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E-Auto aufgeladen

Schottischer Erfinder gewinnt mit fliegenden Windturbinen Energie

© Windswept and Interesting Limited
© Windswept and Interesting Limited

Im Herbst einen Drachen steigen zu lassen, der vom Wind in weite Höhen getragen wird – daran können sich viele aus ihrer Kindheit noch erinnern. Doch ein schottischer Tüftler dachte sich, dass das nicht nur ein großer Spaß ist, sondern auch ein möglicher Weg, um Energie zu gewinnen. Schon seit mehr als einem Jahrzehnt arbeitet Roderick Read unter dem Firmennamen „Windswept and Interesting Limited“ an Windturbinen, die wie Drachen funktionieren.

„Eine fliegende Windturbine ist im Prinzip nur ein Lenkdrache, also mehrere Drachen, die sich im Kreis drehen. Und ein Generator am Boden, der die Drehung in Elektrizität umwandelt“, erklärt Roderick Read gegenüber der BBC. Der gelernte Elektroingenieur arbeitet von zuhause aus auf der Isle of Lewis, eine Region auf der nördlichste Insel der Äußeren Hebriden in Schottland, weit oben in Großbritannien. Wind gibt es für den Tüftler dort genug. Frühe Prototypen seiner Windturbinen entwickelte Read laut BBC auf dem Dachboden seines Hauses. Für seine Konstruktionen nutzte er alles von aufblasbaren Trampolinen und Stranddrachen bis hin zu Fahrrädern.

Skalierbare Technologie

Laut eigenen Angaben haben die von Read entwickelten Drachenturbinen viele Vorteile. Da sie einen geringeren Luftwiderstand haben, seien sie energieeffizienter als andere Windkraftanlagen in der Luft. Ein Prototyp wiegt nur rund zwei Kilogramm, bei einer Leistung von 1,5 Kilowatt. Zudem sind sie sicher im Betrieb, da sie aus leichtem Material bestehen und Bestandteile so vernetzt sind, dass sie nicht frei umherfliegen können.

Laut Read können die Windturbinen auch im größeren Maßstab eingesetzt werden. „Sie können so skaliert werden, dass sie große Bereiche des Himmels überstreichen und auf diese Weise wirklich leistungsstark sind. Und sie erzeugen billigeren Strom, da sie sehr leichte Systeme verwenden und somit die Energiekosten wesentlich weniger beeinflussen“, so der Erfinder im BBC-Interview.

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Windturbinen laden E-Auto auf

Das Entwickeln und Testen der Windturbinen dokumentiert Read mit seinem Team auf YouTube. Zudem bieten sie über GitHub Anleitungen an, wie Leute selbst Windturbinen basteln können. Laut den Angaben auf der Website wurde das Patent zu den Windturbinen mittlerweile veröffentlicht. Wie gut sich mit den Windturbinen Energie gewinnen lässt, hat Read bereits erfolgreich getestet. Mit einem seiner Protoypen hat er bereits ein E-Auto komplett aufgeladen. Dabei hatte er laut der BBC immer noch genug Strom, um Wasser für Tee aufzukochen.

Laut seiner Website baut Read derzeit Kooperationen mit der Industrie auf. Sie bereiten die Entwicklung eines automatisierten 10-Kilowatt-Systems vor, um die Skalierbarkeit und das Offshore-Potenzial der Windturbinen zu untersuchen. Im Dauerbetrieb, so Read, könnten die Drachen genug Energie generieren, um ein durchschnittliches Haus zu versorgen. So schaffen Drachen künftig vielleicht nicht nur Kindheitserinnerungen, sondern auch Strom.

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