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Innsbrucker Grüne wollen Innenstadt von Autos befreien

(v.l.n.r.) Studienautor Hannes Reinstaller, Mobilitätsstadträtin Uschi Schwarzl, Klubobfrau Janine Bex, Bürgermeister Georg Willi © Die GRÜNEN - Die GRÜNE Alternative Tirol
(v.l.n.r.) Studienautor Hannes Reinstaller, Mobilitätsstadträtin Uschi Schwarzl, Klubobfrau Janine Bex, Bürgermeister Georg Willi © Die GRÜNEN - Die GRÜNE Alternative Tirol

Um in Städten die CO2-Emissionen zu senken, setzen deren Regierungen in Österreich immer häufiger auf eine Reduzierung des Autoverkehrs. So hat beispielsweise Linz im Sommer 2020 versucht, seine Innenstadt autofrei zu machen. Jedoch beendete die Stadt das Experiment nach nur fünf Tagen wieder (wir berichteten). Nun ist Innsbruck an der Reihe. Die Innsbrucker Grünen um Bürgermeister Georg Willi wollen die Innenstadt der Tiroler Landeshauptstadt nämlich ebenfalls von Autos befreien – zumindest oberirdisch, schreibt der ORF.

Linz beendet „autofreie Innenstadt“ nach nur fünf Tagen

„Mehr Lebensqualität für die Stadt“

„Die Zeit dafür ist reif“, sagte Georg Willi am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Es gäbe momentan Parkplätze für 10.000 Fahrzeuge in der Innenstadt. Bereits eine Verlagerung von zehn Prozent der Stellplätze in angrenzende Gebiete führe zu einem autofreien Kernbereich, so Janine Bex, Klubobfrau der Grünen in Innsbruck. Statt Parkstraßen will die Partei mehr Fußgängerzonen, Radwege, breite Gehsteige und mehr Raum für Öffis, Handel und Gastronomie.

„Das macht die Stadt ruhiger und die Menschen bekommen Platz, mehr Bäume, mehr Aufenthaltsqualität, mehr wassergekühlte Flächen, um es in heißen Sommern kühler zu haben. In Summe steigt dadurch die Lebensqualität in der Stadt“, so Georg Willi. Eine von den Grünen in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie des Innsbrucker Büros für Verkehrs- und Raumplanung bildet die Basis für die Idee.

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Innsbruck soll Wirtschaft durch Fußgängerzonen stärken

In den kommenden fünf Jahren will die Stadtregierung schrittweise den Plan umsetzen und dabei mit der Bevölkerung im Gespräch bleiben. Kurzparkplätzen sollen sukzessive verschwinden. Ausnahmen würde es für Behindertenparkplätze geben, für Taxen und für Ladezonen oder bestimmte Berufe wie Handwerker:innen. Alle anderen müssen entweder außerhalb oder in Tiefgaragen parken. Diese Maßnahme soll nicht nur der Umwelt, sondern auch der Wirtschaft helfen. Mehr Fußgänger würden laut den Grünen nämlich auch mehr Einkäufe in Geschäften bedeuten.

Tatsächlich sind die Kaufleute laut dem ORF dieser Idee durchaus zugeneigt. Fußgängerzonen würden durchaus Kundschaft anziehen, sagt der Sprecher des Zentrumsvereins, Michael Perger: „Das hat Aufenthaltsqualität, da flaniert man gerne. Aber die Zufahrt muss gewährleistet sein, man muss die Tiefgaragen intelligent füllen, das wird ein Knackpunkt sein. Auch die Anlieferung für die Händlerinnen und Händler, für die Gastronomiebetriebe muss einfach gemacht werden.“ Die Tiroler Wirtschaftskammer fordert dagegen ein Gesamtkonzept, in das auch Gewerbe- und Handwerksbetriebe eingebunden sind.

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Andere Parteien lehnen den Plan ab

Ablehnung kommt von den anderen Parteien. Die ÖVP hält die Idee für einen „unausgegorenen Wahlkampfgag“. Die Anwohner:innen der Innenstadt würden dadurch mit längeren Fußwegen kämpfen müssen. Laut der FPÖ verschwinden die Fahrzeuge durch die Maßnahme nicht, was in den angrenzenden Gebieten Stellplatzprobleme auslösen würde. Dagegen begrüßt die SPÖ das Konzept an sich, kritisiert aber, dass die Grünen die Aktion ohne Rücksicht auf Menschen mit Einschränkungen und Behinderungen durchführen wolle.

Ob die Grünen die Innenstadt wirklich autofrei machen können, ist fraglich. In Innsbruck gibt es seit dem Frühjahr keine Koalition im klassischen Sinne mehr. Laut dem ORF ist das Viererbündnis aus Grünen, SPÖ, ÖVP und der Partei „Für Innsbruck“ auseinandergebrochen. Seitdem „regiert“ in der Stadt das „freie Spiel der Kräfte“. Die Umsetzung im Alleingang wäre also sehr schwierig.

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