. Für die tatsächliche Ermittlung der Emissionen eines Unternehmens müssten also die Scope-1- und Scope-2-Emissionen der externen Dienstleister als Scope-3-Zahlen in die CO2-Bilanz der IT-Unternehmen mit einberechnet werden. Das wird in den öffentlichen Emissionsberichten teilweise aber nicht gemacht.

Co2 ITSS Unternehmen

CO2-Vergleichswerte von IT-Dienstleistungsunternehmen ©TUM/Claaßen, Stoll

CO2-Abdruck von IT-Hardware-Unternehmen

CO2-Angaben von IT-Hardware-Herstellern und -Ausrüstern ©TUM/ Claßen, SToll

Das Carbon Disclosure Project (CDP) erfragt regelmäßig die Unternehmenswerte und bereitete diese in einer internationalen Datenbank auf. Die Unternehmenswerte sind jedoch nicht öffentlich einsehbar, sondern nur das daraus resultierende Punktesystem. Das kritisieren die Forschenden, da so die Bewertung der Nachhaltigkeit der Unternehmen kaum bewertbar ist, wie auch das Onlinemagazin „t3n“ berichtet.

Außerdem verweisen die Studienautor:innen darauf, dass viele der von ihnen untersuchten Unternehmen in den Unternehmensberichten deutlich niedrigere Zahlen veröffentlichen, als sie beim CDP angeben. So würden in einigen öffentlichen Dokumenten die Scope-3-Emissionen sogar komplett fehlen.

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So veröffentlichte beispielsweise Googles Mutterkonzern Alphabet umfassende Kohlenstoff-Berichte, in welchen aber Daten fehlen, die nach internationalen Standards angegeben werden müssten, so die Forschenden. Auch die Berichte von IBM und SAP bewerteten die Expert:innen als mangelhaft. Zudem wurde in der Studie deutlich, dass IBM für verschiedene Zielgruppen die Berichte „unterschiedlich gehandhabt und berichtet“ hat, so die Forschenden.

Angaben zur Pflicht machen

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