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Lösung für Schifffahrt?

Statt Öl: Startup Reintrieb testet erfolgreich Wasser als Getriebeschmiermittel

Getriebetest mit Wasserschmierung an der Technischen Universität München © Reintrieb

Kann reines Wasser Öl einfach ersetzen? Das ist die Hoffnung des Österreich-deutschen Cleantech-Startups Reintrieb. Konkret soll reines Wasser als Schmiermittel für Getriebe fungieren und so Mineralöl ersetzten. Was sich zunächst utopisch anhört, wurde aktuell an der TU München (TUM) in mehreren Testserien getestet. 100 Prozent reines Wasser wurde als Schmiermittel für ein Hochleistungsgetriebe verwendet. Und das, wie Reintrieb aktuell bekannt gibt, mit Erfolg.

Spezielle Zahnräder gegen Rost

Ölgeschmierte Getriebe müssen oft gewartet werden. Andernfalls kann es passieren, dass Dichtungen durch Abnutzung lecken, Wasser, Feuchtigkeit oder Luft in die Getriebe kommen und es so zu Schäden, wie Zahnbrüchen oder Oberflächenausbrüchen kommt. Wird das Getriebe allerdings mit Wasser geschmiert, sind diese Herausforderungen hinfällig, so das Startup Reintrieb. 2016 gründete der Ingenieur Siegfried Lais gemeinsam mit den Brüdern Dominik und Vincent Cofalka das Startup mit Sitz in Wien und forschte an den Verwendungsmöglichkeiten von Wasser. Denn, dass das bisher nicht als Schmiermittel verwendet wurde, hat einige ganz naheliegende Gründe. Bereits in der Schule wird gelehrt, dass Metall durch Wasser rostet und so verschleißt. Das Startup hat daher in den letzten Jahren spezielle Zahnräder aus Hartmetall entwickelt. Damit soll das Problem umgangen werden können.

Getriebetest mit Wasserschmierung an der Technischen Universität München © Reintrieb
© Reintrieb

Getestet wurden diese jetzt in der Praxis an der TUM. Bei gleicher Leistung und Belastung, wie sie bei ölgeschmierten Getrieben aus einsatzgehärtetem Stahl auftreten, konnten die nur mit reinem Wasser geschmierten Hochleistungsbetriebe überzeugen. Laut Reintrieb sei ein solches Ergebnis bisher einmalig in der Ingenieurgeschichte. Getestet wurde ebenfalls der Betrieb mit Leitungswasser, Salzwasser und handelsüblichem destillierten Wasser. In weiterer Folge sollen nun noch genauer die Zusammenhänge zwischen Materialzusammensetzung, Getriebeauslegung und Umwelteinflüssen, wie etwa die Wasserqualität, für die Funktion und die Lebensdauer der Getriebe getestet werden.

Anwendung zu Land und im Wasser

Die Innovation der drei Gründer von Reintrieb könnte sich auf viele Bereiche auswirken. So könnte reines Wasser das Mineralöl in Getrieben sowohl an Land als auch zu Wasser ersetzen und so das Verschmutzen von Böden, Luft oder Gewässern verhindern. Auch betriebswirtschaftlich sieht das Startup für viele Bereiche viele Vorteile. Insbesondere in der Schifffahrt ist die Gefahr des Wassereintritts in die Getriebe hoch und führt zu teuren Betriebsunterbrechungen.  Ähnliches gilt bei Kraftwerken, Sperrwerken oder Schifffahrtsschleusen, bei Rohrleitungen oder Pipelines. Diese Probleme könnte die Nutzung von Wasser als Schmiermittel lösen. Auch in der in der Lebensmittel- oder in der Pharmaindustrie sieht das Startup Potenzial.

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Neben ihrer jetzigen Innovation will das Startup zukünftig auch an weiteren nachhaltigen Techniken forschen. Finanziell gefördert wird das Startup unter anderem im Horizon 2020 Programm der EU, dem Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).

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