Tech & Nature

Studie

Klimakrise verursacht deutlich höhere Kosten als bisher angenommen

Kraftwerk, Kohle, CO2, Treibhausgase, Smog
© Unsplash

Grundsätzlich ist diese Information natürlich nicht neu. Die Klimakrise verursacht hohe Kosten. Diese treffen alle. Die Klimakrise könnte die G7-Staaten im Jahr 2050 durchschnittlich 8,5 Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung kosten, wenn sie keine ehrgeizigeren Maßnahmen zu deren Bekämpfung ergreifen. Der Verlust beliefe sich insgesamt auf 4,8 Billionen Dollar. Das zeigt eine Studie vom Juni 2021 der NGO Oxfam.Laut den Befragten könnten sich die globalen ökonomischen Schäden durch den Klimawandel schon im Jahr 2025 auf 1,7 Billionen Dollar pro Jahr belaufen. In den meisten Szenarien würden die Kosten bis zum Jahr 2075 auf 30 Billionen Dollar ansteigen.

In einer anderen Studie wurde die Situation anders herum gedacht. Wie viel Kosten können gespart werden, wenn rechtzeitig allumfassende Maßnahmen gegen die Klimakrise eingeleitet werden? Laut den Befragten könnten sich die globalen ökonomischen Schäden durch die Klimakrise schon im Jahr 2025 auf 1,7 Billionen Dollar pro Jahr belaufen. In den meisten Szenarien würden die Kosten bis zum Jahr 2075 auf 30 Billionen Dollar ansteigen. Schäden würden auch für das Wirtschaftswachstum der meisten Länder entstehen. Das ergab eine internationale Umfrage der New York University (NYU) unter 738 Ökonomen im Frühjahr diesen Jahres.

 

Oxfam: Klimaschutz-Trägheit kostet G7-Länder ab 2050 jährlich 4,8 Bio. Dollar

Klimarückkopplungen bisher nicht ausreichend mit einbezogen

Trotzdem scheint die Botschaft dieser Studien noch immer nicht bei allen Beteiligten angekommen zu sein. Viel zu oft werden weiterhin Wirtschaft und Klimaschutz als Vertreter zwei gegenübergestellten Parteien dargestellt. Das dem aber nicht so ist, beweist nun eine weitere Studie, diesmal durchgeführt von der ETH Zürich, dem Imperial College London, der Universität Cambridge und weiteren renommierten Einrichtungen unter der Leitung des Hauptautors Jarmo Kikstra vom Wiener Systemforschungsinstitut IIASA und dem Imperial College. Im Mittelpunkt der Untersuchungen standen dabei die sozialen Kosten des Kohlendioxids (SCCO2). Dieser Indikatorwert wird in der Klimawissenschaft dann herangezogen, um die wirtschaftlichen Kosten der Treibhausgasemissionen für die Gesellschaft zu berechnen. Laut den an der Studie beteiligten Forschenden schwanken die Schätzungen für den Preis pro Tonne emittierten Kohlendioxids zwischen 10 und 1.000 US-Dollar. Das deutsche Umweltbundesamt (⁠UBA⁠) empfiehlt beispielsweise für heuer einen Preis von  201 Euro pro Tonne Kohlendioxid (CO2) anzuwenden. Wird die Wohlfahrt der heutigen Generation mit der zukünftigen Generation gleichgesetzt, liegt die Empfehlung für die Kosten bei   698 Euro pro Tonne Kohlendioxid für das Jahr 2021.

Ökonomen: Klimawandel-Maßnahmen sparen Weltwirtschaft Billionen

Diese Schätzungen seien aber den neuesten Erkenntnissen der Forschenden zufolge noch deutlich zu niedrig angesetzt. Um den SCCO2 zu errechnen, werden Modelle genutzt, welche die Kosten der Klimakrise und den Nutzen der Klimaschutzmaßnahmen unter verschiedenen Szenarien gegenüberstellen. Die Studienautor:innen bemängeln aber, dass bisher jährliche Schwankungen, welche die Kosten beeinflussen wie Extremwetterereignisse, nicht in ausreichendem Maße mit einberechnet wurden. Das wollten sie in ihrer aktuellen Arbeit nun ändern und schätzten beispielsweise wie sich Klimarückkopplungen, wie das Schmelzen von Permafrostböden und das Reflexionsvermögen von Oberflächen, sich auch auf den SCCO2 auswirken. Außerdem bezogen sie erstmalig auch Klimaextreme und Ereignisse wie El Niño mit ein, so die aktuellen Angaben in einer Aussendung der beteiligten Forschungseinrichtungen. Auch haben sie die Auswirkungen der steigenden Temperaturen auf das Wirtschaftswachstum und dessen Rückkopplung auf Treibhausgasemissionen und künftige Temperaturen beachtet, so die Forschenden.

Forscher: CO2-Steuer könnte 740.000 Tonnen weniger Emissionen bewirken

Sozialer CO2 Preis doppelt so hoch

Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass die durch die Klimakrise verursachten Kosten fast doppelt so hoch liegen könnten, als bisher angenommen. „Die Emissionen eines jeden Menschen könnten der Menschheit sehr wohl Kosten in Höhe von über 1.300 Dollar pro Jahr verursachen, die möglicherweise auf über 15.000 Dollar ansteigen, wenn man die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum mit einbezieht“, sagt Chris Brierley, Mitautor und Forscher am Geographischen Institut des University College London. Dabei gibt das Forschungsteam aber auch zu bedenken, dass die Kosten auch einige Ungewissheiten, wie ob und wann mögliche Schäden eintreten, miteinbeziehen.

Nichtsdestotrotz ist für die Forschenden die Haupterkenntnis ihrer Arbeit klar. Die Mengen der ausgestoßenen Emissionen müssen signifikant verringert werden. „Frühere SCCO2-Schätzungen überstiegen bereits den weltweit geltenden Kohlenstoffpreis. Unsere Ergebnisse machen deutlich, dass dringend politische Entscheidungen getroffen werden müssen, um die CO2-Emissionen rasch zu reduzieren, und die Einführung höherer Kohlenstoffsteuern ist eine Möglichkeit, dies zu erreichen“, so der Hauptautor der Studie, Kikstra. Bei diesen Kohlenstoffsteuern scheiden sich ja bekanntlich die Geister. In Österreich soll die CO2-Steuer mit Beginn 2022 eingeführt werden. In welcher Höhe ist bisher aber noch offen.

Mehr Tech & Nature

Startup-News by

Weiterlesen