Semina: Grazer haben eine Kochstelle für Entwicklungsländer erfunden, die sich selbst finanziert

Sara Grasel - 19 Feb 2020

Der neueste Prototyp des Ofens von Semina besteht aus einer Kochkammer oben und einem Smart Meter unten © Semina

In Ostafrika wird zum größten Teil auf offenem Feuer gekocht. „Die Kochstellen werden überdacht, der Rauch sammelt sich im Raum, man kann kaum mehr atmen“, beschreibt Michael Keinrath die Bedingungen. Er selbst hat sich damit zu beschäftigen begonnen, als ihn vor vier Jahren ein Projekt einer österreichischen NGO nach Tansania führte. Seither hat ihn das Problem nicht mehr losgelassen und nun steht er kurz vor der Gründung seiner eigenen Firma. Unter dem Namen Semina hat er gemeinsam mit Simon Brockmeier eine Kochstelle entwickelt, die nicht nur weniger Rauch produziert, sondern Benutzern auch ein Einkommen sichert.

Weniger Rauch, bessere Luft

Der Ofen besteht aus Blech und kann mit einfachen Werkzeugen lokal produziert werden. Das Startup steuert ein Modul bei, das die Kochstelle zusätzlich „smart“ macht und so die Effizienz steigert: „Wir steuern über Sensoren und den Ventilator die Luftzufuhr und regulieren damit die Verbrennung“, erklärt Keinrath. Dadurch werden Brennstoffe gespart und auch der Rauch reduziert und damit die Luftqualität erhöht und der CO2-Ausstoß reduziert. Der Semina-Gründer kann sich vorstellen, die Daten in Zukunft auch an Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation WHO zu verkaufen.

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So sahen die ersten Öfen aus, die Semina in Afrika herstellte © Semina

So sahen die ersten Öfen aus, die Semina in Afrika herstellte © Semina

Mit dem Ofen Geld verdienen

Der Ofen soll für Menschen in Ostafrika leistbar sein und so hat sich das Jungunternehmen auch ein innovatives Finanzierungsmodell einfallen lassen. Die Kochstelle wird mit Biomasse wie Holz oder Landwirtschaftsabfällen beheizt. Dabei entsteht Kohle, die die Nutzer wiederum verkaufen können. Aus 3 Kilogramm Biomasse wird so 1 Kilogramm Bio-Kohle. Damit könne man pro Jahr bis zu 160 Dollar verdienen, schätzt Keinrath: „Kohle ist ein Milliardenmarkt in Ostafrika“.

Das Startup baut mobile Werkstätten in Containern, die lokal aufgestellt werden sollen. Dort bauen Einheimische nach einer Einschulung die Öfen – lediglich die „smarte“ Komponente wird von Semina zugeliefert – und verkaufen sie um etwa 5 Dollar pro Stück. Der Rest der Produktionskosten soll über die durch die Öfen produzierte Kohle abbezahlt werden – Semina schätzt, dass das etwa vier bis sieben Monate dauert. Danach bleiben die Einnahmen aus dem Kohleverkauf bei den Besitzern.

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CO2-Zertifikate verkaufen

Durch das eingebaute Smart Meter kann laut Keinrath außerdem exakt gemessen werden, wieviel Brennstoff verbraucht wurde und damit auch, wieviel CO2 im Vergleich zu herkömmlichen Kochstellen eingespart wurde. Das macht Semina zusätzlich interessant für CO2-Kompensationsprogramme. Das Geld für die Zertifikate soll ebenfalls direkt an die Besitzer der Öfen fließen – etwa 120 Dollar pro Jahr, schätzt Keinrath. Semina selbst will sich über eine Kommission von 5 Prozent auf den Kohleverkauf und den Zertifikateverkauf finanzieren.

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Mit drei Prototypen hat das Grazer Jungunternehmen nun etwa ein Jahr lang den Ofen getestet und perfektioniert und die erste Werkstätte ist auch demnächst startklar. Mit dem Preisgeld des TUN-Awards von Magenta konnten die letzten zwei Maschinen finanziert werden und ab Sommer sollen in der ersten Werkstätte in Uganda Kochstellen hergestellt und verkauft werden. Derzeit ist die mobile Werkstatt mit rein mechanischen Maschinen bestückt und hat damit eine Produktionskapazität von etwa 2.000 Öfen pro Jahr. Laut dem Jungunternehmer könnte diese Kapazität auf bis zu 14.000 Stückgesteigert werden, wenn elektrische Geräte zum Einsatz kommen. In Zukunft sollen die Werkstätten nach dem Franchise-Prinzip aufgebaut werden.

Hinter dem Text

Sara Grasel

Sara Grasel ist erfahrene Wirtschaftsjournalistin, leidenschaftliche Schreiberin und Chefredakteurin von Tech & Nature.

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