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Wasserknappheit

HypoWave: Dieses Gemüse wächst mit recyceltem Wasser

© ISOE / HypoWave
© ISOE / HypoWave

Für Landwirt:innen in Niederösterreich war der heurige Sommer eine Zeit des Bangens. Juni und Juli waren, wie von den Niederösterreichischen Nachrichten berichtet, extrem trocken, die Hitze hatte dem Mais, den Sonnenblumen und den Kürbissen auf den Feldern stark zugesetzt. Den Kulturpflanzen fehlte das Wasser um zu wachsen. Allein bei Raps und Getreide wurde der Ernteausfall von den Landwirt:innen auf bis zu 70 Prozent geschätzt.

Doch nicht nur in Niederösterreich ist die Zunahme von Dürren ein Problem. Die Trockenheit, die mit der Klimakrise deutlich zunimmt, ist weltweit eine Herausforderung für die Landwirtschaft. Sie ist verstärkt auf zusätzliche Bewässerung angewiesen, um die Lebensmittelproduktion, von der so viele Menschen abhängig sind, zu gewährleisten. Gleichzeitig steigt der globale Wasserverbrauch laut Unesco seit den 1980er Jahren um etwa ein Prozent pro Jahr an. Erwartet wird, dass der Wasserbedarf bis 2050 ähnlich stark steigen wird. Wasser ist eine Ressource, die knapper wird.

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Hypowave: Gemüseanbau mit recyceltem Wasser

Die Forschung arbeitet daher verstärkt daran, Methoden für die Landwirtschaft zu entwickeln, mit denen Wasser sparsamer eingesetzt werden kann. Im Rahmen des Projekts HypoWave der Technischen Universität Braunschweig entwickelten Forschende ein Anbauverfahren, bei dem Gemüse mit recyceltem Wasser angebaut wird. Das funktioniert so: Im Gegensatz zur traditionellen Landwirtschaft wachsen die Kulturpflanzen nicht in Erde, sondern sie werden nebeneinander in lange Rohre eingebettet, über die sie mit einer Nährlösung versorgt werden. Für diese wiederum verwenden die Forschenden Wasser, dass durch die Rohre geleitet, aufgefangen und wiederverwendet wird. Dadurch entsteht ein Kreislauf, durch den große Mengen der wertvollen Ressource gespart werden können. Damit stellt das Verfahren eine Alternative zur Bewässerung mit Trink- und Grundwasser dar. Zudem lässt sich die Nährstoffversorgung der Pflanzen durch das Verfahren optimieren, da den Pflanzen lebenswichtige Nährstoffe wie z.B. Stickstoff und Phosphor aus dem aufbereiteten Wasser gezielt zugeführt werden können.

Das Verfahren wurde im niedersächsischen Hattorf bereits erfolgreich erprobt, so die Forschenden, nun planen sie das Projekt auszuweiten. „Jetzt geht es darum, die Erfahrungen mit dem wassereffizienten Verfahren auf der Basis von recyceltem Wasser in die Großproduktion zu bringen und wissenschaftlich zu begleiten“, sagt Projektleiter Thomas Dockhorn von der Technischen Universität Braunschweig in der Pressemitteilung des Instituts für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt (ISOE). Gemeinsam mit niedersächsischen Landwirt:innen planen sie, in Gewächshäusern 700 Tonnen Tomaten und Paprika auf einer Anbaufläche von einem Hektar zu produzieren. Für zukünftige Projekt dieser Art ist zu bedenken, dass die Beheizung und Beleuchtung von Gewächshäusern enorm viel Energie verbraucht. Ob das Projekt in Summe umwelt- und ressourcenschonend ist, hängt daher nicht nur davon ab, ob das Wasser wiederverwertet wird, sondern auch davon, woher die Energie für die Gewächshäuser kommt. Immerhin soll das Gemüse, abgesehen von einer kurzen Winterpause, ganzjährig im regionalen Lebensmitteleinzelhandel verkauft werden. Laut Projektkoordinatorin Martina Winker vom ISOE ziele man darauf ab, nicht nur für den Standort in Niedersachsen eine tragfähige Lösung für die Bewässerung zu entwickeln, sondern daraus auch Empfehlungen für andere Orte und Landwirt:innen ableiten zu können.

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Niederösterreich förderte bereits eigene Projekte

Auch in Niederösterreich, wo die Trockenheit dem Mais, den Sonnenblumen und den Kürbissen auf den Feldern zu Schaffen macht, gab es in der Vergangenheit bereits Anstrengungen, Ernten im Bundesland künftig besser zu sichern. Laut der niederösterreichischen Landesregierung wurden in den Jahren 2014-2020 insgesamt 45 Bewässerungsprojekte umgesetzt mit Gesamt-Investitionen in Höhe von 34 Millionen Euro unterstützt durch Bund, Land und EU. Zu den Maßnahmen gehörten bisher, neue Bewässerungsanlagen und Pumpen aufzubauen, alte Diesel-Aggregate zu elektrifizieren oder Speicherteiche zu errichten. Innovative Bewässerungskonzepten fehlen derzeit noch. Der regionale, wasserschonende und ganzjährig mögliche Gemüseanbau, wie beispielsweise mit der in Deutschland nun entwickelten HypoWave-Technologie , könnte daher auch hierzulande zu einer echten Option für Landwirt:innen werden – sofern sich das Verfahren im großen Maßstab als erfolgreich erweist.

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