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Energiewende

Österreichische E-Wirtschaft bemängelt geringe Nutzung von Wasserstoff-Potenzial

Michael Strugl, Präsident von Oesterreichs Energie © Oesterreichs Energie
Michael Strugl, Präsident von Oesterreichs Energie © Oesterreichs Energie

In Österreich kommt die Möglichkeit einer echten Energiewende zunehmend näher. Die Umsetzung des lang erwarteten Erneuerbaren Ausbau Gesetzes (EAG)  könnte noch vor dem Sommer beschlossene Sache werden. So zumindest die Einschätzung von Oesterreichs Energie, der Interessenvertretung der österreichischen E-Wirtschaft. Daher sei es jetzt wichtig, sich mit der tatsächlichen Durchsetzung der Energiewende auseinanderzusetzen, so die Organisation.

Dabei sehen sie besonders viel Potenzial in grünem Wasserstoff. Damit sind sie nicht allein. Im Rahmen des aktuellsten EAG-Entwurfes stellte Österreichs Klimaministerin Leonore Gewessler ( Die Grünen) bis 2030 insgesamt 500 Millionen Euro für grünen Wasserstoff in Aussicht, wir berichteten. Dieser soll vor allen Dingen für eine CO2-neutrale Industrie verwendet werden. Mit der Summe sollen heimische Industriezweige, wie die Stahlproduktion, in ihrer Umrüstung unterstützt werden. Gefördert werden dafür Elektrolyseanlagen.

Trotzdem bemängelt Österreichs Energie die zu geringe Potenzial-Nutzung des Zukunftsenergieträgers. Vor allem fehle ein konkretes Preismodell für die Energiequelle. In einer Studie hat Oesterreichs Energie untersucht, in welchen Bereichen die Ressource mehr Verwendung finden sollte.

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„Versorgungssicherheit könnte Problem werden“

Als eines der ersten Inhalte aus dem EAG wurden bereits im Sommer letzten Jahres einige Details zu den Energiegemeinschaften bekannt. So werden zwei Arten von solchen Gemeinschaften möglich sein. Zum einen Erneuerbare-Energiegemeinschaften, für die gemeinsame Nutzung von lokal produzierter Energie, und zum anderen BürgerInnen- Energiegemeinschaften, für die gemeinsame Nutzung von überregionaler Energie. Dafür kann nun jede Person mit einem eigenen Netzanschluss, Energie ins öffentliche Energienetz speisen.

Letzterer Aspekt wird von der Interessengemeinschaft kritisiert. „Es gibt noch viele Aspekte beim Erneuerbaren Ausbau Gesetz, die wir kritisch betrachten. So sind wir besorgt, dass Energiegemeinschaften eigene Netze errichten könnten. Das würde die regulierte Netzinfrastruktur aufbrechen und teure Parallelstrukturen für Verbraucher schaffen. Auch die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit könnte in Zukunft zu einem Problem werden, wenn eine echte Dekarbonisierung stattfinden soll“, so Michael Strugl, Präsident von Oesterreichs Energie. Daher sehen sie in Wasserstoff als Energieträger eine große Bedeutung für die Versorgungssicherheit.

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„Grüner“, also sauberer Wasserstoff entsteht durch Wasserelektrolyse durch erneuerbare Energiequellen wie Windkraft oder Solarenergie. Dadurch ist es möglich, eine weitere Energieressource ohne CO2-Emissionen zu gewinnen. Laut Oesterreichs Energie ist es besonders wichtig, die Ressource im Sommer aus dem Überschuss von Windkraft und Sonnenenergie zu gewinnen und zu speichern. Dadurch könnte bei Schwankungen dieser Stromquellen eine Reserve die Versorgungssicherheit garantieren.

Neben der Speicherung hat Wasserstoff laut der Studie auch viel Potenzial für die Industrie. Er sei die einzige Möglichkeit, Prozesse, die nur schwer oder gar nicht durch Elektrizität ablaufen können, zu dekarbonisieren. Auch auf Schiffen, Flugzeugen oder im Schwerlastenverkehr könne die Ressource die einzige Möglichkeit sein, bestimmte Vorgänge ohne CO2-Emissionen durchzuführen.

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Mehr finanzielle Anreize für Wasserstoff-Elektrolyseure

In der E-Wirtschaft brauchen Strugl zufolge vor allem die Elektrolyseure, also die Energieanbieter, die Strom in Wasserstoff umwandeln, mehr Unterstützung. Sie müssten marktnah und systemdienlich sein und dann produzieren, wenn sie die Stromnachfrage gut erfüllen können. Bei Knappheiten sollten sie dagegen vom Netz gehen. Ein großes Problem ist laut der Studie, dass es auf europäischer Ebene keine klare Definition von grünem Wasserstoff gibt. Elektrolyseure hätten so Probleme, Förderungen zu erhalten.

Da grüner Wasserstoff in der Herstellung deutlich teurer sei als der auf dem Weltmarkt verfügbare „graue“ Wasserstoff, bedürfte es einer besseren Form der Monetarisierung der Umweltvorteile, beispielsweise als Prämie, damit die Herstellung von grünem Wasserstoff in Österreich attraktiv wird. Auch Ausnahmen bei Steuern und Abgaben könnten als Anreize dienen.

Die Umweltorganisation European Hydrogen Backbone Initiative schätzt den Wasserstoffbedarf in der EU und in Großbritannien bis zum Jahr 2050 auf 2.300 Terawattstunden ein. Es bestehe laut einer Studie der Organisation das Potenzial, durch Produktionsstätten und Pipelines zwischen den Staaten den gesamten Bedarf nur durch sauberen Wasserstoff zu decken

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