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Henkel: Unternehmen müssen die Welt durch Innovation nachhaltiger machen

© Henkel
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Bei dem Konsumgüterhersteller Henkel stehen Nachhaltigkeit und Umweltschutz ganz oben auf der Agenda. Das Unternehmen rund um Marken wie Schwarzkopf oder Persil unterstützt Konsumenten mit verschiedenen Aktionen bei der Reduktion des eigenen CO2-Fußabdrucks, nimmt sich aber auch selbst bei der Nase: 2010 hat sich der Konzern das Ziel gesetzt in der eigenen Produktion binnen 20 Jahren 75 Prozent CO2 einzusparen und komplett auf grünen Strom umzusteigen – bei mehr als 180 Produktionsstandorten in über 55 Ländern ist das durchaus eine Mammutaufgabe.

Investments in Kreislaufwirtschaft

Henkel arbeitet auch fleißig an der Kreislaufwirtschaft. Erst kürzlich wurde bekannt, dass das Unternehmen in das deutsche Startup Saperatec investiert hat. Saperatec hat eine Technologie entwickelt, mit der unter anderem aluminiumhaltige flexible Verbundverpackungen getrennt und recycelt werden können. Gerade in der Kunststoffverwertung engagiert sich Henkel intensiv und ist auch Mitglied internationaler Initiativen wie „Alliance to End Plastic Waste“ oder „New Plastics Economy“. Im Interview mit Tech & Nature spricht Erich Schlenz, Head of Packaging Implementation CEE Laundry & Home Care, über Plastikverpackungen, Herausforderungen beim Recycling und Nachhaltigkeit bei Henkel.

Warum setzt Henkel im Jahr 2019 nach wie vor auf Plastikverpackungen?

Erich Schlenz: Kunststoff ist ja nicht per se schlecht. Er sorgt für Produktsicherheit, für Produktschutz, für Produkthaltbarkeit. Plastik senkt die CO2-Emissionen beim Transport, weil es leichter ist. Und in vielen Fällen – denken Sie an medizinische Geräte oder viele industrielle Anwendungen – ist Kunststoff überhaupt unverzichtbar.

Startups wie Eco Pack entwickeln biologisch abbaubare Alternativen. Gibt es Technologien, mit denen man flächendeckend für Plastikersatz sorgen könnte?

Nein. Außerdem kann man diskutieren, ob es sinnvoll ist, aus Lebens- oder Futtermitteln Verpackungsalternativen zu kreieren. Auch die Wiederverwertbarkeit oder die Möglichkeit der biologischen Abbaubarkeit ist im verdichteten, urbanen Umfeld mit dem derzeitigen Abfallmanagementsystem nicht so einfach zu handeln. Aber für die Zukunft ist sicherlich evident, dass wir irgendwann einmal zu besseren Alternativen zu den erdölbasierten Materialien kommen müssen.

+++ Diese Projekte sollen die Welt vom Plastikmüll befreien  +++

Lässt sich Plastik überhaupt zu 100% recyceln?

Das hängt von der Qualität des Sammelguts ab und ob es sich beispielsweise um Monomaterialien oder um Verbundkunststoffe handelt. In letzterem Fall ist das Recycling aktuell schwierig. Aber ich bin überzeugt davon, dass es auch dafür in absehbarer Zeit technologische Lösungen geben wird.

Wie viele Verpackungen werden tatsächlich recycelt?

Das ist von Land zu Land und damit von Abfallwirtschaftssystem zu Abfallwirtschaftssystem unterschiedlich. Und klarerweise ist auch das eingesetzte Material dafür entscheidend. Auf der einen Seite haben wir Papier oder Glas, bei denen das Sammeln über Jahrzehnte kollektiv gelernt wurde und damit die Recyclingquote hoch ist. Auf der anderen Seite gibt es die Kunststoffe, wo etwa die stoffliche Verwertung bei PET hierzulande schon jetzt sehr hoch ist, aber wir gleichzeitig bei Verbundkunststoffen, wie gesagt, erst am Anfang stehen.

Wie sollten Konsumenten mit Plastikverpackungen am besten umgehen?

Wie es der Gesetzgeber und das lokale Abfallwirtschaftssystem vorschreiben, also so viel und so gut wie nur möglich trennen, damit ein Recyclingprozess überhaupt erst in Gang gesetzt werden kann.

Wie akribisch trennen Sie persönlich Müll?

Ich bin ein Kind der achtziger und neunziger Jahre, als die Diskussionen um Milchflasche, um Alugetränkedose, um Nachfüllpackungen und um Mehrweggebinde schon einmal sehr heftig geführt wurden. Das heißt, meine Restmülltonne ist praktisch leer. Das hat aber auch mit meiner Wohnsituation zu tun. In einem Haus am Land ist mehr Platz für Gelber Sack, Papiertonne etc. als das in einer Wohnung in Wien der Fall wäre.

Warum beschäftigt sich Henkel so intensiv mit Nachhaltigkeit? Ist die Motivation eine rein ökologische oder gibt es auch ökonomische Gründe?

Zunächst ist Nachhaltigkeit Teil der Unternehmens-DNA, die Fritz Henkel, als er die Firma 1876 gründete, persönlich implementierte. Nachhaltigkeit meint begrifflich auch, dass ich nur dann am Markt erfolgreich wirtschaften kann, wenn mir dies die ökonomischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ermöglichen. Fast 8 Milliarden Menschen, Klimawandel und ein global stetig größer werdender ökologischer Fußabdruck nehmen Unternehmen in die Pflicht, durch ihre Innovationen, die Welt nachhaltiger auszurichten. Dieser Verantwortung stellt sich auch Henkel. Und klar ist zugleich, dass Transport, Energie, Rohstoffe usw. viel Geld kosten. Das heißt, je sorgsamer mit Ressourcen umgegangen wird, desto effizienter und erfolgreicher lässt sich insgesamt wirtschaften.

Auf Social Media sieht man oft diese Horrorbilder von Stränden voller Plastikmüll. Wie drängend ist das Problem in der Realität?

Strände voller Plastikmüll sind leider die Realität. Das sind ja keine Fake News. Daher ist das ein ernstes Problem.

Woher kommt der Plastikmüll auf diesen Bildern und wo liegt der beste Hebel, um ihn zu reduzieren?

90 Prozent des Ozeanplastiks stammen aus Ländern, in denen es keine Infrastruktur für ein effizientes Abfallmanagementsystem gibt. Der Aufbau einer solchen ist ein Gebot der Stunde. Die Bilder helfen mit, den politischen und gesellschaftlichen Druck zu erhöhen.

Wieviel Regulierung brauchen wir, um die Welt zu retten? Liegt der stärkste Hebel in Händen der Politik?

Ohne klare, verbindliche, internationale Regelungen, bei denen niemand Gefahr läuft, gegen jemanden anderen aus Wettbewerbsgründen ausgespielt zu werden, wird es nicht gehen.

Welche konkreten Wünsche hätten Sie an die Politik?

Genau für diese klaren, verbindlichen, internationalen Regelungen zu sorgen.

Erich Schlenz von Henkel © © Henkel/Richard Tanzer
Erich Schlenz von Henkel © Henkel/Richard Tanzer

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