CO2-Fußabdruck

Inoqo: Österreichische App hilft dir, nachhaltiger zu leben

So soll die App von Markus Linder aussehen © Inoqo
So soll die App von Markus Linder aussehen © Inoqo

Fitness-Apps helfen Nutzern dabei, ihre sportlichen Aktivitäten aufzuzeichnen und motivieren spielerisch zu mehr Sport. Genau dieses bewährte Prinzip legt ein Gründer aus Österreich nun auf nachhaltigen Konsum um.

Die App Inoqo zeichnet Einkäufe automatisch auf und analysiert sie: Wie groß ist der CO2-Fußabdruck des Einkaufwagerl-Inhalts, für welche Produkte gibt es nachhaltigere Alternativen und wie schneide ich im Vergleich zu anderen Nutzern ab? Der Clou: Milch, Nudeln, Eier, Fleisch und Co. müssen nicht mit dem Smartphone gescannt werden – wie den Entwicklern dieser Trick gelungen ist, will Inoqo-Gründer Markus Linder im Gespräch mit Tech & Nature aber noch nicht verraten.

Inoqo ist Linders zweites Startups

Linder weiß, was er tut. Er ist Software-Startup-Profi – sein erstes Unternehmen, das er vor 13 Jahren in Wien gegründet hatte, ist mittlerweile eine internationale Firma mit Sitz in London. Zovoo, wie das ehemalige Startup heute heißt, hat bisher insgesamt mehr als 25 Millionen Dollar Kapital von Investoren aufgenommen und hat fast 200 Mitarbeiter. Linder war bis 2018 CEO und ist nach wie vor größter Anteilseigner – vergangenes Jahr hatte er Zovoo verlassen, um sich einem neuen Projekt zu widmen.

In Österreich entsteht gerade ein „Runtastic“ für Weltretter

Warteliste für den Launch

Ende 2019 war Inoqo noch eher eine ausgereifte Idee. In wenigen Monaten ist es Linder gelungen, ein Team aufzubauen, eine erste Pre-Seed-Finanzierung im sechsstelligen Bereich und Förderungen in ähnlicher Größenordnung zu sichern und nun stehen er und sein Team kurz vor der Firmengründung und suchen Mitarbeiter. Noch heuer soll die App zumindest für einen geschlossenen Testerkreis fertiggestellt werden – wer Interesse hat, kann sich auf der Website bereits auf eine Warteliste setzen lassen.

CO2, Bienen und glückliche Hühner

Wenn sie fertig ist, funktioniert die App so: Vor dem Einkaufen füllt der Nutzer in der App einen einfachen Fragebogen zu seinen Präferenzen und Werten aus – mag man Bio-Eier, Eier aus Freilandhaltung, legt man Wert auf Regionalität oder vielleicht auf zertifiziertes Palmöl? Die App berechnet dann nicht nur den CO2-Abdruck des Einkaufs, sondern prüft auch, ob die eigenen Werte vielleicht in kleingedruckten Zutatenlisten verletzt werden. Ist das der Fall, schlägt Inoqo Alternativen vor. Am Ende wird der Nutzer gelobt: Durch nachhaltigeres Einkaufen hat man Lebensraum für so und so vielen Bienen unterstützt und vielleicht hat man dem einen oder anderen Huhn durch den Kauf von Bio-Eiern ein besseres Leben ermöglicht.

Auf „Nudging“, kleine Anreize, die Nutzer zu einem bestimmten Verhalten motivieren, setzt die App aber noch viel breiter. Weil die Klimakrise nur gemeinsam bekämpft werden kann, können Nutzer in Inoqo Teams beitreten. Zum Beispiel dem „Team Österreich“, das dann gemeinsam noch viel mehr Bienen und Hühner glücklich macht. Oder dem Team eines Unternehmens, das dann für diese Marketingmaßnahme etwas bezahlt – ein Standbein des Geschäftsmodells des Jungunternehmens.

„Wandel muss auch von Konsumenten ausgehen“

Linder glaubt, dass die Kraft, die Klimakrise aufzuhalten zu einem guten Teil bei den Konsumenten liegt. „Die Politik alleine wird es nicht richten“, sagt der Gründer, der nebenbei auch in Nachhaltigkeits-Startups investiert. „Der Wandel muss auch von uns Konsumenten ausgehen“. Er ist davon Überzeugt, dass der notwendige Wertewandel möglich ist. „Vor nicht allzu langer Zeit waren Frauenrechte noch undenkbar“, sagt Linder in Hinblick auf andere große Herausforderungen, bei denen ein Wertewandel eingesetzt habe. „Die Coronakrise hat gezeigt, dass die Anpassung des eigenen Verhaltens in einer Krise auch sehr schnell gehen kann, wenn es sein muss“.

Markus Linder entwickelt die Nachhaltigkeits-App Inoqo © Linder
Markus Linder entwickelt die Nachhaltigkeits-App Inoqo © Linder

Linder versucht, in regelmäßigen Abständen selbst eine neue, nachhaltigere Verhaltensweise anzunehmen. Am leichtesten sei der Umstieg auf Ökostrom gewesen: „Das hat nur ein paar Minuten gedauert“. Die größte Herausforderung sei hingegen eine nachhaltige Mobilität – die Familie hat ihr Auto verkauft und fährt jetzt nur noch E-Bike, Öffis, Zug und ganz selten Sharing-Autos.

Affiliate Marketing für das Supermarktregal

Finanzieren soll sich die für Nutzer kostenlose App aber über Werbung. Und dazu hat sich Linder ein innovatives Modell einfallen lassen. Nachhaltige Produkte können in der App einer passgenauen Zielgruppe präsentiert werden und zwar dann, wenn diese ohnehin gerade vor dem Supermarktregal steht. Bezahlt wird, und das ist das Besondere, erfolgsabhängig, also nur dann, wenn ein Kunde das Produkt tatsächlich kauft. Damit holt Inoqo Digitales Affiliate Marketing in die Offline-Welt der Geschäfte.

Linder rechnet damit, mit diesem Werbe-Modell dreistellige Millionenbeträge umzusetzen. Angst vor Greenwashing hat er nicht. „In Inoqo dürfen unabhängig vom Unternehmen nur nachhaltige Produkte beworben werden“, erklärt Linder. Das sei leichter zu kontrollieren und außerdem sieht er darin sogar einen gewissen Anreiz für Unternehmen, nachhaltigere Produkte auf den Markt zu bringen.

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