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Transparente Tierhaltung

MeinSchwein: Startup ermöglicht Besitz eines Schweines – um es dann zu schlachten

Der Familienbetrieb ist der erste Musterhof von meinSchwein ©Agro Media GmbH
Der Familienbetrieb ist der erste Musterhof von meinSchwein ©Agro Media GmbH

Schwein gehabt – das alte Sprichwort findet immer dann Anwendung, wenn es um einen Glücksfall geht. Ob das nun auch auf das Geschäftsmodell von dem oberösterreichischen Jungunternehmen Agro Media GmbH, welche die Plattform „meinSchwein“ leiten, zutrifft, wird höchstwahrscheinlich auf geteilte Meinungen treffen. Geht es am Ende doch darum, Tiere zu schlachten. Dafür sollen die Tiere aber zuvor artgerecht und nachhaltig gehalten worden sein. Wortwörtlich trifft die Aussage aber auf jeden Fall zu, da gibt es nur wenig Interpretationsfreiheit.

Das Prinzip der Plattform ist dabei simpel: Die User:innen kaufen ein Ferkel bei einem der mitmachenden Betriebe, können entscheiden wie dieses gehalten, gefüttert und gepflegt wird, können dieses Tag und Nacht per Livestream beobachten und nach vier bis fünf Monaten Haltung entscheiden, wie es nach der Schlachtung zerlegt wird. Anschließend kann das Fleisch des eigenen Schweines konsumiert werden.

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24 Stunden Beobachtung des eigenen Schweins

Hinter der Idee stecken die zwei Brüder Hannes und Markus Kriegner. Letzter ist Landwirt und hat 2009 den Familienbetrieb übernommen, ersterer ist Informatiker. Mit der Plattform: meinSchwein.at bündeln sie nun ihre Kompetenzen.

„Ich wollte schon immer in die Direktvermarktung“, so der Landwirt Kriegner. Diesen Wunsch hat sich der Oberösterreicher nun wahr gemacht. Mit seinem Landwirtschaftsbetrieb ging das Jungunternehmen 2020 in die Testphase und präsentierte diesen als Musterhof. Seit mehr als einem Jahr können die User:innen auf dem Hof online eine freie Box auswählen und ihr Schwein oder, wenn gleich mehrere ausgewählt wurden, ihre Schweine dort unterstellen. Die Schweine selbst kommen laut der Gründer aus eigener Zucht einer hochwertigen Edelfleischrasse. Durch eine Webcam können die Kund:innen dann das Wohlergehen ihrer Tiere über den PC, Smartphone oder Tablet überprüfen und außerdem, neben der immer gegebenen Grundfütterung, über regionales Zusatzfutter oder Spielzeuge für das eigene Schwein entscheiden.

„Bei uns wird jede/r Kund:in zur/m Landwirt:in“, so die Gründer zu ihrer wahr gewordenen Animal Crossing-Vision. Der Besitz eines Schweines über meinSchwein kostet die User:innen 450 Euro. Je mehr Schweine gekauft werden, desto geringer der Preis für das Individuum. In dem Betrag ist die Haltung und die Fütterung der Tiere für 4 1/2 Monate inkludiert. Das Schlachten und das Zerlegen kommt dann noch einmal oben drauf. Durch ihre Plattform meinSchwein soll die regionale artgerechte Landwirtschaft unterstützt werden, so die Gründer. Denn auch die teilnehmenden Betriebe würden von der Listung auf der Plattform profitieren. Denn auch wenn für die Endkund:innen das Schweinefleisch durch den Kauf eines ganzen Tieres am Ende preiswerter sein soll als im Handel, würden die Höfe durch den direkten Endkundenverkauf höhere Erträge erzielen.

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Höfe in ganz Österreich listen

Nun wollen die Gründer mit ihrem Konzept Landhöfe in ganz Österreich erreichen. Die Bedingung für Listung auf der Plattform ist dabei die Einhaltung der Vorgaben zur Haltung der Tiere nach dem Vorbild des Musterstalls von Kriegner selbst, so die Brüder. Damit konnten sie einige andere Betriebe nun schon mit ins Boot holen. Sechs Höfe sind bereits auf meinSchwein gelistet. Der Traum der Brüder ist ein meinSchwein-Netzwerk im ganzen Land. Dem Traum von der eigenen Farm, welche so viele virtuelle Games bereits seit Jahren versuchen zu befriedigen, dürften die Nutzer:innen somit ein Stückchen näher kommen. Und die Schweine der Forderung einer artgerechteren Haltung.

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