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Agrar-Photovoltaik

Schafe, Ackerbau & erneuerbare Energien vereint: Österreichs größte Solaranlage startet in Wien

Österreichs große PV-Anlage wurde eingeweiht © Tech & Nature
Österreichs große PV-Anlage wurde eingeweiht © Tech & Nature

Anfang des Jahres hat die Stadt Wien eine große Solaroffensive angekündigt. Bis 2040 will die Stadt klimaneutral sein und dafür sich zu einer „Klimamusterstadt“ verwandeln. Ein Schritt in die geplante Richtung wurde nun Anfang März begangen. Umgeben von weiter Ackerfläche, grauem Nebel und 25.626 Photovoltaik-Modulen weihten unter anderem Wiens Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky, Wiens Stadtrat Peter Hanke, Energiesprecher der NEOS, Stefan Gara und der Geschäftsführer von Wien Energie, Michael Strebl die nach eigenen Angaben größte Photovoltaik-Anlage Österreichs in Wien Donaustadt ein. Das Besondere: Neben der Produktion von Solarenergie, ist ebenfalls Ackerbau auf der großen Fläche geplant. Als natürliche Rasenmäher werden Schafe auf der Anlage weiden. So soll die Fläche optimal genutzt werden.

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Strom für 4.900 Haushalte

Auf einer Fläche von 12,5 Hektar sollen zukünftig 12 Gigawattstunden jährlich für 4.900 Haushalte mit der 11,45 Megawatt-Anlage produziert werden. Neben den bekannten horizontalen Photovoltaik-Modulen, wurden auf der Fläche auch 400 vertikale,  „bifiaziale“, also doppelseitige, Module errichtet. So ist es möglich von beiden Seiten die Solarenergie aufzufangen und der Weg ist trotzdem breit genug, für einen Traktor. Damit will Wien seinem Ziel der Klimaneutralität bis 2040 einen großen Schritt näher kommen, so Czernohorszky: „Das Öko-Kraftwerk Schafflerhofstraße ist ein wichtiger Baustein, um die Stadt in Zukunft mit 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien zu versorgen.“

400 vertikale PV-Moduale ermöglichen Ackerbau auf der Anlage © Tech & Nature
400 vertikale PV-Moduale ermöglichen Ackerbau auf der Anlage © Tech & Nature

Selbe Stromnetz wie Wien Energie-Windpark Andlersdorf

Die Gegebenheiten um den zukünftigen Solarstrom aus der großen PV-Anlage auch in Wiens Stromnetz einzuspeisen, sind durch den Wien Energie-Windpark Andlersdorf bereits gegeben. Laut Wien Energie, werden Solar- und Windenergie selten gleichzeitig generiert und so können beide Kraftwerke bei Vollbetrieb laufen, ohne das eine Überlastung des Stromnetzes zu fürchten sei. Als Teil eines Hybrid-Kraftwerkes sind beide Kraftwerke mit der selben Stromleitung vernetzt.  Sollte es doch zu einer Überproduktion von erneuerbaren Energien kommen, soll ab dem Sommer ein Puffer-Stromspeicher in Betrieb genommen werden, der die Solarenergie zunächst zwischen speichert und zu einem späteren Zeitpunkt ins Stromnetz einspeist, so die Angaben der Wien Energie.

Auf einem ehemaligen Schotterhof wird zukünftig Solarenergie erzeugt ©Wien Energie
Auf einer ehemaligen Schotterdeponie wird zukünftig Solarenergie erzeugt ©Wien Energie

Anlage ist „schafsicher“

Als großes Agrar-Photovoltaik Projekt, wird in den nächsten Jahren außerdem in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur Wien untersucht, wie sich die Landwirtschaft und die Solarenergieproduktion ergänzen können. Bereits ab dem Sommer sollen zwischen den horizontalen Photovoltaik-Anlagen 100 – 150 Juraschafe grasen und so den Rasen kurz halten. Dafür wurde laut Julia Wenin, Mitarbeiterin des PV-Projekt Entwicklungsteams, bereits vor Errichtung der PV-Module entsprechendes Saatgut eingesät, welches den Schafen die nötige Nahrungsgrundlage bietet. Die Anlage ist außerdem „schafsicher“ erbaut. So sind die Verkabelungen der Anlage „beissicher“ und die weitere Elektronik sicher verbaut.

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Ackerbau ist Teil von Forschungsprojekt

In Zukunft soll außerdem auch Ackerbau auf der Anlagefläche betrieben werden. Das allerdings nicht auf der selben Fläche, wo auch die Schafe weiden, sondern zwischen den vertikalen PV-Modulen. 2021 wird aber noch nichts zu ernten seien. Laut Wenin, werden heuer zunächst Bodenanalysen durchgeführt und die Praktikabilität der Bewirtschaftung für den Bauern unter den täglichen Anforderungen getestet. Ab dem nächsten Jahr werden dann die ersten Ertragsanalysen durchgeführt und so erforscht, wie sich die Erträge der Pflanzen von anderen Anbauflächen unterscheiden. Was genau auf der Fläche angebaut wird, ist heute allerdings noch nicht bekannt.

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