Tech & Nature

Mammut-Elefanten-Hybride

Mammuts sollen auferstehen: 15 Mio. Investment für Colossal

©april pethybridge/ unsplash
©april pethybridge/ unsplash

Wäre im Moment April statt September könnte man an einen Aprilscherz denken. Ein Unternehmen aus den USA will ausgestorbene Mammuts wiederbeleben und somit in das 21. Jahrhundert bringen. Im Zentrum der Forschung: Durch Permafrostböden gut erhaltende Mammut DNA, welche mithilfe der Genschere CRISPR-Cas9-Technik mit dem Erbgut heute lebender asiatischer Elefanten kombiniert werden soll. So surreal dieser Gedanke für manch einen klingen mag, so real sind doch die Umsetzungspläne des Unternehmens Colossal. Dafür haben sie nun auch den entsprechenden finanziellen Rückenwind erhalten. Wie die Firma aktuell bekannt gab, konnten sie sich ein Investment über 15 Millionen Dollar, also rund 13 Millionen Euro, für ihr Vorhaben sichern.

Man sollte meinen das die bisher fünf erschienenen Filme der Jurassic Park-Reihe gezeigt haben, dass der Versuch, ausgestorbene Arten in die Neuzeit zu katapultieren drastische Folgen haben kann. Selbstverständlich ist das wahre Leben kein Hollywood Blockbuster. Trotzdem gibt es einige Kritik an dem Projektvorhaben von Colossal. Hinter dem 2019 gegründeten Unternehmen stehen die beiden Gründer George Church, Professor für Genetik an der Harvard Medical School und Ben Lamm, Gründer von Hypergiant, einem Unternehmen, das sich auf künstliche Intelligenz spezialisiert hat.

Tiroler Technologie soll Elefanten vor Zügen schützen

Tundra- und Artenschutz als Projektbegründung

Diese geben als Grund für ihr Projekt zum einen den Klimaschutzgedanken an. Speziell soll der Permafrostboden der Tundra in Sibirien und Nordamerika durch die zukünftigen Bewohner:innen vor dem weiteren Tauen bewahrt werden. Diese ist heute zumeist von Moos bewachsen,  soll sich aber durch die Tiere, welche das Moos zerkleinern, Bäume fällen und durch den Kot entsprechenden Dünger liefern, wieder in Grasland zurück verwandeln. Dadurch soll die CO2-Freisetzung in der Tundra verringert werden.

Zum anderen sollen die neugezüchteten Mammut-Elefanten-Hybride auch dem Artenschutz dienen, geben die Gründer an. Asisatische Elefanten sind bisher vom Aussterben bedroht. Die neuen Hybride sollen so auch neue Lebensräume erschließen können. „Unser Ziel ist es, einen kälteresistenten Elefanten zu züchten, der aber wie ein Mammut aussehen und sich auch so verhalten wird“, so Church gegenüber dem Guardian.

Die Mammut-Elefanten-Hybride sollen durch die Technologie der Genschere CRISPR-Cas9 entstehen. So sollen die Gene der Mammuts, welche für die Behaarung, die isolierenden Fettschichten und weitere Anpassungen an das kalte Klima verantwortlich sind mit anderen von Elefanten kombiniert werden. Die Embryonen soll dann entweder von einer „Leihmutter“ oder in einer künstlichen Mammutgebärmutter aus Stammzellen ausgetragen werden. Laut dem Guardian hoffen die Forschenden bereits in sechs Jahren die Geburt der ersten Kälber verkünden zu können. Doch bis dahin sind noch einige Hürden zu überwinden.

Neue Gentechnik: NGOs fürchten Freifahrtsschein für genveränderte Lebensmittel in EU

Kritik an dem Vorhaben aus der Wissenschaft

Andere Forschende sind von dem Vorhaben des Unternehmens Colossal alles andere als begeistert. So bezweifelt  Victoria Herridge, Evolutionsbiologin am Natural History Museum gegenüber dem Guardian den Gedanken, durch die Neuzüchtungen die Tundra wieder zeitnah in Grasland verwandeln zu können: „Der Umfang, in dem man dieses Experiment durchführen müsste, ist enorm. Man spricht von Hunderttausenden von Mammuts, die jeweils 22 Monate brauchen, um zu trächtig zu sein, und 30 Jahre, um ausgewachsen zu werden. Auch Gareth Phoenix, Professor für Ökologie der Pflanzen und des globalen Wandels an der Universität von Sheffield kritisiert den Gedanken, die Tundra  von der Moosbedeckung befreien zu wollen: „Wir wissen jedoch, dass in den bewaldeten Regionen der Arktis Bäume und Moosbedeckung für den Schutz des Permafrosts von entscheidender Bedeutung sind, so dass das Entfernen der Bäume und das Zertrampeln des Mooses das Letzte wäre, was man tun sollte.“

Ob sich somit das Verfahren in die Wirklichkeit umsetzen lässt, wird die Zukunft zeigen. Die Investor:innen scheinen zumindest daran zu glauben. Bleibt nur zu hoffen, dass selbst bei Erfolg des Planes die Tiere dann nicht am Ende ebenfalls für ähnliche kommerzielle Zwecke genutzt werden, wie die fiktiven wiederauferstanden Dinosaurier in den bekannten Filmen.

Mehr Tech & Nature

Startup-News by

Weiterlesen