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PhytonIQ: Regionales Gemüse aus dem Hightech-Labor in Oberwart

Wasabi aus dem Burgenland © PhytonIQ
Wasabi aus dem Burgenland © PhytonIQ

Wasabi ist schwer zu kultivieren und war lange als Wurzel in Österreich auch gar nicht so leicht erhältlich. Zwei Jahre braucht die Pflanze, um zu wachsen – ein langer Zeitraum, in dem viel schief gehen kann. Die Wurzel ist eigentlich in Japan heimisch, seit 2017 wächst sie aber auch in Österreich und zwar unter streng kontrollierten Bedingungen in einer der am weitesten entwickelten Indoor-Farmen der Welt.

Eine Farm auf acht Etagen

Das Labor von PhytonIQ steht im burgenländischen Oberwart. Auf acht Etagen und insgesamt 2.300 Quadratmetern Produktionsfläche wächst Spezialgemüse: „Wasabi ist sehr herausfordernd, aber das lieben wir“, sagt Eszter Simon, Mitgebründerin und Chefin der Firma. 10.000 Wasabis werden derzeit im Burgenland angebaut, dazu kommt mittlerweile auch Safran, aber eigentlich geht es den Gründern nicht um Nischenprodukte. „Unser Traum: Überall auf der Welt gesunde Lebensmittel zu produzieren und den Menschen eine Möglichkeit zu geben, Pflanzen selbst zu produzieren – unabhängig von Lage und Klima“, sagt Simon.

Licht und perfektes Klima

Auch die Frische von Lebensmitteln gewinnt eine neue Bedeutung: „Wir planen also unsere Ernten so, dass Kunden, die beispielsweise um sechs Uhr am Abend frischen Salat haben möchten, Salat bekommen, den wir erst um drei Uhr nachmittags ernten“. Durch eine Produktion, die exakt auf die Nachfrage abgestimmt ist und unter optimalen Bedingungen geschieht, vermeide PhytonIQ zudem Lebensmittelmüll. „Licht und perfektes Klima, das ist der Trick“, erklärt die Unternehmenschefin. „Wir haben keinerlei Pestizide, Herbizide oder Fungizide im System, verwenden nur gereinigtes Wasser und Standard-Düngemittel“.

Gegründet hat Simon PhytonIQ 2017 gemeinsam mit Martin Parapatits. „Wir wollten eine universelle Lösungen finden, ein System entwickeln, das sich an jede Pflanze anpasst. Irgendwann haben wir dann erkannt, dass wir das selbst entwickeln müssen“. Dieses System treibt andere Indoor-Farm-Anbieter mittlerweile vor sich her. Sowohl von der technischen als auch der pflanzlichen Seite her sei man weltweit führend. „Was wir anders machen ist Folgendes: Wir machen alles „food grade“, also sind alle unsere Pflanzen für den direkten Lebensmittelkontakt geeignet. Alles was wir produzieren, produzieren wir essfertig“, so Simon.

Automatisierung, virtuelle Realität und Sensorik

Dabei geht es nicht nur um den perfekten Mix aus Licht, Wasser und Nähstoffen. Die Indoor-Farmen von PhytonIQ sind Hightech-Labors. Gemeinsam mit Forschern der Fachhochschule Burgenland arbeitet die Firma derzeit an der Weiterentwicklung dieses Systems. „Wir arbeiten mit der FH an der Weiterentwicklung der Technik in Richtung Automatisierung und Robotik“, so Simon. „Durch VR und Sensorik könnte beispielsweise automatische Krankheitserkennung möglich werden. Mehr Digitalisierung, mehr Automatisierung – das ist das Ziel des Projekts“.

Großbäume wären nicht wirtschaftlich

für Indoor-Farming gebe es eigentlich keine Grenzen, meint die Expertin. „Alles ist möglich, jede Art von Pflanze kann kultiviert werden. Die Frage ist nur, ob es wirtschaftlich ist. Großbäume beispielsweise sind einfach nicht wirtschaftlich, da macht das wenig Sinn. Aber möglich ist eigentlich alles“.

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