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Kosten senken

Labormilch-Startup Turtle Tree kooperiert mit Startup Solar-Biotech für Marktdurchbruch

Die beiden Gründer des Startups, Max Rye and Fengru Lin ©TurtleTree
Die beiden Gründer des Startups, Max Rye and Fengru Lin ©TurtleTree

Auf der ganzen Welt wird im Moment fieberhaft an In-Vitro-Nahrungsmitteln geforscht. Im Fokus der meisten Unternehmen stehen dabei zumeist Fleischprodukte. So bringt der amerikanische Lebensmittelhersteller Eat Just im Labor gemachte Chicken Nuggets auf den Markt, das Schweizer Startup Mirai Foods arbeitet an im Labor kultiviertem Rinderhackfleisch und das israelische Startup Aleph Farms erzeugt Rindersteaks. Natürlich lässt sich die Kultivierung von Nahrungsmitteln aus Stammzellen auch bei Fischen anwenden. Daran arbeitet unter anderem das Berliner Startup Bluu Bioscience. Ein Problem eint bisher aber die In-Vitro-Community: Die Herstellungsprozesse sind bisher sehr kostenintensiv und so kaum bereit für den breiten Markt.

Das Problem hat auch das Startup Turtle Tree erkannt. Das Jungunternehmen mit Sitz in Singapur und San Francisco arbeitet an im Labor kultivierter Milch. Den eigenen Angaben nach haben diese bereits die weltweit erste vollwertige Milch aus dem Bioreaktor geschaffen. Verkaufen können sie diese bisher aber noch nicht. Wie auch bei dem im Labor produzierten Fleisch ist die Herstellung von Milch im Bioreaktor bisher alles anderes als preiswert. Je mehr produziert wird, desto schneller könnten die Kosten senken. Um den Prozess zu beschleunigen, hat das Jungunternehmen daher Anfang des Jahres die Forschungseinrichtung TurtleTreeScientific gegründet. In dieser will das Unternehmen gemeinsam mit anderen Clean Meat-Unternehmen an kosteneffizienteren Wachstumsfaktoren wie den Zellkulturmedien für zellbasierte Lebensmittel arbeiten.

Nach Fleisch und Fisch: Startup TurtleTree entwickelt Milch aus dem Labor

 

Nun geben sie aktuell eine weitere Kooperation bekannt, durch welche die Skalierung des Herstellungsprozesses funktionieren soll. Dabei soll sie das amerikanische Startup Solar Biotech unterstützen. Während Turtle Tree den eigenen Angaben nach den Markteintritt ihres Produktes weiterhin im Labormaßstab erarbeitet, soll Solar Biotech die für die Produktion im großen Maßstab erforderlichen Bioprozesstechnologien bereitstellen.

Herstellung von tierischer und menschlicher Milch

„Die industrielle Bioproduktion in großem Maßstab hat sich seit Jahrzehnten nicht wesentlich weiterentwickelt. Wir sind entschlossen, dies zu ändern, und konzentrieren uns dabei auf den Einsatz einzigartiger, innovativer und nachhaltiger Bioprozesstechnologien. Wir glauben, dass Solarenergie und eine Strategie der Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle bei der Herstellung neuartiger bioverarbeiteter Inhaltsstoffe spielen werden“, so der Gründer von Solar Biotech, Alex Berlin.

Das Unternehmen nutzt dafür die firmeneigene Technologie und passt die modularen Architekturen, welche sie  „BioNodes“ nennen, an die jeweiligen Anforderungen der Unternehmen an. Der komplette Betrieb wird dabei rein aus Solarenergie betrieben, so das Unternehmen. Bisher konzentrierte sich das Startup auf den Prozess der Präzisionsfermentation. Dabei wird zellbasierter Käse aus genetisch veränderter Hefe oder Pilzen hergestellt. Dieses werden als „Zellfabriken“ genutzt, damit ihre Zellen bestimmte organische Moleküle in einer kontrollierten Umgebung produzieren können.

Turtle Tree arbeitet den eigenen Angaben nach bisher an der Produktion von tierischer und menschlicher Muttermilch aus Brustzellen. Diese werden einmalig aus frischer Milch entnommen. In einer Nährflüssigkeit namens Laktationsmedium wandeln diese dann die Mikronährstoffe in Milch um, so das Startup. Mit Letzterem wollen sie den Babynahrungsmarkt revolutionieren. Noch befindet sich dieser Prozess in der Forschungs- und Entwicklungsphase. Daher konzentriert sich das Startup nun auch auf die Skalierung der Präzisionsfermentation, so Turtle Tree. Da es sich bei dieser bereits um eine ausgereiftere Technologie mit hoher Produktivität handele, könnten sie die Produkte so schneller auf den Markt bringen. Ziel des Jungunternehmens sei es, eine biotechnologische Plattform aufzubauen, die Lösungen für die zellbasierte Lebensmittelindustrie bietet. Geplant sei die Kommerzialisierung des ersten Produktes bereits in zwölf bis 18 Monaten.

Anmerkung Redaktion: Ergänzung der Pläne von Turtle Tree bezüglich der Präzisionsfermentation am 18. August 2021 um 06:45 Uhr. 

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