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Studie

Oxfam: Exzessives Bäumepflanzen zur CO2-Kompensation lässt Welthunger steigen

Wiederbewaldung © Patricia Coroi on Unsplash
Wiederbewaldung © Patricia Coroi on Unsplash

Das Pflanzen von Bäumen ist ein zweischneidiges Schwert. Grundsätzlich sind Bäume ein wichtiger Speicher für Kohlenstoffemissionen, stärken die Artenvielfalt und sind ein wichtiges Mittel gegen Hitzeoasen. Anderseits dient das gewerbliche Aufforsten vielen Unternehmen auch als gelungene Ausrede, die eigenen CO2-Emissionen nicht zu reduzieren, sondern zu kompensieren. Nun macht die Menschenrechtsorganisation Oxfam allerdings auf ein weiteres Risiko von zu intensiver Aufforstung aufmerksam. Laut einem Bericht der Organisation treiben solche Maßnahmen nämlich die Lebensmittelpreise in den Entwicklungsländern in die Höhe. Das wiederum könnte den Welthunger verstärken.

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Riesige Flächen für Kompensation nötig

Bis 2050 könnten laut der Schätzung von Oxfam die Lebensmittelpreise um 80 Prozent steigen, wenn der Emissionsausgleich durch die Forstwirtschaft übermäßig genutzt wird. Etwa 350 Millionen Hektar Land – eine Fläche, die in etwa der Größe Indiens entspricht – könnten für die Kompensation genutzt werden, ohne die Landwirtschaft in der ganzen Welt zu stören. Doch die Kompensationspläne von Ländern und Unternehmen könnten diese Fläche bald übersteigen. Ein Beispiel sei die Schweiz, die etwa 12,5 Prozent ihrer Emissionen durch Emissionsgutschriften aus Projekten in anderen Ländern, darunter Peru und Ghana, ausgleichen will. Um dieses Ziel zu erreichen, bräuchte man eine Fläche von der Größe Costa Ricas, schätzt Oxfam.

Mindestens 1,6 Milliarden Hektar,  eine Fläche etwa fünfmal so groß ist wie Indien, wären laut Oxfam erforderlich, um bis 2050 allein durch Baumpflanzungen ein Netto-Null-Ziel für die Erde zu erreichen. Dass das in der Realität wahrscheinlich nicht der Fall sein wird, ist auch der NGO bewusst. Trotzdem soll die Zahl eine Vorstellung über die erforderlichen Größenordnungen geben, so Oxfam. Die dadurch verbrauchten Flächen würden zulasten der Landwirtschaft fallen. Das wiederum hätte Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise, warnt die Organisation.

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Oxfam warnt vor mehr Hungersnöten

„Schon jetzt leiden Hunderte Millionen Menschen auf der ganzen Welt an Hunger. Wir müssen die Länder konsultieren, wie sie ihr Land nutzen wollen, und die Länder und Unternehmen müssen zuerst ihre Emissionen reduzieren, bevor sie sich auf Kompensationen verlassen. Wir müssen auch die Emissionen aus der Landwirtschaft reduzieren, die weltweit die zweitgrößte Emissionsquelle ist“, sagt Nafkote Dabi, Koautorin des Berichts.

Laut Oxfam gefährden zwei der am häufigsten verwendeten Kompensationsmaßnahmen, nämlich die Wiederaufforstung und die Anpflanzung neuer Wälder, die Ernährungssicherheit am meisten. Weitaus besser seien naturnahe Lösungen, die sich auf die Waldbewirtschaftung, die Agroforstwirtschaft – die Kombination von Acker- oder Weidebau mit dem Anbau von Bäumen – sowie die Weide- und Bodenbewirtschaftung von Anbauflächen konzentrieren. Diese würden es den Menschen ermöglichen, das Land für die Ernährung zu nutzen und gleichzeitig Kohlenstoff zu binden. Damit könnten zwei aktuelle Problemherde angegangen werden.

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