In Österreich entsteht gerade ein "Runtastic" für Weltretter

Sara Grasel - 16 Jän 2020

Es ist oft schwer zu erkennen, wie groß der CO2-Fußabdruck von Lebensmitteln ist © Unsplash

„Klimakrise und Biodiversitätskrise werden sehr stark durch nicht nachhaltigen Konsum getrieben“, meint Markus Linder. Der österreichische Unternehmer ist vergangenes Jahr aus seinem ersten Startup, Zoovo, früher Smartassistant, operativ ausgestiegen, nachdem er es gemeinsam mit seinen Co-Foundern zu einem internationalen Erfolg gemacht hatte. Danach folgte eine Auszeit. Reisen, mehr Zeit mit der Familie und auch Zeit, um nachzudenken. „Mich beschäftigt stark, in welcher Welt meine Kinder in 20 oder 50 Jahren leben werden“. Linder unterstützt deshalb Jungunternehmen, die sich Nachhaltigkeits-Themen widmen. Und er will auch selbst wieder gründen. Die Idee ist eine App, die ein bisschen wie ein „Runtastic“ für Weltretter funktionieren soll.

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Spielerisch nachhaltiger einkaufen

Die noch namenlose App soll den Impact von Produkten auf Klima und Biodiversität tracken und Vorschläge zu grüneren Alternativen machen. In der Auswertung sehen Nutzer zum Beispiel, wieviel CO2 sie eingespart haben oder wieviel Lebensraum für Bienen sie ermöglicht haben und was die nachhaltigsten oder am wenigsten nachhaltigen Produkte waren, die sie gekauft haben. „Wir möchten die User durch Gamification und Nudging auch dazu bringen, dass sie ihre Ansprüche an Produkte verfeinern“, erklärt Linder seine Vision. In einem ersten Schritt soll es dabei um Lebensmittel gehen, später könnten Mode oder Mobilität hinzukommen.

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Über das Scannen des Barcodes von Produkten im Supermarkt können Nutzer der App den Impact eines Produktes zu ermitteln – drunter fällt beispielsweise der CO2-Abdruck des Produktes, aber zum Beispiel auch, ob Eier aus Käfighaltung enthalten sind oder Palmöl. Laut Linder hat das Team aber sogar einen Weg gefunden, den gesamten Einkauf auch ohne einzelne Lebensmittel-Scans zu tracken. Entspricht ein Produkt nicht den vom Nutzer zuvor definierten Werten, dann gibt es eine Warnung. „Wir als Konsumenten sind letztlich die, die es in der Hand haben“, so der Unternehmer.

„Für uns werden Meere überfischt, der Boden in großem Ausmaß verbraucht, Wälder abgeholzt. Ich will nicht nur auf die Politik vertrauen“. Markus Linder

Performance Marketing im Geschäft

Sein neues Projekt stellt sich Linder nicht als gemeinnützigen Verein vor – er plant ein Geschäftsmodell, das auf Performance-Marketing basiert. „Im Online-Bereich gibt es Performance-basiertes Marketing bereits als Multimilliarden-Dollar-Markt. Dadurch, dass wir wissen, was unsere User kaufen, können wir dieses Modell Online-to-Instore umsetzen“, erklärt er. Was heißt das in der Praxis? „Viele nachhaltige Produkte sind leider unbekannt, vor allem, wenn sie ganz neu sind. Über unsere Technologie könnten Brands Micro-Segments ansprechen, die sich genau für die Werte interessieren, für die das Produkt steht. Man könnte zum Beispiel Werbung ausspielen an alle, die zwar nicht vegan sind, aber ihren Fleischkonsum reduzieren wollen und denen Regionalität wichtig ist. Das Unternehmen zahlt nur dann, wenn ein Kunde das Produkt im Geschäft kauft“.

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Team gesucht

Die Idee ist ausgereift, für die Umsetzung fehlt Linder aber noch das Team. „Es gibt ein Founding Committee, das mit mir das Executive Team finden und aufbauen wird“. Gesucht werden für den Start ein erfahrener Startup-COO, ein Chief Product-Officer mit App-Erfahrung und ein wissenschaftlichen Leiter, der den Impact von Produkten ermitteln soll.

Hinter dem Text

Sara Grasel

Sara Grasel ist erfahrene Wirtschaftsjournalistin, leidenschaftliche Schreiberin und Chefredakteurin von Tech & Nature.

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