Mischung

So will das Startup Mixteresting Beton umweltfreundlicher machen

Mixteresting-Gründer Franz Haller (rechts) mit Co-Gründer Hermann Schichl (links). © Mixteresting
Mixteresting-Gründer Franz Haller (rechts) mit Co-Gründer Hermann Schichl (links). © Mixteresting

Beton ist nicht gleich Beton: Je nach Mischungseigenschaften und Mischungsprozess kann die Beschaffenheit des Baustoffes unterschiedlich ausfallen. Das Startup Mixteresting setzt hier an: „Wir verwenden Mathematik und Künstliche Intelligenz, um die am geringsten digitalisierte Branche, die Baustoff-Branche, zu digitalisieren“, erklärt Gründer Franz Haller.

Die Software von Mixteresting modelliere „die Mischungseigenschaften und den Mischungsprozess von Beton und Asphalt“, simuliere eine „große Anzahl an Mischungen“ und schlage dann selbstständig neue und optimierte Beton- beziehungsweise Asphaltmischungen vor. Haller: „Wir reduzieren so Zeit und Kosten bei der Entwicklung neuer Mischungen“.

Mixteresting: Neue Betonmischungen für weniger CO2

Die Idee hat auch einen umweltpolitischen Aspekt: Viele Forschungen im Bereich Beton würden versuchen, den CO2-Fußabdruck von Beton zu reduzieren, erklärt der Gründer im Gespräch mit Trending Topics. Hier gebe es viele verschiedene Ansätze, zahlreiche würden darauf abzielen, recyceltes Material wiederzuverwenden. So entstand auch die Idee zu Mixteresting, erzählt Haller: „Eine Mitarbeiterin von uns schrieb ihre Masterarbeit über effizientere Betonmischungen. Ihre Aufgabe war es, Betonsorten zu entwickeln, die recyceltes Material, beispielsweise Holz oder Altbeton, als Zusatzstoff haben. Die Forschungen waren sehr zeitaufwändig, da alles analog und mittels langwieriger Versuchsreihen gemacht wurde. Daraufhin kam Sie mit der Frage auf uns zu, ob man das Ganze nicht mittels Mathematik und AI beschleunigen könnte. Nach intensiver zeitaufwändiger Forschung und zahlreichen Anläufen wissen wir jetzt – ja, man kann und sollte“.

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SaaS-Lösung

Mixteresting bietet dafür eine Software-as-a-Service-Lösung an, mit der interessierte Kunden ihre bestehenden Mischungen und Prüfergebnisse in das System einspielen können. Haller: „Unsere Software simuliert dann auf Basis der jeweiligen Daten und Anforderungen des Kunden neue Mischungen und schlägt neue effizientere Mischungen vor“. Die Betonwelt werde in Klassen eingeteilt – durch Anwendungsbereiche, Anforderungsprofile und entsprechende Normen. Außerdem stünden jedem Kunden nur bestimmte Materialien für seine Mischungen zur Verfügung. „Alle diese Beschränkungen grenzen den Bereich für mögliche Mischungen ein, und die AI sucht in dem jeweiligen ‚Betonfeld‘ nach optimalen Mischungen“, erklärt Haller die Vorgehensweise der AI.

Künftig soll die künstliche Intelligenz noch eigenständiger arbeiten: „Es wird spannend sein, zu sehen, wie die AI performt, wenn man ihr komplett freie Hand lässt und vollkommen neue Zusammensetzungen der Materialien testet“. Denkbar wären andere Recyclingmaterialen oder granuliertes Plastik. „Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt – das ist eines der Hauptargumente für unsere Software. Die AI lernt mit jedem Datensatz“, erklärt der Gründer.

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Effizienzsteigerung bei Baumaterialien

Die Einsatzszenarien seien entsprechend vielfältig. Jeder Materialforscher im Beton- und Asphaltbereich sei ein potentieller Kunde, Baufirmen jeder Größe, Betonproduzenten, aber auch Architekten und Planer sowie die Auftraggeber, mitunter auch die öffentliche Hand, würden von Mixteresting profitieren können. Haller: „Mixteresting ist das ideale Tool für jeden, der Interesse hat, dass effizientere Baumaterialen eingesetzt werden, und der seine Entwicklungszeit und seine Entwicklungskosten um bis zu 90 % reduzieren will“.

Darüber hinaus würden sich „gerade auf politischer Ebene die Rahmenbedingungen für die rechtlichen Voraussetzungen von Betoneigenschaften ändern. „Das heißt,  jede Mischung, die bestimmte Eigenschaften aufweist, kann als Beton zugelassen werden. Dafür muss man aber, wie schon oben erwähnt, intensive und aufwändige Materialforschung betreiben – oder man macht es mit Mixteresting“, blickt Haller in die Zukunft. Künftig sollen über eine API zudem weitere Einsatzfelder in Richtung IoT erschlossen werden.

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Marktstart Anfang 2021

Erste Testkunden nutzen die Lösung von Mixteresting bereits, erzählt Franz Haller. Aktuell sei man aber noch in der Closed-Beta mit einigen Testkunden, darunter „große börsennotierte heimische Firmen, etablierte KMUs, nationale und internationale Startups“, der Marktlaunch soll mit Q1 2021 erfolgen. „Vor allem im Bereich der Startups sind einige spannende Firmen dabei,
die komplett neue Ansätze in der Materialzusammensetzung von Beton gehen. Hier können wir extrem viel zur Beschleunigung der Entwicklung ihrer Materialien beitragen“, freut sich Haller.

Die Nutzung der Software wird als klassisches SaaS-Modell angeboten. Für Firmen, deren Mischungen Mixteresting optimiert, soll es bei Erreichen gewisser Ziele (Kosteneinsparungen, Effizienzsteigerungen) vorher definierte Meilensteinzahlungen geben. Das Team von Mixteresting bestehe aktuell aus fünf Personen – es soll aber rasch wachsen: „Wir suchen aktiv nach
MathermatikerInnen mit Erfahrung in der Entwicklung numerisch mathematischer Software und Artificial Intelligence, EntwicklerInnen in Java, UI/UX-Designer und LabormitarbeiterInnen für Beton- und Asphaltmischungen und -prüfungen, die gute Erfahrungen mit den einschlägigen Normen besitzen“, erzählt Haller. Darüber hinaus baue man gerade ein Vertriebsteam auf.

„Mixteresting soll Standard werden“

Die Corona-Krise ist auch an der Baubranche nicht ganz spurlos vorbeigegangen, war für Franz Haller und sein Team aber nicht das große Problem, erzählt er: „Während der ersten Corona-Lockdownphase ist der digitale Vertrieb Standard geworden. Kontaktanfragen werden über digitale Kanäle beantwortet. Bei den meisten Anfragen folgen dann Teams/Zoom/Hangout-Meetings und einige Gesprächspartner schicken dann auch gleich Testdaten und Anfragen, um die Software zu testen. Das hat uns sehr geholfen“. Ähnlich positiv soll es auch in Zukunft weitergehen. Wo sieht sich Franz Haller in fünf Jahren? „The Sky is the Limit – Mixteresting soll der Standard sein, wie in Zukunft Baustoffe entwickelt und optimiert werden“.

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