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Runder Tisch: Pfand auf Einwegflaschen sorgt für Diskussionen

Symbolbild. © Karl Allen Lugmayer / Pixabay
Symbolbild. © Karl Allen Lugmayer / Pixabay

Geht es nach den EU-Staaten, sollen mindestens 90 Prozent der Kunststoffgetränkeflaschen nicht im Restmüll oder in der Umwelt landen. Sie sollen für ein weiteres Recycling gesammelt werden. Gerade das Pfand auf Einwegflaschen wird in Österreich aber weiterhin heiß diskutiert.

Derzeit liege die Sammelquote für Getränkeflaschen bei rund 70 Prozent, schreibt die ARGE österreichischer Abfallwirtschaftsverbände in einer Presseaussendung. ARGE-Präsident Anton Kasser steht dem Einwegpfand positiv gegenüber: „Um dieses Ziel (90 Prozent, Anm.) zu erreichen, haben die Autoren einer Studie angeführt, dass ein Einwegpfand sowohl für Umwelt als auch für die Umweltfolgekosten die herausragende Variante ist.“

Die EU lege klar fest, dass die Kosten des achtlos weggeworfenen Mülls „in Hinkunft von den Herstellern übernommen werden müssen“. Die von Umweltministerin Gewessler  eingesetzte Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung einer Einwegpfandlösung auf Plastikverpackungen sei dabei ein „wesentlicher Beitrag zu einer funktionierenden Abfallwirtschaft und Kostenwahrheit von Umweltfolgekosten“. Die Abfälle würden im Recyclingkreislauf bleiben und Umweltschäden damit vermieden werden.

Auch Bevölkerung für Pfand

Kasser rechnet vor: Das Pfand bringt nach den Erfahrungen von 150 Mio. Einwohnern in zehn EU-Mitgliedsstaaten zumindest 80 % der eingesetzten Materialien wieder zurück. Das achtlose Wegwerfen von Verpackungsabfällen wird auf ein Fünftel reduziert. Für die kommunalen Abfallverbände ist damit klar: Ein Pfandsystem, auch in Österreich, ist ein Gewinn für die gesamte Abfallwirtschaft und spart Umweltfolgekosten. Eine PET-Flasche wird beim Recycling nur 1,3 mal benutzt, während eine Glas-Mehrwegflasche zwischen 30 und 50 mal verwendet wird“. Darüber hinaus spreche sich auch die Bevölkerung nach einer Gallup-Umfrage für Pfand auf Einweggetränkeflaschen aus.

WKÖ: „Aus für kleine Händler“

Natürlich gibt es aber auch Gegenstimmen. Die kommen beispielsweise von der WKÖ, genauer von Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel. Ein Einwegpfand würde für viele kleine Händler in Österreich das Aus bedeuten: „Die Einführung eines Einwegpfandes würde nämlich bedeuten, dass Händler für jede Getränkeflasche – egal, ob Einweg oder Mehrweg – ein Pfand einheben müssen. Die Ausgaben dafür wären einfach zu hoch. Einerseits ist der technische Aufwand für die Händlerinnen und Händler immens, andererseits steigen dadurch die Personalkosten für die Abwicklung.”

Von der Idee, kleine Geschäfte von der Pfandpflicht zu befreien, hält er nichts. „Denkt man diese Variante weiter, wird nämlich Folgendes klar: Die Konsumenten werden dann nur mehr dort einkaufen, wo sie das Einwegpfand auch einlösen können. Anders ausgedrückt: Die kleinen Geschäfte verlieren Kundenfrequenz und Umsatz. „

SPÖ und ARA zufrieden mit Startschuss

Die SPÖ hingegen begrüßt „die Ankündigung von Umweltministerin Gewessler […], dass ein Konzept ausgearbeitet werden soll, wie ein Pfand-System für Österreich ausschauen könnte“. SPÖ-Umweltsprecherin Julia Herr: „Das jahrzehntelange Nichtstun der ÖVP, die bestehende Mehrweg-Quoten sogar herabgesetzt hat, rächt sich; die für die Umwelt schlechteste Getränkeverpackung – die Einwegplastikflasche – wurde zur Norm. Es ist höchst an der Zeit, endlich eine Kursänderung in Richtung Mehrwegquoten und Pfandsysteme einzuleiten“.

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch die ARA (Altstoff Recycling Austria AG), die den bereits abgehaltenen Runden Tisch zum Thema ebenfalls positiv sieht. ARA-VOrstand Christoph Scharff erhofft sich viel von der „faktenbasierten Evaluierung aller Möglichkeiten“ und fordert Visionen: „Es braucht einen visionären Blick auf die gesamte Kreislaufwirtschaft. Nur dann kann Österreich seine Spitzenposition im Recycling halten und Vorreiter im Klimaschutz werden“.

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