Lebensmittelkennzeichnung

Kantinen müssen künftig verraten, woher ihr Fleisch kommt

Schnitzel © Pixabay
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Der österreichische Nationalrat hat sich für strengere Regeln bei der Lebensmittelkennzeichnung ausgesprochen und Gesundheitsminister Rudi Anschober (Die Grünen) hat eine rasche Umsetzung versprochen. Konkret soll bei verarbeiteten Lebensmitteln und Gerichten in der Gemeinschaftsverpflegung (Kantine, Schulen, Kindergarten, Krankenhäuser,etc.) erkennbar sein, woher Fleisch, Eier und Milch kommen. Diese Herkunftsbezeichnung soll laut Antrag bereits ab 2021 umgesetzt werden. Zunächst muss das Gesundheitsministerium allerdings klären, ob eine nationale Kennzeichnung mit den EU-Richtlinien zur Lebensmittelkennzeichnung vereinbar ist.

Gegen „Mogelpackungen“ und „Tricksereien“

Die Herkunftsbezeichnung wird einerseits von Konsumentinnen und Konsumenten nachgefragt. Das ergab eine Umfrage von Greenpeace, in der sich 2019 84 Prozent der Befragten für eine bessere Kennzeichnung von Fleisch aussprachen. Den Nationalratsabgeordneten war aber auch wichtig, dass die transparente Kennzeichnung eine Chance für heimische Bauernfamilien sei. Man würde „Mogelpackungen“ leichter entlarven können (Josef Hechenberger, ÖVP) und nicht mehr durch „geschickte Trickserei“ getäuscht (Peter Schmidlechner, FPÖ), meinten Abgeordnete in Hinblick auf Verpackungen, die eine österreichische Herkunft suggerieren würden.

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„Regionalisierung“ als Wertschöpfungsturbo

Die Kennzeichnung fügt sich zudem gut in das Ziel der Regierungsspitze, eine „Regionalisierung“ unter anderem bei der Lebensmittelversorgung zu fördern. „Ich bin überzeugt, dass eine gut gemachte Kennzeichnung unsere Lebensmittelversorgung nachhaltiger und krisensicherer machen wird, und ich sehe sie definitiv als Motor für eine regionale Wertschöpfung“, sagt Anschober anlässlich der Nationalrats-Debatte. Auch die Landwirtschaftskammer Niederösterreich begrüßte den Vorstoß postwendend: Die Herkunftskennzeichnung sei „ein wichtiger Schlüssel für mehr Wertschätzung und Wertschöpfung von regionaler Erzeugung“, so Präsident Johannes Schmuckenschlager in einer Aussendung.

Lebensmittelindustrie ortet Schikane

Die heimische Lebensmittelindustrie sieht das anders. Die neuen Regeln, die über das geltende EU-Recht hinausgehen, würde für Lebensmittelproduzenten einen zusätzlichen administrativen Aufwand und Kosten bedeuten. Nach der Coronakrise sei das der falsche Weg, appellierte der Fachverband der Lebensmittelindustrie. „Jetzt eine nationale Herkunftskennzeichnung für bestimmte Primärzutaten für 2021 zu beschließen, wo einerseits gerade erst seit April 2020 die EU-Vorschriften zur Herkunftskennzeichnung bei Primärzutaten umzusetzen sind und andererseits bereits ab 2022 wiederum neue und zusätzliche EU-Vorgaben für Herkunftsangaben bei Lebensmitteln erlassen werden, grenzt an bürokratische Schikane für die heimische Lebensmittelindustrie“, so Fachverbands-Geschäftsführerin Katharina Koßdorff.

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Kritik an fehlenden Angaben zur Tierhaltung

Ein Haar in der Suppe gibt es aber schon. Einzelnen Abgeordneten und auch NGOs geht der an sich begrüßenswerte Vorschlag nicht weit genug. Entscheidend sei nämlich auch, wie Tiere gehalten werden. Faika El-Nagashi (Die Grünen) brachte das Thema in die Nationalrats-Debatte ein. In derselben Sitzung ging es auch um Tiertransporte und ein Verbot des Tötens männlicher Küken, wobei die jeweiligen Anträge keine Mehrheit fanden.

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Die Haltung von Tieren in die erweiterte Lebensmittelkennzeichnung einzubeziehen, fordert auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace. “Mehr Transparenz auf unseren Tellern ist ein wichtiger Beitrag für ein nachhaltiges und krisensicheres Lebensmittelsystem. Gerade bei tierischen Produkten wie Fleisch ist eine Kennzeichnung rein nach der Herkunft aber nicht ausreichend, denn auch in Österreich ist die Produktion von Fleisch mitunter umweltzerstörerisch und qualvoll für die Tiere”, sagt Sebastian Theissing-Matei von Greenpeace Österreich.

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