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Greenwashing?

Klimaversprechen des Groß-Investors Blackrock im Realitätscheck

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Weltweit verwaltet niemand mehr Vermögen als Blackrock. 8,68 Billionen Dollar waren es vergangenes Jahr. Zum Vergleich: Mit dieser Summe könnte man theoretisch alle 30 Börsenschwergewichte im US-Aktienindex Dow Jones kaufen – ihr Börsenwert liegt aktuell bei rund 8 Billionen Dollar. Dementsprechend groß war die Aufmerksamkeit, als Blackrock-Chef Larry Fink Anfang 2020 ankündigte, beim Investieren auf den Klimaschutz achten zu wollen. Umweltschutzorganisationen warnen nun, dass die Versprechen kaum eingehalten wurden und werfen dem Vermögensverwalter Greenwashing vor.

Vor rund einem Jahr sorgte die Ankündigung von Larry Fink für Aufsehen in der Finanzwelt. In einem langen Brief legt der CEO dar, warum der Klimawandel ein Investmentrisiko ist und dass Blackrock mit diesem Risiko für seine Kunden verantwortungsvoll umgehen will. Nachhaltigkeit solle im Kern des Investmentansatzes verankert werden, so Fink. Die Ankündigung habe die Geschäfte von Blackrock bisher aber „kaum beeinflusst“, urteilen die Organsiationen Reclaim Finance aus Frankreich und Urgewald aus Deutschland.

85 Mrd. Dollar für Kohle

Blackrock investiere nach wie vor in Kohlefirmen, laut der Analyse im Wert von mindestens 85 Milliarden Dollar. „Das absolut Mindeste, was Blackrock jetzt tun muss, ist endlich ein für alle Mal aus der Kohle auszusteigen“, meint Lara Cuvelier von Reclaim Finance. Fink wies bereits vor einem Jahr in deutlichen Worten darauf hin, dass er das nicht für so einfach hält: „Egal mit welchem Szenario man rechnet, der Energiewandel wird dennoch Jahrzehnte dauern“, schreibt er.

Obwohl die technologische Entwicklung schnell gehe, sei man in vielen Bereichen noch nicht so weit, Kohlenwasserstoffe zu ersetzen. Gemeint ist damit wohl beispielsweise die Hochindustrie, in der erneuerbare Energie nicht für die erforderlichen hohen Temperaturen sorgen kann und die Wasserstofftechnologie noch nicht effizient genug für einen flächendeckenden Einsatz ist. Fink mahnt einen wissenschaftlichen, sozialen und politischen Realitätscheck ein und merkt an, dass man die Realität mancher Regionen, die eben noch stark von Kohle abhängig sind, nicht ignorieren könne: „Wir dürfen auf dem Weg zu einer emissionsarmen Welt nicht Teile der Gesellschaft oder ganze Länder in Entwicklungsmärkten zurücklassen“.

Zu wenig ambitionierte Ziele

Dennoch sieht der Vermögensverwalter, dass einzelne Bereiche wie Kohle als hohes Investmentrisiko: „Kohle ist erheblich CO2-intensiv, wird wirtschaftlich immer unrentabler und ist aufgrund der Umweltbelastung stark von Regulierungen betroffen“, schreibt Blackrock in einem Brief an seine Kunden. Die Umweltschutzorganisationen kritisieren, dass dieses Engagement lediglich für Kohle angekündigt wurde, es aber keinerlei Kriterien für andere fossile Energieträger wie Öl und Gas gebe. Zudem sei die Richtlinie für Investments in Kohle halbherzig.

„Blackrock bleibt ein massiver Investor in Kohlefirmen und sogar in Unternehmen, die neue Kohlekraftwerke planen“, heißt es in der Analyse. Schuld daran seien die laschen Kriterien und zu einem großen Teil auch passiv gemanagte Fonds, bei denen kein Portfoliomanager die Zusammensetzung bestimmt, sondern ein Aktienindex nachgebildet wird. Konkret ausgeschlossen sind Kohleinvestments bei Blackrock dann, wenn es sich um aktive Fonds handelt und die betroffene Firma mehr als 25 Prozent ihres Umsatzes aus der Produktion von Kohle verdient. Damit seien lediglich 17 Prozent der globalen Kohleindustrie gemeint, kritisieren die NGOs. Weiterhin ungebremst investiere Blackrock zudem in Unternehmen, die Kohle nicht abbauen, sondern verbrennen. Darunter fallen einige der CO2-intensivsten Konzerne der Welt.

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Einfluss auf das Management der Konzerne

Was in der Debatte gerne übersehen wird, ist der direkte Einfluss den Großinvestoren als Shareholder auf strategische Firmenentscheidungen haben können. Eine aktuelle Studie der IESE Business School München kommt so zu einem ganz anderen Ergebnis als die Umweltschutzorganisationen: Die größten drei Vermögensverwalter Blackrock, Vanguard und State Street würden genug Druck auf ihre Portfoliounternehmen ausüben, dass diese ihren CO2-Ausstoß real verringern. In dieser Studie ging es also nicht darum, was das primäre Geschäftsfeld der Portfoliounternehmen ist, sondern inwiefern das Umweltengagement der Vermögensverwalter einen Einfluss auf den CO2-Fußabdruck der Unternehmen an – egal, wie groß dieser sein mag.

Die Wirtschaftswissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass die großen Investmentfirmen ihre Stimmrechte durchaus dazu einsetzen, um Unternehmen zu nachhaltigeren Entscheidungen zu bewegen. Ein Engagement, das Blackrock laut der Ankündigung vor einem Jahr weiter verstärken will: „Angesichts der bereits geleisteten Vorarbeit und der wachsenden Anlagerisiken im Bereich der Nachhaltigkeit werden wir zunehmend bereit sein, gegen das Management zu stimmen, wenn die Unternehmen keine ausreichenden Fortschritte gemacht haben“. In ihrer Analyse konnten die Umweltschützer auch dieses Versprechen nicht nachvollziehen: „Blackrock unterstützte weniger als 10% der klimakritischen Beschlüsse in den zur Abstimmung gestellten Aktionärsanträge in S&P500-Unternehmen“.

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