Ankündigung

Gegen Plastikflut: Umweltministerin drängt auf Pfandsystem und Mehrweg-Quote

© Nick Fewings on Unsplash
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Zehn Länder in Europa, darunter Deutschland, die Niederlande oder Kroatien, haben bereits Pfandsysteme eingeführt, neun weitere werden solche Systeme in den nächsten Jahren umsetzen. Österreich ist auf der Landkarte noch ein weißer Fleck. Doch Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) will das ändern. Nachdem dieses Jahr bereits eine große Diskussion über das Für und Wider eines Pfandsystems für Einweg- und Mehrwegflaschen ausgebrochen ist, hat die Ministerin nun folgenden Plan gefasst.

3 geplante Maßnahmen

Die grüne Umweltministerin will nun folgende Punkte in Österreich umsetzen:

1. Quoten für Mehrweggetränkeverpackungen

Im Handel soll es gesetzlich verbindliche Quoten Mehrweg bei Getränkeverpackungen geben – also in erster Linie Glasflaschen. Bis 2023 sollen der Anteil von Mehrweg auf mindestens 25 Prozent gehoben werden, bis 2025 auf mindestens 40 Prozent und 2030 auf mindestens 55 Prozent. So könnte nach und nach der Anteil der Einwegflaschen zurückgedrängt werden.

Einige Unternehmen in Österreich sind bereits offen für Mehrwegflaschen und haben wie berichtet bereits öffentlich ein Pfandsystem für Mehrweg gefordert. In einer neuen Allianz für ein Mehrwegsystem sprechen sich auch Spar, Berglandmilch, Egger Getränke und das Boutiquehotel Stadthalle gemeinsam mit Greenpeace Österreich für den Ausbau von Mehrwegsystemen aus.

Unternehmen fordern jetzt ein Pfandsystem mit Mehrwegflaschen

2. Pfand für Einwegverpackungen

Teil zwei des Plans zur Bekämpfung der Plastikflut sieht ein Pfandsystem für Einwegverpackungen vor, und zwar sowohl für Plastikflaschen als auch für Dosen. Wie dieses konkret aussehen wird, ist noch nicht wirklich klar. Verhandelt werden soll mit Getränkeherstellern, Sammel- und Verwertungssystemen, dem Handel, Entsorgern und der Zivilgesellschaft.

Gegner der Idee gibt es: Die Wirtschaftskammer etwa befürchtet, dass ein Einwegpfand würde für viele kleine Händler in Österreich das Aus bedeuten könnte. Denn die Kosten für die Einführung eines Pfandsystems (Geräte, Lager, Logistik, Personal etc.) seien sehr hoch.

Wirtschaftskammer spricht sich gegen Pfand auf Plastikflaschen aus

3. Abgabe für Hersteller von Plastikverpackungen

Um es auch für die Produzenten und Importeure von Plastikverpackungen unattraktiv zu machen, die Praxis weiter zu verfolgen, plant Gewessler eine Abgabe von durchschnittlich 80 Cent pro Kilogramm für in Umlauf gebrachter Plastikverpackungen. Diese Abgabe soll gestaffelt sein. Je höher der Wiederverwertungsgrad der Plastikverpackungen, desto geringer soll die Abgabe ausfallen.

Zum Status quo

Heute werden in Österreich nur 19 Prozent aller Getränke in Pfandflaschen abgefüllt – bestes Beispiel ist Bier. 1995 waren es noch 80 Prozent, weil es damals noch eine gesetzlich verbindliche Mehrwegquote gab. Diese fiel dann später wieder weg, und die Plastikmüllberge sind seither ordentlich gewachsen. heute machen Verpackungen etwa ein Drittel des Plastikmülls in Österreich aus.

Hintergrund der neuen Bestrebungen sind Maßnahmen der EU, die ab 2021 greifen. Dann soll es eine Abgabe auf nicht recycelte Kunststoffverpackungen geben, die 80 Cent pro Kilogramm betragen. Diese Plastiksteuer wird dem österreichischen Steuerzahler 160 bis 180 Millionen Euro pro Jahr kosten. In Österreich fallen jährlich rund 900.000 Tonnen Plastikabfall an. Nur 25 Prozent davon werden recycelt, der Rest wird verbrannt.

Plastikmüll kostet Österreich bald 80 Cent pro Kilogramm

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