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In-Vitro-Forschung

Nach Fleisch und Fisch: Startup TurtleTree entwickelt Milch aus dem Labor

Die beiden Gründer des Startups, Max Rye and Fengru Lin ©TurtleTree
Die beiden Gründer des Startups, Max Rye and Fengru Lin ©TurtleTree

Bereits in der Vergangenheit hat der Stadtstaat Singapur durch Investitionen in High Tech und zukunftsorientierte Startups von sich Reden gemacht. So erlaubte das Land im Dezember 2020 als erstes Land weltweit, den Verkauf von im Labor hergestellten Fleisch, auch als In-Vitro Fleisch bekannt. Genauer gesagt, den Verkauf von denen im Labor produzierte Chicken Nuggets des amerikanischen Lebensmittelherstellers Eat Just.

Aber nicht nur Fleisch lässt sich aus Tierzellen im Bioreaktor erstellen. Auch Milch und Käse kommen ohne industrielle Viehhaltung aus. Davon ist zumindest die Gründerin des Startups TurtleTree überzeugt. Das Startup aus Singapur hat den eigenen  Angaben nach, die weltweit erste vollwertige Milch aus dem Bioreaktor geschaffen.

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Hinter den Startup steht die Gründerin Fengru Lin. Diese suchte für eine Eigenproduktion von Käse, als absolute Käse-Närrin, hochqualitative Milch. Nachdem sie diese Suche in die „harte Realität der Viehwirtschaft“ gebracht  hat, wie sie angibt, suchte sie nachhaltigere Alternativen. Durch ihren Co-Founder wurde sie auf die zellbasierte Technologie aufmerksam und sie gründeten 2019 gemeinsam TurtleTree mit dem Ziel, die Lebensmittelindustrie „neu zu erfinden“.

Wie auch bei der Herstellung von In-Vitro-Fleisch, entsteht die Milch aus dem Labor auf Basis von Stammzellen in dem Fall aus frischer Milch. In einer Nährflüssigkeit namens Laktationsmedium wandeln die Brustzellen dann die Mikronährstoffe in Milch um, so das Startup. Diese soll laut dem Jungunternehmen der menschlichen Muttermilch oder Kuhmilch gleichen. Damit will das Unternehmen sowohl den Milchmarkt, als auch den Babynahrungsmarkt erreichen. Die Zellen sollen wiederum häufiger verwendet werden können, sodass der CO2-Ausstoß in der Milchherstellung deutlich reduziert werden könnte, ist das Startup überzeugt.

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Kostenfaktor ist bisher zu hoch

Soweit ist die Entwicklung in der Praxis allerdings noch nicht. Wie auch bei dem im Labor produzierten Fleisch, ist die Herstellung von Milch im Bioreaktor bisher alles anderes als preiswert. Je mehr produziert wird, desto schneller könnten die Kosten senken. Um den Prozess zu beschleunigen hat das Jungunternehmen mit Sitz in Singapur und San Francisco daher Anfang des Jahres die Forschungseinrichtung TurtleTreeScientific gegründet. In dieser will das Unternehmen gemeinsam mit anderen Clean Meat-Unternehmen an kosteneffizienteren Wachstumsfaktoren, wie den Zellkulturmedien, für zellbasierte Lebensmittel arbeiten.

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