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HeyHo: Das wohl sozialste Müsli Deutschlands

Das Team von Hey Ho © Andreas Tamme
Das Team von Hey Ho © Andreas Tamme

Das deutsche Startup HeyHo ist ein Paradebeispiel dafür, dass soziale und ökologische Verantwortung mittlerweile ein ganz wichtiges unternehmerisches Motiv geworden sind. Das Team rund um die Gründer Christian Schmidt, Stefan Buchholz und Timm Duffner besteht aus sozialen Härtefällen, röstet Bio-Zutaten per Hand und verpackt das fertige Granola in wiederverwendbare Schraubgläser. „Es gibt sehr viel Einheitsbrei im Müsli-Segment. Wir dachten uns, da ist noch Raum für Wahnsinn und Kreativität“, erzählt Christian Schmidt im Gespräch mit Tech & Nature.

Vorbild für soziales Engagement: Ben & Jerry’s

Es gibt die mit Honig und Agavensirup gerösteten Haferflocken relativ klassisch mit gefriergetrockneten Himbeeren, aber auch als „Late Night“-Version mit in Schokolade getunkten Salzbrezerln. Damit letztere nicht brechen, werden sie am Ende der Produktion von Hand ins Glas gelegt. Schmidt und Timm Duffner haben sich bei der Eiscreme-Firma Ben & Jerry’s kennengelernt. In der Lebensmittelindustrie kennen sie sich also aus und wissen, wie man eine „coole“, junge Marke aufbaut. Was sie aber vor allem aus ihrer Erfahrung bei dem US-Unternehmen mitnehmen wollten, war die soziale Verantwortung, die bei der Marke Ben & Jerry’s eine große Rolle spielt.

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„No questions asked“

Als sie durch Zufall Stefan Buchholz kennenlernten, war das Gründungsteam für die Müsli-Manufaktur, die ihnen vorschwebte, perfekt. Buchholz hatte zu diesem Zeitpunkt rund 20 Jahre lang eine Einrichtung für Wohnungslose geleitet und erzählte den beiden von einem anderen US-Unternehmen mit hohem sozialen Engagement, der „Greyston Bakery“. Der Gründer dieser Bäckerei, ein Zen-Buddhist, stellt ausschließlich ehemalige Häftlinge an und zwar nach dem „First come, First served“-Prinzip, ohne auf den Lebenslauf zu schauen. „‚No questions asked‘ ist die Idee dahinter. Das fanden wir so cool: diese radikale Offenheit gegenüber Menschen“, erinnert sich Schmidt.

„Ich war auch nicht vorurteilsfrei“

Sie holten Buchholz an Bord und gründeten HeyHo. Mittlerweile arbeiten dort drei Menschen mit „schwierigen Lebensläufen“ in fester Anstellung und einige mehr in der Produktion. Und es läuft besser, als sich die Gründer zunächst dachten. „Ich war auch vorher nicht vorurteilsfrei. Ich dachte, die Leute kommen vielleicht nach einer Woche nicht mehr oder kommen andauernd zu spät. Aber das Gegenteil ist der Fall“. Einer der Mitarbeiter im Versandlager beispielsweise hat eine Depressionserkrankung und eine übersteigerte Ordnungsliebe. „Kein einfacher Typ“, erzählt Schmidt. Zu Beginn habe er andere Mitarbeiter nicht einmal begrüßt, mittlerweile ist er aber fixer Bestandteil des Teams. „Mit seinem „Krankheitsbild“ ist er im Versandlager ideal eingesetzt, weil man da sehr genau sein muss und sich an Prozesse halten muss“.

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Mehr Zeit für die Mitarbeiter

Genau darin liegt die Besonderheit im Management von Menschen, die vielleicht keinen vorbildlichen Lebenslauf hatten oder bei denen Krankheiten das Arbeiten erschweren. Zwei Mitarbeiter waren früher viele Jahre in Haft und suchtkrank. „Wir geben den Mitarbeitern viel mehr Raum und Aufmerksamkeit als das vielleicht ein normaler Betrieb tut“, erklärt Schmidt. „Leute, die länger aus dem Arbeitsleben raus sind, bringen auch mehr Unsicherheit mit, sind vielleicht nicht gleich voll belastbar. Das erfordert auch eine Auseinandersetzung mit dem Menschen“.

Alle in der Produktion verdienen gleich viel

Hey Ho setzt auch auf ein spezielles Lohnmodell. In der Produktion verdienen alle gleichviel. Und die Gründer reden auch offen darüber, wieviel das genau ist: „Unser Ziel ist ein ganz klare Transparenz bei den Gehältern. Jeder soll wissen, was der andere verdient“. Der Lohn liege dabei „deutlich über Mindestlohn“, betont Schmidt. Wie hoch der Stundenlohn sein muss, wurde zu Beginn berechnet: „Wir haben uns überlegt, wieviel man braucht, um nicht auf jeden Euro achten zu müssen“.

Ungefähr 200 Kilogramm Müsli werden in der Manufaktur von Hey Ho täglich geröstet. Im Jänner habe das etwa 40.000 Gläser ergeben. Noch ist das soziale Granola nur in Deutschland erhältlich – selbst über den Webshop. Das soll sich aber schon bald ändern, man arbeite intensiv an einem Versand nach Österreich, verrät der Jungunternehmer.

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