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Frühwarnsystem

Orora: Deutsches Startup spürt Waldbrände mit Mini-Satelliten auf

Das Gründer-Team von Orora (v.l.n.r.): Björn Stoffers, Rupert Amann, Florian Mauracher & Thomas Grübler © Orora
Das Gründer-Team von Orora (v.l.n.r.): Björn Stoffers, Rupert Amann, Florian Mauracher & Thomas Grübler © Orora

Durch die Klimakrise, die vielerorts zu Trockenheit und Dürre führt, sind Waldbrände weltweit keine Seltenheit mehr. Erst in diesem Jahr wüteten sie an der Küste Griechenlands oder auf Sizilien. In Kalifornien sind sie bereits zur Normalität geworden. Und mit der voranschreitenden Erderhitzung nehmen solche Brandkatastrophen weiter zu. Für Förster:innen und Behörden wird das zunehmend zu einer großen Herausforderung. Bisher halten Mitarbeitende auf Aussichtstürmen oder von Flugzeugen aus Ausschau nach Rauch und Flammen.

Doch zuverlässig ist die Methode nicht, gerade wenn Gebiete groß und unbesiedelt sind. Das 2018 gegründete Startup Orora Tech will Waldbrände mit digitaler Technologie besser aufspüren und bekämpfen. Die Jungfirma aus München hat ein Frühwarnsystem für Waldbrände entwickelt, das auf Satellitendaten zugreift und diese auswertet.

Etwa ein Drittel Baumarten ist vom Aussterben bedroht

Rund 100 Mini-Satelliten geplant

Derzeit verwendet das Startup für seine Analysen noch Bilder von Wetter- und Forschungssatelliten, die etwa von den Raumfahrtbehörden NASA und ESA betrieben werden. Doch die Daten sind nicht vollständig, da es am Nachmittag eine Lücke von sechs bis neun Stunden gebe, so Gründer Thomas Grübler gegenüber dem Handelsblatt. Um die Datenlage künftig zu verbessern und Brandherde künftig schneller aufzuspüren, will Orora eigene Satelliten in den Orbit schießen lassen.

Die Mini-Satelliten sind nur so groß wie Schuhkartons, rund acht Kilogramm schwer und sollen mit selbst entwickelten Wärmebildkameras ausgestattet sein. Schon im Januar 2022 soll der erste Prototyp ins All fliegen, das erste Gerät für den operativen Einsatz werde voraussichtlich 2023 bereitstehen, so Grübler. Den Transport ins All übernimmt der Raketenbetreiber SpaceX. Ziel von Orora ist es laut Handelsblatt, rund 100 Satelliten in den kommenden fünf Jahren in Betrieb zu nehmen. Dann soll die Erde zu jeder Tag- und Nachtzeit gescannt werden können.

Kalifornien will Satelliten zum Aufspüren von CO2- und Methan-Lecks nutzen

5,8 Mio. Euro Investment gesammelt

Bisher haben kommerzielle Forstbetriebe in Australien und Südamerika bereits Verträge mit dem „New Space“-Startup abgeschlossen. Potenzielle Kund:innen sieht die Jungfirma laut dem Handelsblatt auch bei Versicherungen, die mit der Software Schäden und Risiken bewerten können. Auch für die Ölindustrie kann Orora dazu dienen, das routinemäßige Abfackeln von Gas bei der Ölförderung zu überwachen.

Interesse hat das Startup auch bei Investor:innen geweckt. Bei einer ersten Finanzierungsrunde der Series A im Juni sammelte das Münchner Startup 5,8 Millionen Euro von Findus Venture, Ananda Impact Ventures, Apex Ventures und Bayern Kapital ein. Erst vergangene Woche hat das Startup den deutschen Digitalpreis „The Spark“ gewonnen, der von Handelsblatt und der Unternehmensberatung McKinsey verliehen wird. Beim Wettbewerb ging es heuer um das Motto „Net Zero Tech“ – Technologie, die die Welt zur Klimaneutralität bringen können. Waldbrände künftig mit Satelliten aufzuspüren und deren massiven CO2-Ausstoß bestenfalls aufzuhalten, kann dazu einen Beitrag leisten.

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