Tech & Nature

Experiment

Herdentrieb: Spendenbereitschaft für Klimaschutz steigt je mehr Menschen mitmachen

© dmncwndrlch on Pixabay
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Ein nachhaltiger Lebensstil erfordert vom Einzelnen ein bestimmtes Maß an Verzicht. Einigen Menschen fällt es schwerer als anderen, ihren Fleischkonsum aufzugeben oder weniger mit dem Auto zu fahren. Das hat beispielsweise eine Umfrage der europäischen Investitionsbank EIB ergeben (Tech & Nature berichtete). Ob sie bereit sind, Opfer für den Klimaschutz zu bringen oder auch Geld darin zu investieren, hängt aber dazu auch maßgeblich von sozialen Normen ab. Das zumindest zeigt eine aktuelle Studie der Universitäten Bonn und Köln. Diese konnten nun einen gewissen Herdentrieb ausmachen, wenn es um genügend Motivation für mehr Klimaschutz geht. Den Ergebnissen der Studie nach, brauchen viele Menschen die Gewissheit über die Bereitschaft  ihrer Mitmenschen für mehr Klimaschutz, um selbst die nötige Motivation dazu zu verspüren.

Für den Klimaschutz das Auto aufgeben fällt am schwersten

Klimaschutz als soziale Norm wahrnehmen

„Klimaschutz ist eine Frage der Kooperation. Menschen neigen aber dazu, nur bedingt kooperativ zu sein: Wenn du mitmachst, mache ich auch mit. Deswegen ist es gerade im Kampf gegen den Klimawandel wichtig, Fehleinschätzungen zur Kooperationsbereitschaft anderer aufzudecken und zu korrigieren“, erklärt Armin Falk, Professor an der Universität Bonn. Menschen sollten Nachhaltigkeit als eine soziale Norm wahrnehmen, um klimapolitischen Maßnahmen gegenüber mehr Akzeptanz zu zeigen und ihr eigenes Verhalten zu ändern.

Die Forschenden haben für die Studie ein Experiment in den USA durchgeführt. Rund 8.000 repräsentativ ausgewählte Erwachsene hatten dabei in einer Art Gewinnspiel die Möglichkeit, 450 Dollar zu gewinnen. Vorab mussten sie jedoch angeben, wie viel sie davon an eine Klimaschutz-Organisation spenden würden. Ihnen wurde gesagt, mit dem Gesamtbetrag ließe sich der jährliche CO2-Ausstoß eines durchschnittlichen US-Amerikaners kompensieren. Anhand der genannten Beträge konnten Wissenschaftler messen, inwieweit die Menschen bereit waren, auf Kosten des eigenen Gewinnes den Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen.

Forscher haben ein Spiel über Klimaschutz-Ausreden entwickelt

Menschen unterschätzen Aktivismus von anderen

Im Schnitt gaben die Befragten an, sie würden die Hälfte des Geldgewinns für den Klimaschutz spenden. Die Forschenden fragten die Teilnehmenden außerdem, wie hoch sie den Spendenanteil ihrer Landsleute einschätzen, die laut Umfragen selber die Bekämpfung des Klimawandels für wichtig halten und sich aktiv dafür engagieren. Dabei zeigte sich, dass die Befragten den tatsächlichen Anteil der Klimaschutz-Aktiven und der Klimaschutz-Befürwortenden deutlich unterschätzen. 62 Prozent setzen sich nämlich aktiv ein, 79 Prozent sind für mehr Maßnahmen.

Es zeigte sich, dass die Teilnehmenden großteils mehr spenden wollten, wenn sie die Anzahl der Klimaaktivisten vor ihrer Entscheidung kannten. Die Spendenbereitschaft fiel laut den Forschern in diesem Fall um fünf bis sechs Prozent höher aus. Besonders groß sei der Effekt bei Menschen, die den Klimawandel leugnen oder ihm zumindest skeptisch gegenüberstehen. Im Durchschnitt spendeten Frauen 17 Dollar mehr für den Klimaschutz als Männer. Mit höherem Haushaltseinkommen stieg außerdem die Spendenbereitschaft.

Das Forschungsteam hat auch die Persönlichkeitsmerkmale der Teilnehmer analysiert. Vor allem Geduld und die Absicht, zum Wohlergehen anderer beizutragen, wirkten sich ihm zufolge dabei positiv auf die Bereitschaft zum Klimaschutz aus. Auch waren Teilnehmende, deren moralische Werte universell für alle Menschen gelten, zu größeren Spenden bereit als solche, die sich eher ihrer eigenen Gruppe verpflichtet fühlen. Aus den Ergebnissen ihres Experimentes leiten die Forschenden ab,  dass breit angelegte Informationskampagnen nötig seien, um Menschen über die Spendenbereitschaft anderer zu informieren. So könnte sich die selbstverstärkende Wirkung entfalten, ist sich das Forschungsteam sicher.

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