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Dein altes Handy kann den Regenwald retten

Urwald, Regenwald, Wald, Natur
© Photo by Ben Watts on Unsplash

12 Millionen Hektar Regenwald sind 2018 durch legale und illegale Rodungen und Waldbrände verloren gegangen. Diese besorgniserregende Zahl hat Global Forest Watch (GFW) mit Unterstützung der Universität Maryland aus Satellitenbildern ermittelt.

NGOs und lokale Gruppen versuchen illegale Holzfäller vor Ort zu stoppen, meist kommen sie aber zu spät: „Als ich 2011 in Indonesien war, habe ich festgestellt, dass eine NGO vor Ort eine Menge Probleme hatte, auch nur einen kleinen Teil vor illegalen Abholzungen zu beschützen“, sagt Topher White im Gespräch mit Tech & Nature. Er hat das US-Startup „Rainforest Connection“ gegründet, um das zu ändern.

Künstliche Intelligenz erkennt illegale Rodung

Die Idee: Alte Handys dienen als günstige Überwachungsgeräte in den Wäldern. Die Geräte montiert das Team direkt an Bäumen und Solarzellen sorgen für die Energieversorgung. Die Tonspur wird in Echtzeit von einer Künstlichen Intelligenz ausgewertet, die Alarm schlägt, sobald verdächtige Geräusche aufgezeichnet wurden.

So sehen die alten Handys mit Solarzellen von Rainforest Connection aus © Rainforest Connection
So sehen die alten Handys mit Solarzellen von Rainforest Connection aus © Rainforest Connection

„Der Regenwald ist ein wirklich lauter Ort, aber der Lärm kann von einer Künstlichen Intelligenz wunderbar analysiert werden. AI erkennt die Geräusche von Kettensägen und Äxten auch in einer sehr lauten Umgebung“, erklärt White. „Dann können wir lokale Gruppen vor Ort oder NGOs alarmieren und die stoppen die Holzfäller. Das funktioniert auf der ganzen Welt ziemlich gut“.

2.500 Quadratkilometer Wald gerettet

White hat „Rainforest Connection“ 2012 gegründet und mittlerweile laut eigener Angaben rund 2.500 Quadratkilometer Wald gerettet. „In den kommenden Jahren werden es weitere 6.000 Quadratkilometer sein. Das sind etwa 400 Millionen Bäume. Das entspricht in etwa dem Impact, den es hätte, würde man 30 Millionen Autos von der Straße holen“, meint der Jungunternehmer. Das Startup selbst arbeitet nicht profitorientiert und ist auf Spenden angewiesen. „Die Finanzierung ist ein schwieriges Thema“, erzählt White. Bisher habe man sich mit Förderungen und „großzügigen Spendern“ über Wasser gehalten.

Huawei unterstützt bei Entwicklung

Seit einem halben Jahr wird die Initiative außerdem von dem chinesischen Smartphone-Hersteller Huawei unterstützt. „Huawei ist an uns herangetreten. Wir verwenden ihre Geräte seit Jahren, was sie lange Zeit nicht wussten“. Mittlerweile unterstützt der chinesische Konzern das Startup auch bei der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. „Sie haben uns geholfen, die KI-Modelle zur Erkennung von Motorsägen zu verbessern und neue Modelle zur Erkennung von Klammeraffen und anderen Arten entwickelt“.

Neue Technologien können so einen wertvollen Beitrag leisten, um die sensiblen Ökosysteme in Urwäldern besser zu verstehen, ist der Unternehmer überzeugt. „Wir können lernen, wie unterschiedliche Tiere miteinander agieren und wie sie zum Beispiel auf Gefahren reagieren“.

Mit Bioakustik dem Artensterben auf der Spur

Die dafür notwendige Hardware wird immer billiger und eröffnet somit mit „Bioakustik“ ganz neue Möglichkeiten der Umweltforschung. Der Spezial-Rekorder AudioMoth, kleiner als eine Packung Taschentücher, kostet heute rund 70 Dollar und kann sogar Geräusche im Ultraschall-Bereich aufzeichnen.  Das ist vor allem bei der Tierbeobachtung relevant, denn die Tierwelt bleibt den wachsamen Augen der Satellitenbildüberwachung im Gegensatz zur Pflanzenwelt völlig verborgen.

Sieve Analytics aus Puerto Rico ist ein anderes Startup, das sich genau diesem Problem widmet. Mit günstigen Geräten überwachen sie ebenfalls Urwaldgeräusche und haben eine Künstliche Intelligenz entwickelt, die auf Tiergeräusche spezialisiert ist. Das hilft Forschern beispielsweise, die Population gefährdeter Tierarten zu überwachen und wertvolle Daten zum Artensterben zu sammeln.

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