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Kreislaufwirtschaft

HolyPoly: Dresdner Startup bringt „heiligen Kunststoff“ zu großen Marken

Das Team des Startups @HolyPoly
Das Team des Startups @HolyPoly

Plastik ist ein Problem und das nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch. So hat das internationale Beratungsunternehmen Dalberg im Auftrag der Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) im Rahmen einer im September veröffentlichten Studie analysiert, welche Kosten für Produktion, Verwertung und Abfall von Kunststoffen für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft entstehen. Das Ergebnis: Das Material kostet, basierend auf den Untersuchungszeitraum 2019, weltweit jedes Jahr 3,1 Billionen Euro. Damit sind die Kosten über den gesamten Lebenszyklus um zehn Mal höher als der Marktpreis, so das Resümee.

Somit ist es von elementarer Bedeutung, die Ressource mehrmals zu nutzen und so durch entsprechendes Recycling die Kosten, welche sonst für Neuproduktion und Entsorgung notwendig wären, zu vermeiden. Doch was sich selbst im Alltag teilweise als Herausforderung herausstellt, wird im unternehmerischen Kontext nicht einfacher. Gerade mit diesem Vorwissen klingt die Aussage „Wir lieben Plastik!“ noch ein wenig verwunderlicher. Diese sonst eher unpopuläre Aussage stammt von dem Jungunternehmen HolyPoly aus Dresden. Dieses konzentriert sich auf den B2B-Sektor und übernimmt die Implementierung von recycelten Produkten bei Markenherstellern, vom Entwurf über Prototyping und Serienproduktion bis hin zur Vermarktung der neuen Produkte. Das Ziel dabei: Die Produkte müssen zu 100 Prozent recycelt sein und gleichzeitig selber zu 100 Prozent recyclingfähig sein. 

Plastik kostet Weltgemeinschaft jährlich 3 Billionen Euro

HolyPoly als Fullservice-Dienstleister

Angefangen hat alles in der „Kunststoffschmiede“. Diese ist eine offene Recyclingwerkstatt des Dresdner Vereines Konglomerat. „Die Kunsstoffschmiede ist dabei eher ein Umweltbildungsprojekt“, so Matthias Röder von HolyPoly im Gespräch mit Tech & Nature. Er leitet neben Johanna Bialek, Fridolin Pflüger und Pascal Haaf das im Frühjahr gegründete Jungunternehmen. Über 120 Workshops hätten sie im Rahmen der Kunststoffschmiede in drei Jahren durchgeführt, so Röder. Dabei erhielten sich auch die ersten Anfragen von Unternehmen und bei dem Gründer:innenteam wuchs die Erkenntnis, dass es auch Bedarf auf Seiten der Industrie gebe und dabei niemanden, der diesen bisher deckt. So entstand die Idee zur Unternehmensgründung. 

HolyPoly will nun genau bei diesem Bedarf ansetzen. „Wir wollen ein Fullservice-Dienstleister sein und alle Bereiche des Prozesses und alle Problemstellungen bei der Umstellung eines Produktes in ein 100 Prozent recycelbares Produkt für einen Markenhersteller behandeln und lösen“, so Pascal Haaf ebenfalls im Gespräch mit Tech & Nature. Dafür analysiert das Team zunächst den Status Quo im Rahmen eines sogenannten „Circularity Scopings“, erstellt ein Projektkonzept, fertigt in einer eigenen Werkstatt Prototypen der von ihnen erdachten Lösung  und „begleitet die Unternehmen dann Schritt für Schritt in die Groß-Serienproduktion“, so das Startup. Für die Serienproduktion arbeiten sie bei Bedarf mit ihren eigenen Partnerunternehmen zusammen, um so die Umsetzung auch zu gewährleisten – eben ein Komplettpaket. 

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Nachfrage ist groß

Mit diesem Konzept konnten sie nun auch schon einige Kund:innen überzeugen. So zählen bisher unter anderem die Spielzeughersteller Mattel und FisherPrice zu den Unterstützern und auch der bekannte Safthersteller Innocent ist auf HolyPoly aufmerksam geworden, so das Jungunternehmen. Das Interesse der Konzerne ist den beiden Gründern zufolge sehr groß. „Unternehmen sind jetzt aufgrund der weltpolitischen und klimatischen Lage gezwungen wirklich umzusteuern und brauchen dafür nun auch die Lösungskonzepte“, so Röder. Diese will HolyPoly bringen.

18 festangestellte Mitarbeiter:innen komplementieren im Moment das Team von HolyPoly, bis Ende des Jahres soll das Team auf 21 Personen anwachsen, so das Jungunternehmen. Die Ziele für die nächsten zwei Jahre sind klar. „Der Plan ist es verstärkt in die Groß-Serienproduktion zu kommen. Bisher stehen ja sowohl wir, als auch die Unternehmen am Anfang der Entwicklung und von daher ist es natürlich unser klares Ziel, die Mengen hoch zu skalieren“, so Matthias Röder. „Im Endeffekt geht es uns auch darum, das Image von recycelten Produkten zu verbessern und zu zeigen, das Recycling eben auch für ikonische, hochwertige Produkte von namenhaften Markenherstellern stehen kann. Daher wollen wir diese dazu bewegen die Produkte mit uns herzustellen und auf den Markt zu bringen“, so Pascal Haaf von HolyPoly.

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