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Markteintritt 2022

Startup MeaTech: Labor-Hühnerfett verwandelt pflanzliche Fleischalternativen zu Hybriden

Hybrid-Chicken Nuggets, welche zu 20 % aus kultivierten Hühnerfett bestehen ©MeaTech 3D
Hybrid-Chicken Nuggets, welche zu 20 % aus kultivierten Hühnerfett bestehen ©MeaTech 3D

Eigentlich liegen die Argumente gegen den Fleischkonsum auf der Hand. Trotzdem isst ein Großteil der Menschen in Österreich weiterhin regelmäßig Fleisch. So die Erkenntnisse des aktuellen Fleischatlasses (Tech & Nature berichtete). Auch wenn der Fleischkonsum in den letzten Jahren leicht zurückgegangen ist, hat doch jeder in Österreich 2019 durchschnittlich 93,8 Kilogramm Fleisch verbraucht. 62, 6 Kilogramm landeten davon auf dem Teller, der Rest, zumeist Schlachtabfälle, in Tierfutternäpfen.

Um die Nachfrage nach Fleisch in der Zukunft nachhaltiger bedienen zu können, wird momentan weltweit fieberhaft an der Kommerzialisierung von synthetischem Fleisch gearbeitet. Im Bereich Laborfleisch, auch In-Vitro Fleisch genannt, geht es im Moment Schlag auf Schlag. Im Dezember 2020 hat Singapur als erstes Land weltweit die Laborfleisch-Produkte des amerikanischen Lebensmittelhersteller Eat Just für den Verkauf freigegeben. Auch in Europa arbeiten einige Startups an der Entwicklung von wettbewerbsfähigen Laborfleischprodukten. Dabei liegt der Fokus zumeist auf ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. Während Eat Just in erster Instanz Chicken Nuggets aus dem Labor präsentiert und das Schweizer Clean Meat Startup Mirai Foods als erstes kultiviertes Rinderhackfleisch auf den Markt bringen will, arbeitet das israelische Startup MeaTech 3D mit der belgischen Tochtergesellschaft Peace of Meat unter anderem an kultiviertem Hühnerfett. Den Plänen des Startups nach, soll dieses zukünftig als weitere Zutat rein pflanzliche Fleischalternativen komplementieren.

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Wettbewerbsfähigkeit von Fleischalternativen steigern

MeaTech 3D arbeitet seit 2019 an Technologien zum Herstellen von kultiviertem Fleisch. Seit Anfang 2021 ist das belgische Startup Peace of Meat eine Tochtergesellschaft des israelischen Unternehmens. Diese bringen die Expertise und die Technologien für die Produktion von zellbasiertem Hühnerfett mit. Damit soll nun als erstes der Markteintritt geschafft werden. Das kultivierte Hühnerfett soll rein pflanzliche Fleischalternativen „veredeln“, welche somit zu einem Hybrid aus pflanzlichen und kultivierten Fleischzutaten werden. Dadurch werden die bisher rein pflanzlichen Produkte noch wettbewerbsfähiger, hofft das Unternehmen. Die CEO von MeaTech 3D, Sharon Fima: „Wir glauben, dass unser kultiviertes Fett ein äußerst vielversprechender Zusatzstoff ist, der potenziell den Geschmack, die Textur und das Mundgefühl von pflanzlichen Fleischalternativen verbessern kann, was unserer Meinung nach das Marktwachstum weiter vorantreiben kann.“

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Pilotanlage in Belgien geplant

Bereits 2022 soll das kultivierte Hühnerfett in großem Maßstab produziert werden. Dafür gab MeaTech 3D nun die Bauabsicht für eine Pilotanlage in Belgien begannt. Mit dieser sollen primär potenzielle Kunden erreicht werden, so das Startup. Angeboten werden sollen zukünftig für B2B-Kunden „die Lizenzierung des geistigen Eigentums rund um die kultivierten Hühnerfett-Technologien, einschließlich Zelllinien, Bioprozesse und nachgelagerte Technologien“. Die Pilotanlage dient dabei der Demonstration der Technologien, so Dirk von Heinrichshorst, CEO und Mitbegründer von Peace of Meat: „Wir glauben, dass wir damit B2B-Kunden, die kultivierte Zutaten in ihre Produkte aufnehmen wollen, einen voll funktionsfähigen Produktionsprozess demonstrieren können. Wir glauben, dass die Pilotanlage ein Modell für zukünftige Produktionsanlagen im größeren Maßstab sein kann.“

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Dabei soll es aber nicht bleiben. Neben dem Hühnerfett will das Unternehmen auch andere Fleischprodukte aus dem Labor produzieren und in den nächsten Jahren auf den Markt bringen. Wie der Name des Startups bereits vermuten lässt, arbeiteten an auch an 3D-Bioprinting-Technologien. So will MeaTech 3D in der Zukunft kultivierte Fleischprodukte, wie Steak oder Hühnerbrust, produzieren, welche zuvor mittels 3D-Druck in die „richtige“ Form gedruckt werden. Diese 3D-Bioprinting-Technologien sollen in weiter Folge ebenfalls in die Pilotanlage mit eingebaut werden.

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