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Post Carbon Lab: Unsere Shirts könnten bald CO2 aus der Luft filtern

Dian-Jen Lin vom Post Carbon Lab. © Post Carbon Lab
Dian-Jen Lin vom Post Carbon Lab. © Post Carbon Lab

Carbon Capture ist ein echtes Trend-Thema. Immer mehr Startups, darunter etwa Carbfix aus Island oder Climeworks aus der Schweiz, arbeiten an Technologien, um das problematische CO2 aus der Luft zu filtern. Das Post Carbon Lab (PCL) schlägt in eine ähnliche Kerbe – auch wenn man die Reduktion des menschlichen CO2-Fußabdrucks auf eine viel persönlichere Art und Weise schaffen will als mit industriellen Großanlagen.

Der Clou: Dian-Jen Lin und Hannes Hulstaert vom Post Carbon Lab aus London will es schaffen, dass unsere Kleidung selbst imstande ist, CO2 aus der Luft zu filtern – und damit so mit jedem Schritt im Alltag ein wenig zur Bekämpfung der Klimakrise beiträgt. Die Idee ist simpel wie genial: Lin will die Oberfläche von Stoffen mit Algen überziehen, die auf der Oberfläche wachsen und leben. Die nützlichen Organismen nehmen dann, wie auch sonst, Kohlendioxid auf und produzieren Sauerstoff. Pro Shirt muss man mit Kosten zwischen 50 und 100 Euro rechnen.

Wie ein kleiner Baum

Ein T-Shirt, das etwa ein Quadratmeter Stoff entspricht, könnte während seiner Lebenszeit unter optimalen Bedingungen so viel Sauerstoff produzieren wie ein etwa sechs Jahre junger Baum. Der Vorteil wäre, dass die Algen auf der Kleidung viel schneller wachsen als ein Baum. Groß gedacht, gibt es Milliarden Quadratmetern an frei verfügbarer für die Algen – nämlich unser aller Alltagskleidung. Und natürlich könnten auch Vorhänge, Regenschirme oder ganze Fassaden mit den Algen bedeckt werden.

Fragt sich natürlich, wie diese CO2-verarbeitende Fashion gepflegt werden muss. Natürlich anders als herkömmliche Shirts, denn die Algen müssen ja am Leben erhalten werden. Sie brauchen tägliche Bewässerung und bedürfen der Handwäsche in einem pH-neutralen Waschmittel – mit Waschmaschine ist hier nichts. Insgesamt befindet sich das Projekt in der Prototypen-Phase – noch geht es vor allem darum, einen möglichst umweltschonenden Weg zu finden, die Kleidung auch herzustellen, und zwar im großen Maßstab.

Aufwendige Produktion

Das es funktioniert, hat das Post Carbon Lab bereits bewiesen. Im Rahmen der Paris Fashion Week, die vor kurzem über die Bühne ging, hat das Post Carbon Lab gemeinsam mit dem Mode-Label EGONlab, einer aufstrebenden französischen Mode-Marke, gezeigt. Gemeinsam hat man neben „lebenden“ T-Shirts eine Bomberjacke und einen Trenchcoat vorgestellt. „Fast Fashion“ ist das nicht: Die Produktion mittels eines mikrobiellen Prozesses dauerte mehr als sieben Wochen. Denn die Algen mussten eben auf den Oberflächen gezüchtet werden.

„Wir haben mit EGONlab zusammengearbeitet, um die für die Modekollektion verwendeten Materialien mit unseren mikrobiologischen Verfahren zu behandeln. Dabei handelt es sich um eine lebende Algenbeschichtung, die aus Schichten von photosynthetischen Mikroorganismen besteht, die Kohlendioxid in Sauerstoff umwandeln können. Alles in allem dauerte der Beschichtungsprozess zwischen sieben und zehn Wochen“, so die Post Carbon Lab-Gründer.

 

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