Grüner Antrieb

In Österreich kann man jetzt erstmals mit einem Wasserstoffzug fahren

Die ÖBB haben heute am Wiener Hauptbahnhof den weltweit ersten wasserstoffbetriebenen Zug namens „Coradia iLint“ gezeigt und erste Tests im Fahrgastbetrieb angekündigt. Wer mag, kann in den nächsten Wochen auf ausgewählten Strecken eine Probefahrt machen. Der Zug ist zu einhundert Prozent CO2-neutral, extrem leise und soll eine neue Ära einleiten.

Der Zug wurde vom französischen Hersteller Alstom entwickelt. „Wir verstehen uns ganz klar als Pioniere beim Testen der Wasserstofftechnologie auf der Schiene. Als größtes Klimaschutzunternehmen Österreichs gestalten wir mit technologischen Alternativen die Mobilität der Zukunft aktiv mit“, erklärte Andreas Matthä, Vorstandsvorsitzender der ÖBB Holding, im Rahmen des Pressetermins. Alles, was der Zug an die Umwelt abgebe, sei Wasser, „reines H2O“, hieß es von Jörg Nikutta, Sprecher der Geschäftsführung von Alstom in Deutschland und Österreich.

In Österreich wird die erste Wasserstoff-Schmalspurbahn der Welt entwickelt

Rund zehnwöchige Testphase

In den nächsten zehn Wochen soll der Zug „auf Herz und Nieren“ überprüft werden. Ziel sei es, „Erfahrungen in technischer, betrieblicher und wirtschaftlicher Sicht mit der alternativen Antriebstechnologie zu sammeln“. Der Wasserstoffzug wird während der Testphase auf der Apsangbahn beziehungsweise der Thermenbahn von Wien über Wiener Neustadt nach Fehring und außerdem auf der Strecke zwischen Wiener Neustadt und Puchberg sowie Gutenstein unterwegs sein. Der genaue Fahrplan ist online abrufbar – und der Zug grundsätzlich für alle Fahrgäste offen.

ÖBB: CO2-neutral bis 2030

Die Vorstellung des „Coradia iLint“ soll nur der erste Schritt in Richtung CO2-Neutralität sein. Das erklärte Ziel der ÖBB ist es, bis 2030 im Mobilitätssektor CO2-neutral unterwegs zu sein. Dafür brauche es neben der Elektrifizierung bestehender Dieselstrecken auch den „Einsatz von Schienenfahrzeugen mit alternativen Antrieben“. Konkret würden vor allem zwei Varianten in Frage kommen: Akkuzüge, wie beispielsweise der „Cityjet eco“, und eben wasserstoffbetriebene Triebwägen.

Grüner Wasserstoff unabdingbar

Eingesetzt werden soll die Wasserstoffzug-Flotte künftig vor allem auf Strecken, die keine Elektrifizierung erlauben. Das betreffe vorrangig „geografisch anspruchsvolle“ Nebenbahnen. Der für den Antrieb verwendete Wasserstoff stammt von der Verbund AG. Wie Jörg Nikutta betonte, sei es dabei unabdingbar, dass auch der Wasserstoff „grün“ produziert wird. Sei das nicht der Fall, sei er für die ÖBB nicht interessant – immerhin wäre in diesem Fall natürlich die CO2-Neutralität nicht mehr gegeben.

Als wissenschaftliche Partner sind „Shift2Rail  Joint Undertaking“, Das Austrian Institute of Technology und HyCentA dabei. Damit werde sichergestellt, dass die Betrachtung der Wasserstofftechnologie „aus verschiedenen wissenschaftlichen Blickwinkeln“ erfolgt. Wann die Wasserstoffzüge außerhalb der Testphase serienmäßig zum Einsatz kommen, ist noch nicht bekannt.

Auch in Deutschland und den Niederlanden laufen bereits Tests mit demselben Zug. Der Unterschied zu den Tests der ÖBB liegt laut Pressemitteilung vor allem in den „anspruchsvollen Strecken“ und dem „Test auf Herz und Nieren“.

Die Wiener Firma, die mit Schadholz grünen Wasserstoff machen möchte

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